• Gouverneur spricht von „Terrorakt“: Mehrere Trump-Kritiker bekommen Sprengsätze geschickt

Gouverneur spricht von „Terrorakt“ : Mehrere Trump-Kritiker bekommen Sprengsätze geschickt

In den USA sind mindestens sieben Päckchen mit Rohrbomben abgefangen worden. Sie waren unter anderem an Obama, Clinton und CNN adressiert.

Das Paket und der Sprengsatz, die sich in der Post fürs New Yorker CNN-Büro fanden.
Das Paket und der Sprengsatz, die sich in der Post fürs New Yorker CNN-Büro fanden.Foto: CNN/REUTERS

Zwei Wochen vor den US-Kongresswahlen haben an prominente Kritiker von Präsident Donald Trump geschickte Sprengsätze das Land schockiert. Postsendungen mit Rohrbomben wurden unter anderem an den demokratischen Ex-Präsidenten Barack Obama, an die frühere Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton und an den Nachrichtensender CNN adressiert. New Yorks Gouverneur Andrew Cuomo und Bürgermeister Bill de Blasio sprachen unisono von einem „Terrorakt“, die Behörden erhöhten ihre Sicherheitsvorkehrungen vor den Kongresswahlen in zwei Wochen. Trump selbst meldete sich mit einem Appell zu Wort, der die Gemüter nicht eben besänftigen dürfte.

Der oder die Täter nahmen insgesamt sechs Prominente ins Visier: Neben Obama und Clinton waren unter anderen der ehemalige CIA-Direktor John Brennan und Ex-Justizminister Eric Holder Adressaten der Sprengsätze. Die Päckchen ähnelten laut FBI jener Briefbombe, die am Montag im Briefkasten des Anwesens von Milliardär George Soros gefunden worden war. Die demokratische Abgeordnete Maxine Waters erhielt gleich zwei verdächtige Päckchen. Soros, Brennan und die zur Zielscheibe geratenen Politiker haben Trump immer wieder scharf kritisiert. Holder und Waters sind prominente Demokraten und Afroamerikaner.

Mindestens sieben Postsendungen mit Sprengsätzen konnten insgesamt abgefangen werden, wie die Behörden mitteilten. Ein vermeintlich Gouverneur geschickter Sprengsatz stellte sich US-Medien zufolge als falscher Alarm heraus.

Bei den Sprengsätzen handelt es sich nach Angaben der Anti-Terror-Einheit von New York und des FBI offensichtlich um einfach gebaute Rohrbomben. Die PVC-Rohre enthielten Schwarzpulver, einen Zünder und vermutlich auch Granatsplitter, wie NBC unter Berufung auf drei Ermittler berichtete. Verletzt wurde bei den Funden in Washington und im Großraum New York niemand. Die gepolsterten Umschläge wurden abgefangen, bevor sie ihre Adressaten erreichten. Laut FBI ähnelten sich die Umschläge.

Das Päckchen an Holder war falsch adressiert worden und landete stattdessen im Büro der demokratischen Abgeordneten Debbie Wasserman Schultz, deren Anschrift als Absender angegeben war. Das an Brennan adressierte Päckchen wurde an den TV-Sender CNN geschickt, wo der frühere Geheimdienstchef häufig als Gast auftritt. Das New Yorker Bürogebäude des Unternehmens Time Warner, in dem CNN seinen Sitz hat, wurde daraufhin geräumt. Auch weißes Pulver wurde Berichten zufolge in dem Päckchen entdeckt. Ob es sich dabei um eine gefährliche Substanz handelt, war zunächst unklar.

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Bombenalarm in den USA
Bombenalarm in den USA

FBI-Direktor Christopher Wray sagte, die Ermittlungen zu den Funden hätten „höchste Priorität“. In New York wurden 100 weitere Soldaten der Nationalgarde eingesetzt, um Flughäfen, Bahnhöfe und andere Knotenpunkte zu überwachen. Zu den Rohrbomben sagte Gouverneur Cuomo: „Dies ist die Welt, in der wir leben.“

Donald Trump verurteilt Anschlagsversuche – und kritisiert Medien

Trump reagierte ambivalent. Einerseits verurteilte er die mutmaßlichen Anschlagsversuche: "Jegliche Akte der politischen Gewalt gehören nicht in die Vereinigten Staaten von Amerika." Er sprach von "abscheulichen Taten" und rief das Land zur Geschlossenheit auf: "In diesen Zeiten müssen wir uns vereinen." Andererseits übte der Präsident bei einer Wahlkampfveranstaltung wieder scharfe Kritik an den Medien. "Die Medien haben auch eine Verantwortung, einen gemäßigten Ton anzuschlagen und die endlose Feindseligkeit und die ständigen negativen und oft falschen Attacken und Geschichten zu beenden", sagte Trump. "Sie müssen es beenden."

Es sei eine „beunruhigende Zeit“, sagte Hillary Clinton. „Es ist eine Zeit tiefer Spaltung, und wir müssen alles in unser Macht stehende tun, um unser Land zusammenzubringen.“ (Tsp, AFP, dpa)

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