Sollen Roboter selbst haften?

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Künstliche Intelligenz : Wir sind hier die einzigen Menschen!
Julian Nida-Rümelin Nathalie Weidenfeld
Roboter Menschenrechte zu verleihen, entwertet die Menschen.
Roboter Menschenrechte zu verleihen, entwertet die Menschen.Foto: Getty Images/iStockphoto

Und doch vertreten manche Befürworter der Künstlichen Intelligenz die These, dass man grundsätzlich zwischen einem menschlichen Gehirn und einem Computer nicht unterscheiden könne. So befassen sich zunehmend Juristen und Soziologen mit der Frage, inwieweit (zukünftige) Roboter bei Fehlern haftbar gemacht werden können, also eine juridische Verantwortlichkeit besitzen. In internationalen Forschungsinstitutionen fragen Juristen danach, ob Roboter als bloßes Werkzeug zu betrachten sind, für das ihre Besitzer oder Hersteller haften müssen, oder ob sie je nach Autonomiegrad irgendwann einen speziellen Status genießen werden, der ihnen Verantwortung, aber auch Rechte zugesteht. Schließlich, so lautet hier das juristische Argument, hätten Roboter auch Pflichten zu erfüllen. In Saudi-Arabien hat ein Roboter im Oktober 2016 zum ersten Mal in der Geschichte offiziell eine Staatsbürgerschaft erhalten. Es handelt sich um „Sophie“, einen androiden Roboter mit weiblichem Gesicht und Körper, der auf mechanische Weise Gesichtsmimik simuliert. Diese Staatsbürgerschaft gibt Sophie theoretisch Rechte, aber auch Pflichten. Allein schon, dass sie sich – im Gegensatz zu allen anderen saudi-arabischen Frauen – unverschleiert bewegen darf, sorgte für viele Diskussionen in Saudi-Arabien und darüber hinaus.

In „I, Robot“ haben Roboter eine Menge Pflichten. Wenn sie diese nicht erfüllen, werden sie genauso strafrechtlich verfolgt wie Menschen. Muss aber dann nicht im Umkehrschluss gelten, dass sie auch Rechte wie Menschen haben sollten? So lautet zumindest das Fundament von Ethik und Recht ziviler und demokratischer Gesellschaften.

Auch in „A. I. – Künstliche Intelligenz“, dem Steven-Spielberg-Film von 2001, wird eine Welt der Zukunft imaginiert, in der Roboter zu einem selbstverständlichen Teil der Menschheit geworden sind. Auch dort sind sie – wie in „I, Robot“ – Sklaven und Dienstleister. Und ebenso wie dort sind sie traurige Dienstleister, die darunter leiden, als „Menschen“ zweiter oder sogar dritter Klasse behandelt zu werden. Spielberg macht sehr deutlich, was seine Position im Hinblick auf Roboter ist, und greift dafür zu besonders melodramatischen Mitteln, um dem Zuschauer nahezulegen, es sei unerlässlich, Robotern in naher Zukunft nicht nur rechtliche Zugeständnisse zu machen, sondern vor allem auch das Recht auf (Menschen-)Würde zukommen zu lassen.

Wer Spielbergs These, ein Roboter besitze die gleiche Würde wie ein Mensch, wirklich ernst nimmt, muss von einer Ununterscheidbarkeit zwischen Mensch und Computer beziehungsweise softwaregesteuerten Systemen ausgehen. Wer aber meint, es könne zwischen menschlichen Gehirnen und Computern keinen kategorialen Unterschied geben, legt die Axt an die Fundamente nicht nur der wissenschaftlichen Praxis, sondern einer humanen Lebenswelt generell.

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