Leserbrief von Jens Krause, Berlin-Grunewald

Seite 2 von 2
Mieten-Debatte : Was ist eigentlich Wohnungsnot?
Michael Müller

In der Berliner Verfassung steht, jeder hat Anspruch auf Wohnraum, aber nicht auf eine Wohnung zum Beispiel in Kreuzberg oder Charlottenburg. Das mit Wohnungsnot zu bezeichnen ist Unsinn. Wenn bestimmte Gebiete attraktiver werden, dann verstärkt sich die Nachfrage und bei begrenztem Angebot, und das ist immer begrenzt, steigen die Mieten, weil der Zahlungskräftigere eben noch ein paar Euro zulegt, um seine Wunschwohnung zu bekommen. Der damit einhergehende Verdrängungsprozess ist unvermeidbar und dient auch der stetigen Erneuerung der Stadt. Wer meint, das verhindern zu können, muss in die Zwangsbewirtschaftung zurück, Zuweisung von Wohnungen und Preisbindung der Mieten. Haben wir alles schon gehabt in Berlin, noch heute müssen wir deshalb Milliarden Schulden abbezahlen.

Gibt es eigentlich einen plausiblen Grund, warum in Berlin die Mieten so erheblich billiger sein müssen als in Hamburg, München oder Frankfurt? Nirgendwo in einer mitteleuropäischen Millionenstadt lässt es sich so günstig leben wie in Berlin. Es ist ein fataler Irrtum zu glauben, dass das so bleiben wird. Der Übergang von einer subventionierten Frontstadt beziehungsweise einer sozialistischen Wohnraumversorgung in eine der gegenwärtig attraktivsten Metropolen Europas bringt Wachstumsschmerzen. Wir werden die Attraktivität mit geringeren Ansprüchen an Wohnungsgröße und mit eingeschränkter Auswahl beim Wohnungsstandort bezahlen müssen. Der Preis ist nicht ungerecht.

Tagesspiegel-Leser Jens Krause, Berlin-Grunewald

Artikel auf einer Seite lesen

39 Kommentare

Neuester Kommentar