Brexit-Verhandlungen : Auf nach Größtbritannien!

Die Briten versuchen sich an der Aushebelung physikalischer Gesetze. Dabei gibt es ganz einfache Lösungen für das Brexit-Problem. Eine Glosse.

Auf nach Größtbritannien!
Auf nach Größtbritannien!Foto: Andy Buchanan / AFP

Bei Präsentationen vor Publikum soll man versuchen, das Problem oder die Story in einem einzigen, einfachen Satz zusammenzufassen, einem Satz wie „Boy meets Girl“. Bei der Brexitkrise könnte dieser Satz so lauten: Die Briten möchten nicht in der EU bleiben, rausgehen aber wollen sie auch nicht.

Es handelt sich hier um den ersten ernsthaften Versuch der Menschheitsgeschichte, ein physikalisches Gesetz mit Hilfe von Parlamentsabstimmungen abzuschaffen. Dabei zu sein und gleichzeitig nicht dabei zu sein – dieser Wunsch war ja bisher vor allem aus dem Bereich der Geisteskrankheiten bekannt, dort heißt er „Depersonalisation“ und wird oft mit dem Medikament Naloxon behandelt.

Gibt es Möglichkeiten, die Wünsche der Briten ohne Naloxon zu erfüllen? Eine denkbare Lösung wäre die Gründung eines Parallelstaates. Zurzeit benennt sich in Europa ein Land namens „Mazedonien“ in „Nordmazedonien“ um und löst damit ebenfalls außenpolitische Probleme. Wenn es neben Großbritannien ein zweites Land namens „Nordbritannien“ gibt – „Südbritannien“ wäre dann die Bretagne –, könnte die Regierung jedem Bürger die doppelte Staatsbürgerschaft anbieten. Großbritannien bliebe in der EU, mit allen Vorteilen.

Die Bürger von Nordbritannien dagegen wären nicht in der EU und müssten sich um die Vorschriften aus Brüssel nicht scheren. Und weil jeder beide Pässe hat, dürfen die Briten situativ entscheiden, welchen Teil ihrer Identität sie gerade benutzen. Ich glaube nicht, dass die EU viel dagegen tun könnte. Dass zwei Staaten sich das gleiche Staatsgebiet teilen, gab es auch schon, zum Beispiel beim „Anglo-ägyptischen Sudan“. Die Völkerrechtler hätten ein bisschen zu tun, das schon.

Zweiter Vorschlag: Die beiden Lager, pro und kontra EU, sind auf der Insel etwa gleich stark. Viele fordern eine neue Abstimmung über den Austritt. Auch dafür gibt es keine Mehrheit. Und das unterlegene Lager würde die Niederlage sowieso nicht hinnehmen. Deshalb wäre es am klügsten, wenn künftig in Großbritannien jährlich abgestimmt wird, etwa am 2. Januar. Je nach Wahlergebnis gehört das Land dann fürs kommende Jahr zur EU oder aber nicht. Man genösse abwechselnd die Vor- und Nachteile beider Lösungen. Es wird eine Weile dauern, bis sich das einspielt. So war es ja auch bei der Sommerzeit, mit der Umstellung der Uhren.

Die einfachste Lösung: Die EU tritt Großbritannien bei

Die einfachste Lösung bestünde darin, dass die EU ihrerseits Großbritannien beitritt, welches sich dann in „Größtbritannien“ umbenennt. Die Queen wäre dann endlich Königin aller Europäer, verdient hat sie es. Das würden sogar die Polen gut finden. Womit endlich bewiesen wäre, dass man den Kuchen essen und gleichzeitig behalten kann. Als letzter Ausweg bleibt immer noch Naloxon.

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