Fall Nawalny : Charité schaltet Bundeswehr in Suche nach giftigem Kampfstoff ein

Die Vergiftungs-Symptome beim Kremlkritiker Alexej Nawalny bilden sich etwas zurück. Bleibt die Frage: Wurde er durch einen chemischen Kampfstoff vergiftet?

Alexej Nawalny, Oppositionsführer aus Russland, bei einem Protest in Moskau.
Alexej Nawalny, Oppositionsführer aus Russland, bei einem Protest in Moskau.Foto: Pavel Golovkin/AP/picture alliance/dpa

Die Experten der Berliner Charité gehen bei der Vergiftung des russischen Oppositionellen Alexej Nawalny offenbar von der Verwendung eines chemischen Kampfstoffs aus. Nach Informationen des Nachrichten-Magazins „Der Spiegel“ erbat die Berliner Klinik diskret Hilfe von der Bundeswehr.

Die Truppe unterhält in München ein Labor für Pharma- und Toxikologie. In dem streng abgeschirmten Laborkomplex sitzen die deutschlandweit besten Kenner von Giften und chemischen Kampfstoffen. Alexej Nawalny wird nach einem mutmaßlichen Giftanschlag vergangene Woche in Russland derzeit in der Berliner Charité behandelt.

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Nach gemeinsamen Informationen des „Spiegel“ und der Rechercheplattform Bellingcat wurde auch das britische Forschungszentrum für Bio- und Chemiewaffen in Porton Down angefragt. Das dortige Labor war an den Untersuchungen nach dem Anschlag auf den russischen Ex-Agenten Sergej Skripal mit dem russischen Nervengift Nowitschok beteiligt.

Ebenso erkundigten sich Experten der Charité in Bulgarien nach dem Fall eines mit einem Organophosphat vergifteten Waffenhändlers. Dafür soll mutmaßlich der russische Militärgeheimdienst GRU verantwortlich sein.

Die Vergiftungs-Symptome bei dem schwerkranken Kremlkritiker Alexej Nawalny bilden sich nach einer Mitteilung der Berliner Charite zurück. Sein Gesundheitszustand sei stabil, erklärte die Universitätsklinik am Freitag. Nawalny befinde sich weiter auf einer Intensivstation im künstlichen Koma und werde maschinell beatmet.

„Langzeitfolgen der schweren Vergiftung nicht absehbar“

„Sein Gesundheitszustand ist unverändert ernst, ohne dass akute Lebensgefahr besteht“, erklärten die Ärzte. „Nach wie vor sind eventuelle Langzeitfolgen der schweren Vergiftung des Patienten nicht absehbar.“

Die behandelnden Ärzte seien mit Nawalnys Frau in engem Austausch, erklärte die Klinik. „Im Einvernehmen mit seiner Ehefrau geht die Charite davon aus, dass die öffentliche Mitteilung zum Gesundheitszustand in seinem Sinne ist.“

Nawalny war vor gut einer Woche auf einem Inlandsflug in Russland zusammengebrochen und am Samstag nach Deutschland ausgeflogen worden. Die deutschen Ärzte stellten eine Vergiftung fest. Russland wird für mehrere Giftattentate auf Kremlkritiker verantwortlich gemacht.

Nawalnys Transport nach Deutschland ermöglicht hatte auch Bundeskanzlerin Angela Merkel. Sie ist , die, ist sehr besorgt um den russischen Oppositionspolitiker. Nach „Spiegel“-Informationen lässt sie sich täglich detailliert über Nawalnys Gesundheitszustand informieren. (TSP/Reuters)

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