Der Mister Ehrgeiz der CDU : Daniel Caspary, der Mann, der Macron angreift

Wer ist der Chef der deutschen CDU/CSU-Europaabgeordneten, Daniel Caspary, der gerade hart mit Emmanuel Macron ins Gericht ging? Ein Porträt.

Der Karlsruher Europaabgeordnete Daniel Caspary (CDU).
Der Karlsruher Europaabgeordnete Daniel Caspary (CDU).Foto: Büro Caspary/picture-alliance/ dpa

Mit gerade einmal gut 41 Jahren hatte der Abgeordnete Daniel Caspary seinen ersten großen Karriereschub geschafft: Der Vater von vier Kindern, der in Karlsruhe Volkswirtschaftslehre studiert hat, wurde 2017 zum Chef der deutschen CDU/CSU-Abgeordneten im Europaparlament gewählt. Gerade ist er ohne eine Gegenstimme bestätigt worden. Dass er so früh an die Spitze von 34 selbstbewussten Abgeordneten der beiden Schwesterparteien im Europaparlament tritt, das sagt einiges über Caspary aus: Ehrgeiz, gepaart mit Ungeduld, das sind seine Markenzeichen. Ins Europaparlament erstmals eingezogen ist er übrigens im jungen Alter von 28 Jahren.

Dort hat er sich als über die parteipolitischen Lager hinaus geschätzter Experte für Handelspolitik einen Namen gemacht. Dass sich der junge Abgeordnete dieses Themenfeld aussuchte, auch das zeugt von seinem Streben nach Einfluss. Schließlich sind die Kompetenzen in der Handelspolitik der Mitgliedstaaten komplett nach Brüssel verlagert.

Als junger Fach-Politiker kann man sich da mit diesem Thema einen Namen machen, in Brüssel und daheim im Wahlkreis. Zumal wenn man wie Caspary aus Baden-Württemberg kommt, wo Konzerne wie heimliche Weltmarktführer und Mittelständler in einer zunehmend globalisierten Welt darauf angewiesen sind, dass es möglichst wenige Handelsschranken gibt.

Unterstützung von der Kanzlerin

Caspary scheut nicht vor deutlichen Worten zurück. So wie er jetzt Macron als „Revisionist“, „antideutsch“ und Gegner der Demokratie beschimpft, teilte er auch gegen Globalisierungskritiker bei Grünen und Organisationen wie Campact aus, als die Kampagnen starteten gegen das Freihandelsabkommen der EU mit den USA, TTIP, Ceta und andere Abkommen.

Und Caspary will weiter nach oben. Er gilt als in der CDU gut vernetzt. Als Chef der deutschen Gruppe im Brüsseler und Straßburger Parlament sitzt er bereits im CDU-Parteivorstand. Caspary geht auch in die direkte Auseinandersetzung. 2017, es standen bei einem Parteitag seiner zerstrittenen baden-württembergischen CDU Vorstandswahlen an: Caspary kandidierte überraschend für den Posten als einer von vier Landesvizeparteichefs und stellte dann einen langgedienten Landespolitiker, Winfried Mack, kalt. Es ließ aufhorchen, dass Caspary auf Rückenwind aus dem Kanzleramt setzen durfte. Angela Merkel hatte nach ihrer Rede vor 1000 Delegierten gesagt: „Herr Caspary hat meine volle Unterstützung.“

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