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Auch Grüne stimmen dafür : Opposition setzt Untersuchungsausschuss zum Wirecard-Skandal ein

Ein Untersuchungsausschuss des Bundestages soll klären, wie es zum Wirecard-Skandal kommen konnte. Die Grünen haben dem als letzte Oppositionspartei zugestimmt.

Nun haben auch die Grünen als letzte Oppositionspartei im Bundestag einem Wirecard-Untersuchungsausschuss zugestimmt.
Nun haben auch die Grünen als letzte Oppositionspartei im Bundestag einem Wirecard-Untersuchungsausschuss zugestimmt.Foto: Peter Kneffel/dpa

Zur politischen Aufarbeitung des Wirecard-Skandals will die Opposition im Bundestag einen Untersuchungsausschuss einsetzen. Nach AfD, FDP und Linke sind nun auch die Grünen dafür, wie der Grünen-Abgeordnete Danyal Bayaz am Dienstag nach einer Sondersitzung des Finanzausschusses sagte.

„Trotz der vielen Sondersitzungen haben wir es nicht geschafft, den Skandal aufzuarbeiten“, sagte der Grünen-Finanzexperte Bayaz. Die Befragungen hätten nicht gereicht, um die Zweifel der Opposition am Verhältnis zwischen der Bundesregierung und dem mittlerweile insolventen Finanzdienstleister auszuräumen.

FDP, Linke und Grüne haben zusammen die nötige Stimmenzahl für die Einsetzung eines Untersuchungsausschusses und wollen gemeinsam abstimmen. Um einen Untersuchungsausschuss einzusetzen, muss ein Viertel der 709 Abgeordneten im Bundestag zustimmen – FDP, Grüne und Linke haben zusammen 216 Sitze. Auf die Stimmen der AfD wollen sich die anderen drei Fraktionen nicht stützen.

Untersuchungsausschüsse können Zeugen und Sachverständige laden und Akteneinsicht verlangen. Die Ermittlungen sind allerdings zeitaufwendig, und die Zeit für den Wirecard-Ausschuss, der wegen der Bundestagswahl im kommenden Herbst wohl allenfalls bis zur Sommerpause arbeiten könnte, ist kurz.

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Im Juni hatte der inzwischen insolvente Zahlungsdienstleister Luftbuchungen von 1,9 Milliarden Euro eingeräumt. Die Münchner Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass Wirecard seit 2015 Scheingewinne auswies, und ermittelt wegen gewerbsmäßigen Bandenbetrugs. Der Schaden für die kreditgebenden Banken und Investoren könnte sich auf 3,2 Milliarden Euro summieren.

Zentrale Fragen bei der politischen Aufarbeitung sind, wann genau die Bundesregierung von Unregelmäßigkeiten wusste und ob sie zu wenig dagegen unternommen hat. Im Fokus stehen insbesondere die Finanzaufsicht Bafin, die dem Finanzministerium untersteht, sowie Rechnungsprüfungsgesellschaften, die Wirecard jahrelang prüften und in den Zuständigkeitsbereich des Wirtschaftsministeriums fallen.

Während sich der ehemalige Wirecard-Chef Markus Braun den Behörden stellte, nachdem per Haftbefehl nach ihm gefahndet wurde, ist ein weiterer mutmaßlichen Drahtzieher des Skandals weiter flüchtig: Jan Marsalek. (dpa, AFP, Tsp)

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