Elon Musks Tesla-Fabrik bei Berlin : Es fehlt der Glaube, dass das alles so funktioniert!

Elon Musks Firma Tesla will eine Gigafabrik bei Berlin bauen? Das erinnert an die Wirtschaftskatastrophe von DeLorean in den 1970ern. Ein Kommentar.

2018 schoss Elon Musk einen Tesla ins All
2018 schoss Elon Musk einen Tesla ins AllFoto: imago/ZUMA Press/SpaceX

Elon Musk ist ein Visionär, Investor, Gründer - und ein Kiffer. Wegen letzterem hat er viel Einfluss bei seiner berühmtesten Firma, dem Autobauer Tesla, verloren. Die US-Börsenaufsicht SEC hatte nach einem entsprechend verstrahlten Video-Auftritt einschreiten müssen, um Miteigentümer und Aktionäre zu schützen.

Elon Musk
Elon MuskFoto: Noah Berger/REUTERS

Elon Musk ist für (fast) alles Mögliche bekannt: für den Plan zum Bau seiner Hyperloop-Röhren, mit denen er Menschen und Güter in Kapseln auf Strecken von Berlin nach München in kaum mehr als einer halben Stunde befördern möchte. Wäre das nicht genial? Diese verträumte Idee treibt seine „The Boring Company” voran, genau wie den bereits sehr erfolgreichen Verkauf von Flammenwerfern.

Nicht nur wegen dieses Details wirkt die Ankündigung des 48-jährigen Amerikaners mir südafrikanischen Wurzeln von Dienstagabend, er wolle bei Berlin nahe dem Flughafenneubau BER eine riesige Fabrik für Elektroautos und Autobatterien seiner Marke Tesla bauen, reichlich bizarr. Bringt er ein paar seiner Flammenwerfer mit, um die legendär nicht-funktionierende Brandschutzanlage an Berlins größtem Pannenprojekt zu testen? Mutmaßlich nicht. [In einer früheren Version des Textes stand, dass Elon Musk Feuerlöscher statt Flammenwerfer verkauft. Wir haben das entsprechend geändert. Außerdem haben wir die Übersetzung von „The Boring Company” entfernt - boring kann sowohl langweilig, als auch bohren bedeuten.]

Unterstellen wir hier einmal, dass sich der schillernde Gründer Musk und seine Mitstreiter von dem Brief der Berliner Wirtschaftssenatorin Ramona Pop und von der Standortförderagentur Berlin Partner haben umstimmen, beziehungsweise inspirieren lassen bei der Standortwahl ihrer ersten europäischen Großfabrik: Es wäre ein Knaller, eine Mega-Nachricht für die Metropolregion Berlin-Brandenburg. Keine Frage.

Fabrikbau wäre Stachel im Fleisch der Autohersteller

Es wäre so, als hätte Apple vor zehn Jahren maßgebliche Teile des Designs und der Fertigung seiner iPhones nicht nach China, sondern nach Berlin vergeben. In einer Zeit, in der sich Deutschlands Autobranche, der mit Abstand wichtigste Industriezweig, neu sortiert, wäre der Fabrikbau ein unglaublich starkes Signal. Den heimischen Herstellern VW, BMW und Daimler, die allesamt – noch – deutlich umsatzstärker sind als Tesla, bekämen einen Edel-Konkurrenten vor die Tür gesetzt. Musks Tesla wäre Vorbild, ein Stachel im Fleisch, aber vor allem Ansporn und Magnet für Deutschland im Kampf um die besten Fachkräfte der Welt. Zumindest Europas.

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Eine Batteriefabrik wäre zugleich ein traditioneller Industriearbeitgeber, der Tausende Jobs für Menschen ohne größere Ausbildung bieten könnte. Auch die braucht es in der Region. Allein: Es fehlt der Glaube, dass das alles so funktioniert!

Ein Blick in die Geschichte lohnt

Geschichte wiederholt sich nicht. Aber bevor man gegenüber einem Elon Musk und seinen Mitaktionären zu sehr in Vorleistung geht, lohnt sich ein Blick in die Geschichte: Anno 1978 hatte John DeLorean, Schöpfer des legendären Flügeltüren-Autos der DeLorean Motor Company (DMC) aus der Film-Trilogie „Zurück in die Zukunft”, den Londoner Herrschern über die Provinz Nordirland das Blaue vom Himmel versprochen. Am vorläufigen Höhepunkt des dortigen Bürgerkrieges, der bis heute mehr als 3500 Menschenleben gekostet hat, kündigte er den Bau einer Fabrik für seine schnittigen Flitzers in Belfast an.

DeLorean baute diese tatsächlich – dank üppigster Subventionen des britischen Staates, der die Krawall-Jugendlichen mit Jobs von der Straße holen wollte. Genügend Käufer für diese Autos fanden sich leider nicht. Und da der charismatische Unternehmer sich zuvor mit Geschäftspartnern in den Staaten überworfen hatte, verfügte er leider auch nicht über das nötige Kapital für einen Neustart in Europa. Darüber gibt es heute auf Youtube eine einstündige Dokumentation der BBC aus dem Jahre 2003. Spektakuläres Ende dieser Geschichte war, dass DeLoreran beim Drogenschmuggel gefilmt wurde.

Schließt sich hier ein Kreis zum Kiffer Elon Musk? Hoffentlich nicht! Es sei ihm, seinem Projekt, halb Europa, ganz Deutschland und speziell der Hauptstadtregion zu wünschen, dass einer der weltweit größten, erfolgreichsten und charismatischsten Unternehmerpersönlichkeiten unserer Zeit im Großraum Berlin seine Zelte aufschlägt. Er ist willkommen, und er hat durch diverse Aktionen bewiesen: Er passt zu Berlin. Und Berlin sollte ihm eine Hand reichen: Aber einschlagen muss er selbst.

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