Harald Martenstein : Die großdeutsche Klimarettung wird scheitern

Um den Klimawandel zu stoppen, müsste die Welt an einem Strang ziehen. Man könnte auch versuchen, mit dem Klimawandel zurechtzukommen. Ein Kommentar.

Harald Martenstein glaubt nicht, dass das deutsche Klimapaket viel zur Klimarettung beitragen wird.
Harald Martenstein glaubt nicht, dass das deutsche Klimapaket viel zur Klimarettung beitragen wird.Foto: Tom Weller/dpa

Das Klimapaket wird die arbeitenden Menschen viel Geld kosten. Um den Versprechungen zu glauben, dass dieses Geld irgendwie an uns zurückgezahlt wird, bin ich nicht naiv genug. Ich finde es ja auch wahnsinnig schade, dass dieses Paket in punkto Klima so gut wie nichts bewirken wird, dazu ist der Einfluss Deutschlands auf das Weltklima zu klein. Damit eine deutsche Regierung das Weltklima retten kann, müsste Deutschland erst mal die Welt erobern. Wir haben das schon mal probiert und sind gescheitert.

Flugsteuer und Energiepreise werden hochgejazzt. Dass deswegen zum Beispiel deutlich weniger geflogen wird, halte ich für unwahrscheinlich. Denn von A nach B müssen die arbeitenden Menschen mit all ihren Terminen ja immer noch. Klar, in Deutschland könnte man theoretisch alles mit dem Zug machen, vorausgesetzt, die Züge wären so zuverlässig und zahlreich wie in der Schweiz. Leider ist unsere Infrastruktur in einem lausigen Zustand.

Das Klima wird nicht gerettet. Aber der Staat wird noch mehr Geld für sich abzapfen, der Krake wächst weiter. Laut einer Studie der OECD, überall nachzulesen, sind wir schon jetzt das Land mit der zweithöchsten Belastung durch Steuern und Sozialbeiträge. Weltweit! Schweden haben wir weit abgehängt. Vor allem die Mittelschicht wird geschröpft.

Ab 56.000 Euro brutto im Jahr gilt der arbeitende Mensch als Superreicher und zahlt den Spitzensteuersatz. Wohin fließt dieses Geld? Unsere Sozialausgaben sind auch Weltspitze, sie betragen mittlerweile 30 Prozent des Bruttoinlandsprodukts, eine Billion – das ist eine Zahl mit zwölf Nullen. Und es werden immer neue Leistungen draufgesattelt, obwohl die Infrastruktur verfällt. Obwohl wir Antifaschisten sind, haben wir die Naziparole „Unsere Mauern brechen, unsere Herzen nie“ voll umgesetzt.

Man könnte auch versuchen, mit dem Klimawandel zurechtzukommen

Mit ständig neuen Geschenken soll ja auch die Wählerwanderung nach rechts gestoppt werden. Ich glaube, dieses Konzept wird ebenso scheitern wie die großdeutsche Klimarettung. Denn die Wähler wandern ja aus völlig anderen Motiven nach rechts, nicht, weil sie etwa zu wenig Wohngeld kriegen, sondern wegen der Migrationspolitik, der inneren Sicherheit, der Identitätspolitik, solchen Sachen. Wenn jemand sagt, ich hätte gern was zu trinken, und Sie bringen ihm ein Käsebrot, dürfen Sie keine Dankbarkeit erwarten.

Um den Klimawandel – vielleicht – mit Klimapaketen zu stoppen, benötigt man eine Welt, die gemeinsam an einem Strang zieht. Dies wäre eine historische Novität. Man könnte natürlich auch versuchen, mit Klimawandel zurechtzukommen, was unseren Vorfahren immerhin mehrmals gelungen ist. Man könnte auch auf den Erfindergeist setzen. Helmut Schmidt fand ja, dass Menschen, die Visionen haben, einen Arzt aufsuchen sollten.

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