• "Ein offener Dialog ist mein Ziel" : Bundesdrogenbeautragte bei Cannabisfreigabe kompromissbereit

"Ein offener Dialog ist mein Ziel" : Bundesdrogenbeautragte bei Cannabisfreigabe kompromissbereit

Daniela Ludwig (CSU) zeigt sich offen dafür, Cannabis teilweise zu legalisieren. Die Freigabe weiterer Substanzen bezeichnete sie dagegen als „Blödsinn“.

Gerade unter Jugendlichen ist Cannabis sehr beliebt - 40 Prozent aller unter 18 Jährigen kiffen oder haben bereits gekifft.
Gerade unter Jugendlichen ist Cannabis sehr beliebt - 40 Prozent aller unter 18 Jährigen kiffen oder haben bereits gekifft.Foto: Lars Hagberg/AFP

In Berlin hat die neue Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Daniela Ludwig (CSU) den Drogen- und Suchtbericht 2019 vorgestellt. Dabei zeigte sie sich offen für Gespräche über eine Teilfreigabe von Cannabis und werde mit Befürwortern und Gegnern den Dialog suchen. Unter anderem wolle sie sich über die Erfahrungen Österreichs erkundigen, wo Kleinstmengen Cannabis für den Eigenbedarf mit einem speziellen Wert der Inhaltstoffe THC und CBD erlaubt sind. Auch das portugiesische Modell ist der Bundesdrogenbeauftragten bekannt und wird bei den Überlegungen eine Rolle spielen, teilte eine Sprecherin mit. In Portugal ist der Besitz von kleinen Mengen an Betäubungsmittel straffrei. Konsumenten wird dafür regelmäßig das Gespräch mit Suchttherapeuten empfohlen. In Deutschland ist der Besitz und Konsum verboten. Straffrei bleiben mitunter Kleinstmengen, die ausschließlich für den eigenen Gebrauch bestimmt sind.

Freigabe von Kokain und Heroin ist „Blödsinn“

Ludwig betonte, die gesellschaftliche Debatte entwickele sich permanent weiter. Das müsse die Politik aufgreifen. „Ich glaube nicht, dass es so bleibt, wie es ist“, sagte sie, stellte aber zugleich klar: „Cannabis ist nicht nur ein Kraut, sondern kann auch gefährlich sein.“ Unter anderem müsse gefragt werden, was bei einer etwaigen Veränderung der Gesetzeslage für den Gesundheitsschutz von Jugendlichen getan werden könne.

Zugleich bekräftigte Ludwig ihr „Nein“ zur Freigabe von Kleinstmengen bei harten Drogen wie Kokain oder Heroin. Eine solche Forderung sei „schlicht und ergreifend Blödsinn“, sagte sie. Solch eine Eigenbedarfsregulierung suggeriere Harmlosigkeit - dies sei aber nicht der Fall bei einer Droge wie Heroin, wo schon eine einzelne Dosis tödlich sein könne.

Der Drogen- und Suchtbericht 2019 weist bei jungen Erwachsenen (18-25 Jahre) und bei Erwachsenen einen neuerlichen Anstieg beim Cannabis-Konsum aus - eine Tendenz, die seit 2011 zu erkennen ist. Zudem hat sich der THC-Gehalt, der die psychotrope Wirkung von Cannabis anzeigt, weltweit fast verdreifacht. So lag der Medianwert des THC-Gehalts des polizeilich sichergestellten Haschisch 1996 bei 4,9 Prozent, 2018 bereits bei 16,7 Prozent.

Alkoholkonsum auf historischem Tiefstand

Ludwig zeigte sich derweil erfreut über einen Rückgang des Alkohol- und Tabakkonsums bei jungen Menschen. Dass die Zahl der regelmäßig Alkohol konsumierenden Jugendlichen auf einen historischen Tiefstand gesunken sei und sich die Zahl der jugendlichen Raucher binnen zehn bis 15 Jahren um zwei Drittel reduziert habe, sei auch ein Erfolg von Präventionsmaßnahmen, sagte die Drogenbeauftragte. Außerdem bekräftigte sie ihre Forderung nach einem Verbot von Außenwerbung für Tabak und auch E-Zigaretten. Dass in Deutschland noch für Tabak geworben werden dürfe, sei "kein Ruhmesblatt", sagte Ludwig. Herkömmliche Zigaretten sollten ebenso wie E-Zigaretten nicht mehr beworben werden dürfen.

Gerade bei jungen Menschen sei festzustellen, dass E-Zigaretten dort massiv gut ankommen. Diese seien ein In-Produkt, mögliche Gesundheitsgefahren würden aber ausgeblendet. "Die E-Zigarette ist kein Wellnessprodukt", sagte Ludwig. (epd, AFP, Tsp)

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