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Deutsch-Afghane : Bundeswehrberater wegen Spionage für Iran festgenommen

Ein Mann wird im Rheinland festgenommen. Der Verdacht: Spionage für den Iran. Er war als Sprachauswerter und landeskundlicher Berater für die Bundeswehr tätig.

Das Schulterpatch der NATO Mission Resolute Support auf der Uniform einer Bundeswehrsoldaten im Feldlager Camp Marmal.
Das Schulterpatch der NATO Mission Resolute Support auf der Uniform einer Bundeswehrsoldaten im Feldlager Camp Marmal.Foto: Michael Kappeler/dpa

Ein Bundeswehrangehöriger hat offenbar über Jahre hochgeheimes Material an den iranischen Geheimdienst verraten. Die Bundesanwaltschaft in Karlsruhe teilte mit, der am Dienstag im Rheinland festgenommene deutsch-afghanische Staatsangehörige Abdul Hamid S. sei dringend verdächtig, Erkenntnisse an einen iranischen Geheimdienst weitergegeben zu haben.

Gegen den 50 Jahre alten deutsch-afghanischen Staatsangehörigen sei bereits am 6. Dezember vergangenen Jahres Haftbefehl erlassen worden. Demzufolge wird ihm vorgeworfen, für einen iranischen Nachrichtendienst tätig gewesen zu sein und diesen mit Informationen versorgt zu haben. Weitere Details wurden nicht genannt.

Ein Sprecher des Bundesverteidigungsministeriums sagte, es gebe gegen einen Angehörigen der Bundeswehr einen Spionageverdacht im Zusammenhang mit dem Iran. Für alle weiteren Fragen sei der Generalbundesanwalt zuständig.

Der Mann soll Zugang zu "sensiblen Informationen" gehabt haben

S. sollte am Dienstag dem Ermittlungsrichter des Bundesgerichtshofs vorgeführt werden. Der Richter sollte dem mutmaßlichen Spion den Haftbefehl eröffnen und über den Vollzug der Untersuchungshaft entscheiden.

Der Beschuldigte sei Sprachauswerter und Landeskundlicher Berater der Bundeswehr, so die Bundesanwaltschaft. Der "Spiegel" berichtete, in seiner Tätigkeit bei der Bundeswehr habe der 50-jährige Deutsch-Afghane S. Zugang zu "sensiblen Informationen" gehabt - etwa zum Einsatz der Truppe in Afghanistan; womöglich aber auch zu anderen Gebieten von Interesse für deutsche Sicherheitsbehörden. S. soll bereits seit mehreren Jahren für den iranischen Geheimdienst Mois gearbeitet haben.

Das Ministery of Intelligence and Security (Mois) - zu deutsch Ministerium für Nachrichtenwesen und Sicherheit - ist der wichtigste Geheimdienst der Islamischen Republik Iran. Er wurde im August 1984 gegründet - gut fünf Jahre nach der islamischen Revolution 1979. Schätzungen zufolge hat das Ministerium etwa 30.000 Mitarbeiter. Seit 2013 leitet der Kleriker und Politiker Mahmoud Alavi das Ministerium, er ist im Kabinett von Präsident Hassan Rohani für den Geheimdienst zuständig.

Bereits im Jahr 2017 war in Berlin ein Mann wegen Spionage für den Iran zu einer mehrjährigen Haftstrafe verurteilt worden. Der aus Pakistan stammende Haider Syed M. wurde im März 2017 vom Berliner Kammergericht wegen geheimdienstlicher Agententätigkeit zu einer Freiheitsstrafe von vier Jahren und drei Monaten verurteilt. Der damals 31-Jährige aus Pakistan soll für den Geheimdienst der Kuds-Kräfte potentielle Anschlagsziele ausspioniert haben.

Zunächst hatte er in Frankreich den französisch-israelischen Wirtschaftsprofessor David Rouach ausgespäht. In Deutschland hatte er zudem die Lebensgewohnheiten, Termine und viele weitere Details zum Leben von Reinhold Robbe ausgekundschaftet. Robbe ist früherer Präsident der Deutsch-Israelischen Gesellschaft (DIG) sowie ehemaliger Wehrbeauftragter des Bundestages. (Mit Reuters, AFP)

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