Kramp-Karrenbauer in München : Frauenpolitik statt Sicherheitspolitik

"Women's Breakfast" bei der Sicherheitskonferenz: CDU-Chefin Kramp-Karrenbauer fordert die internationalen Frauen zu mehr Unterstützung untereinander auf.

CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer und Donald Trumps Tochter Ivanka Trump.
CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer und Donald Trumps Tochter Ivanka Trump.Foto: AFP/Sven Hoppe

Im Hof der Münchner Residenz parken am frühen Samstagvormittag dunkle Limousinen, ein roter Teppich ist vor dem Eingang zum Max-Joseph-Saal über das Kopfsteinpflaster gelegt. Am Samstagvormittag findet auf der Münchner Sicherheitskonferenz traditionell das „Women’s Breakfast“ statt, das Frühstück der Frauen. Die Säulen des hohen Saals sind rosa beleuchtet, auf den Tischen weiße Decken, Blumen, schweres Silberbesteck.

Etwa 150 Frauen sind gekommen, Diplomatinnen, Journalistinnen und Think-Tankerinnen. Emily Haber ist dabei, die deutsche Botschafterin in Washington und Grünen-Chefin Katrin Göring-Eckardt. Es sind erheblich mehr als noch vor rund zehn Jahren, als das Frühstück geschaffen wurde, sagt eine Veteranin – auch, wenn die Sicherheitskonferenz noch immer ein überaus männliches Event ist.

Am Rednerpult steht CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer. Für viele der Frauen aus dem Ausland ist das ein erster neugieriger Blick auf die vielleicht zukünftige Kanzlerin Deutschlands. Und Kramp-Karrenbauer macht ihre Sache so gut, dass man den Rest der Prominenz am Tisch in der Mitte für einen Moment fast vergisst. Dort sitzt – sehr gerade - zwischen der estnischen Präsidentin Kersti Kaljulaid und der kanadischen Außenministerin Chrystia Freeland Ivanka Trump, hält sich elegant den Übersetzungskopfhörer an ein Ohr und nickt gelegentlich zu dem, was Kramp-Karrenbauer sagt.

Bis heute die erste und einzige Innenministerin in Deutschland

Die vielleicht zukünftige deutsche Kanzlerin spricht nicht über Außenpolitik, sondern über Frauenpolitik. Frauen, das ist ihre Botschaft, befinden sich erneut in einer entscheidenden Phase, denn sie drohen, die Digitalisierung passiv zu durchleben, statt sie zu gestalten. „Wenn nur Männer Algorithmen entwickeln, wie sollen die eine Welt abbilden, die auch für Frauen funktioniert“, sagt sie. Es gelte, Mädchen und Frauen mit besonderer Ansprache dazu zu bringen, auch technische Berufe zu ergreifen. „Wir dürfen uns nicht auf bestimmte Themenfelder verengen lassen“, sagt sie – und führt noch einmal an, dass sie bis heute die erste und einzige Innenministerin in Deutschland ist.

Kramp-Karrenbauer macht noch einmal deutlich, dass sie für eine offensivere Frauenpolitik stehen würde als Angela Merkel. Sie befürwortet Quoten und sagt von sich: „Ich bin stolz eine Quotenfrau zu sein.“ Man müsse politische Instrumente nutzen, um Frauen gleichzustellen. Auf Nachfrage deutet sie an, sie könne sich vorstellen, die Frauenquote für Aufsichtsräte auch auf Vorstände auszudehnen. „Wir werden immer erst versuchen, durch Argumente zu überzeugen, aber irgendwann steht man auch vor der Frage, ob man etwas gesetzlich regeln muss.“

Kramp-Karrenbauer: "Wir sollten uns untereinander helfen"

Und noch eine weitere wichtige Botschaft hat Kramp-Karrenbauer dabei: Die Bedeutung von Frauennetzwerken. „Wir sollten uns untereinander helfen“, ruft sie den einflussreichen Frauen im Raum zu.

Chrystia Freeland und Ivanka Trump antworten mit kurzen Statements. Am Ende wurde über Außenpolitik so gut wie gar nichts gesagt. Auch Freeland betont, es sei immer noch nicht selbstverständlich, Kinder und Karriere zu haben (die kanadische Außenministerin hat zwei Töchter und einen Sohn), das erlebe sie auch bei ihren Töchtern. Technologie aber könne „ermächtigend“ wirken – und sei es nur, weil sie Frauen erlaubt, auch früh morgens und spät abends zu arbeiten. Interessanterweise ist es Ivanka Trump, die die Rolle von Frauen für die Außenpolitik betont, nämlich dass die Ermächtigung von Frauen eine befriedende Wirkung in Konfliktregionen hat, sie zitiert die Studienlage.

Doch was für Annegret Kramp-Karrenbauer am Ende zählt, ist, dass sie die Sympathien der Anwesenden gewinnen konnte. Und das ist ziemlich sicher.

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