Britische Politik : Die neue alte Ministerin

Amber Rudd, eine Vertraute von Theresa May, erlebt ihr politisches Comeback als Arbeitsministerin. Ein Porträt.

Alice Hutton
Amber Rudd.
Amber Rudd.Foto: imago/ZUMA Press

Viel Zeit am Spielfeldrand hat Amber Rudd nicht verbracht bevor sie jetzt in die Politik zurückkehrt. Die konservative Innenministerin war im Zuge des Windrush-Skandals nach öffentlicher Empörung im April zurückgetreten. Nur sieben Monate später kommt die Politikerin nun als Arbeitsministerin zurück ins britische Kabinett.

Rudd hatte zurücktreten müssen nachdem „The Guardian“ enthüllt hatte, dass eine Gesetzesänderung die einst legale Einwanderung der sogenannten „Windrush-Generation“ zwischen 1948 und 1971 rückwirkend illegal machte. Tausende karibische Koloniebewohner mit britischer Staatsangehörigkeit waren damals in das Vereinigte Königreich eingeladen worden, um das vom Zweiten Weltkrieg zerstörte Großbritannien wiederaufzubauen. Nun drohte ihnen der Verlust von Krankenversicherung und Arbeitsplatz sowie die anschließende Ausweisung. Rudd ließ eine demütige Entschuldigung verlauten, dass sie das Parlament in Bezug auf ihre Rolle bei diesen Abschiebungen unbeabsichtigt in die Irre geführt habe.

Als die Rufe, Theresa May abzusetzen, jüngst immer lauter wurden und die Zahl ihrer Verbündeten durch die massenhaften Rücktritte mehr und mehr schwand, holte May ihre überzeugte Unterstützerin wieder zurück aus dem politischen Exil. Vor dem Windrush-Skandal hatte Rudd für den Verbleib in der Europäischen Union votiert und sich für mehr Frauen im Parlament eingesetzt. Für May, die „Remainers“ und diejenigen der Tories, die einen sanften Brexit bevorzugten, schien sie damals die Richtige, um Boris Johnson aufhalten zu können.

Die 54-Jährige hat eine rasante Karriere hinter sich. Gewählt im Jahr 2010, war sie zunächst Ministerin für Energie und Klimawandel, bevor sie 2016 zur Innenministerin befördert wurde. Nun ist Rudd die sechste Arbeitsministerin in zwei Jahren, nachdem ihre Vorgängerin Esther McVey aufgrund des Brexit-Deals zurücktrat. Der Job der Arbeitsministerin wird jedoch als „vergifteter Kelch“ angesehen wegen der großen und chaotischen Aufgabe, das neue Sozialsystem „Universal Credit“ umzusetzen. Vor dem Eintritt ins Parlament arbeitete die zweifache Mutter als Investmentbankerin in London und New York. Aufgrund ihrer Verbindungen in die Aristokratie und die Filmbranche hatte sie 1994 einen flüchtigen Auftritt im Film „Vier Hochzeiten und ein Todesfall“ mit Hugh Grant.

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