Erschossener Georgier : Russland will bei Aufklärung von Mord im Tiergarten kooperieren

Deutschland wirft Russland mangelnden Willen vor, bei der Aufklärung des Mordes an einem Georgier zu helfen. Russlands Botschafter sagt Unterstützung zu.

Mord an Georgier im Kleinen Tiergarten: Beamte der Spurensicherung vor Ort
Mord an Georgier im Kleinen Tiergarten: Beamte der Spurensicherung vor OrtFoto: dpa/Christoph Soeder

Der russische Botschafter in Deutschland, Sergej Netschajew, hat die Bereitschaft seines Landes zur Zusammenarbeit im Fall des in Berlin erschossenen Georgiers signalisiert. „Ich denke, dass die Zusammenarbeit auf allen Schienen prinzipiell gegeben war. Ich weiß allerdings nicht, in welchem Umfang“, sagte Netschajew der „Neuen Osnabrücker Zeitung“. „Wenn es irgendwelche Defizite gibt, dann muss man sie finden und beseitigen.“

Netschajew verwies demnach auf die „partnerschaftlichen Kanäle“ zwischen Deutschland und Russland, die „früher auch zwischen den rechtspflegenden Organen funktioniert haben“. Diese gelte es zu nutzen und auszuschöpfen, um die Ermittlungen zu erleichtern.
Ein 40-jähriger Georgier, der in der russischen Teilrepublik Tschetschenien auf Seite der Separatisten gekämpft haben soll, war am 23. August im Kleinen Tiergarten im Berliner Stadtteil Moabit von hinten in Rücken und Kopf geschossen worden. Der mutmaßliche Täter wurde kurz darauf gefasst, sitzt seither in Untersuchungshaft und schweigt zu den Vorwürfen. Die Bundesanwaltschaft verdächtigt staatliche Stellen in Russland oder in der Teilrepublik Tschetschenien, den Mord in Auftrag gegeben zu haben.

Röttgen wundert sich über Putins Kenntnisse

Nach dem Ukraine-Gipfel hatte Russlands Präsident Wladimir Putin den erschossenen Georgier als „Banditen“ und „Mörder“ bezeichnet. Den deutschen Behörden warf er vor, den „Verbrecher und Mörder“ trotz entsprechender Gesuche nicht ausgeliefert zu haben. Aus der Bundesregierung hieß es, ein solches Ersuchen sei gar nicht bekannt.

Der Fall belastet die deutsch-russischen Beziehungen schwer. Die Bundesregierung wirft Russland fehlende Kooperation bei der Aufklärung vor und wies deshalb zwei russische Diplomaten aus. Russland will entsprechend darauf reagieren.

Der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses des Bundestages, Norbert Röttgen, nannte es in der „Passauer Neuen Presse“ „auffällig, dass offensichtlich Präsident Putin dieser Fall und die Identität des Ermordeten gut bekannt sind“. (dpa)

Mehr lesen? Jetzt E-Paper gratis testen!