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„Mauern können einstürzen“ : Zuhörer in Harvard feiern Merkel für emotionale Rede

Harvard hat der Kanzlerin die Ehrendoktorwürde verliehen und vor allem den Satz "Wir schaffen das" gewürdigt. In ihrer Rede beschwor sie den freien Welthandel.

Angela Merkel bei ihrer Rede an der Elite-Uni Harvard.
Angela Merkel bei ihrer Rede an der Elite-Uni Harvard.Foto: REUTERS/Brian Snyder

Kanzlerin Angela Merkel hat die Ehrendoktorwürde der US-Eliteuniversität Harvard erhalten. Harvard-Präsident Larry Bacow verlieh Merkel die Auszeichnung am Donnerstag bei einer feierlichen Zeremonie in der Hochschule in Cambridge, einem Vorort von Boston. Die Universität würdigte unter anderem, Merkels bisherige Zeit im Amt sei geprägt gewesen von Pragmatismus und kluger Entschlossenheit.

Explizit lobte die Universität Merkels Slogan „Wir schaffen das“ in der Flüchtlingskrise, der ihr in Deutschland viel Kritik eingebracht hatte. Merkels Entscheidung, in großer Zahl Migranten und Flüchtlinge ins Land zu lassen, habe ihren Willen gezeigt, für das einzustehen, was sie für richtig halte - auch wenn dies unpopulär sei. Das Gleiche gelte etwa auch für ihr Vorgehen in der europäischen Schuldenkrise.

Begeisterte Absolventen

Merkel bekam bei der Verleihung viel Applaus. Während der Ehrung brandete mehrfach Beifall von Absolventen und anderen Zuhörern auf.

Am späten Donnerstag deutscher Zeit hielt Merkel eine Rede vor Absolventen der Universität. Vor dem Hintergrund der Auseinandersetzungen mit US-Präsident Donald Trump wurde die Ansprache mit Spannung erwartet. Es werde „keine klassische politische Rede sein, sondern eine Rede, die auch mein Leben den Studenten nahebringt und die daraus entstandenen Lehren dann auch beinhaltet“, hatte Merkel kürzlich dem US-Sender CNN gesagt.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) winkt bei der Verleihung der Ehrendoktorwürde in Harvard Universität.
Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) winkt bei der Verleihung der Ehrendoktorwürde in Harvard Universität.Foto: Steven Senne/AP/dpa

In ihrer Rede beschwor sie dann die internationale Zusammenarbeit und den freien Welthandel. „Mehr denn je müssen wir multilateral statt unilateral denken und handeln“, sagte sie unter dem Jubel von rund 20.000 Absolventen, Angehörigen und Professoren. Gehandelt werden müsse global statt national, weltoffen statt isolationistisch - „gemeinsam statt alleine“. Protektionismus und Handelskonflikte gefährdeten den freien Welthandel und damit die Grundlage des Wohlstands, warnte Merkel, ohne US-Präsident Donald Trump zu nennen.

„Nichts ist selbstverständlich“, warnte Merkel. „Aber wenn wir die Mauern, die uns einengen, einreißen, wenn wir ins Offene gehen und Neuanfänge wagen, dann ist alles möglich.“

„Mauern können einstürzen“, Diktaturen verschwinden, die Erderwärmung könne gestoppt, der Hunger besiegt und Krankheiten könnten ausgerottet werden, rief Merkel den Absolventen zu. Menschen und vor allem Mädchen müsse Zugang zu Bildung verschafft werden, man könne die Ursachen von Flucht und Vertreibung bekämpfen - „das alles können wir schaffen“. Die Kanzlerin betonte: „Fragen wir nicht zuerst, was nicht geht, sondern was möglich ist.“

Kein Treffen mit Trump

Mit Blick auf den von Menschen verursachten Klimawandel und die daraus folgenden Krisen sagte die Kanzlerin, man müsse „alles Menschenmögliche tun, um diese Menschheitsherausforderung wirklich in den Griff zu bekommen“. Noch sei dies möglich. „Doch dazu muss jeder seinen Beitrag leisten“, sagte Merkel. „Das sage ich auch selbstkritisch“ - man müsse hier besser werden. Sie werde sich deshalb „mit ganzer Kraft dafür einsetzen, dass Deutschland 2050 das Ziel der Klimaneutralität erreichen werde. „Veränderungen zum Guten sind möglich, wenn wir sie gemeinsam angehen. In Alleingängen wird das nicht gelingen.“

Ein Treffen mit Trump ist bei Merkels Kurzbesuch in den USA nicht geplant. Nach Angaben eines deutschen Regierungssprechers hatte die US-Seite frühzeitig mitgeteilt, dass der Präsident an diesem Tag nicht in Washington sein werde. Trump wollte am Donnerstag vor Absolventen der US Air Force Academy im US-Bundesstaat Colorado sprechen - fast 3000 Kilometer von Harvard entfernt. (mit Agenturen)

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