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Politik : Brexit zeigt Folgen: Unilever zieht's von London nach Rotterdam

Der Lebensmittelkonzern Unilever verlegt seine Zentrale von London nach Rotterdam. Grund sind der Brexit und milliardenschwere Steuergeschenke des niederländischen Staats.

Peter Riesbeck

Der Brexit zeigt erste Folgen. Der britisch-niederländische Konsumgüter- und Lebensmittel-Konzern Unilever (Omo, Knorr, Becel) gibt seine Politik des doppelten Firmensitzes in London und Rotterdam auf und verlegt seine neue Zentrale allein in die holländische Hafenstadt. Das teilte das Unternehmen am Donnerstag mit. Dem Vernehmen nach geht es um bis zu 900 Stellen.

Der Konzern reagierte damit auf den Brexit. Mehr aber noch auf den Übernahmeversuch durch den US-Konkurrenten Kraft-Heinz. Der hatte im Vorjahr 134 Milliarden Euro für Unilever geboten. Dessen Aktien wurden bislang sowohl in London als auch in Amsterdam gehandelt, was feindliche Übernahmen erleichterte. Künftig werden die Unilever-Anteile allein an der Börse in Amsterdam gehandelt.
Noch ein Grund spielte für den Umzug eine entscheidende Rolle. Die Mitte-Rechts-Koalition des holländischen Premiers Mark Rutte hatte im Vorjahr im Regierungsakkord vereinbart, die Belastung auf Dividenden abzuschaffen. Das kostet den holländischen Staat bis zu 1,4 Milliarden Euro jährlich. Nun macht Unilever von dem großzügigen Angebot Gebrauch.
Wegen ihrer aggressiven Steuerpolitik stehen die Niederlande in der EU seit Jahren in der Kritik. „Die Mitgliedstaaten müssen ihre aggressive Steuervermeidung umgehend einstellen“, forderte zuletzt der umtriebige Grünen-Europaabgeordnete Sven Giegold. Der liberale Premier Rutte, einst selbst Mitarbeiter von Unilever, feierte die Entscheidung am Donnerstag als Erfolg. Der Beschluss kommt goldrichtig. Am 21. März sind in Holland Kommunalwahlen.

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