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Mutmaßlicher Giftgasangriff in Syrien : Trump sagt Reise nach Lateinamerika wegen Syrien ab

US-Präsident Trump droht mit Vergeltung für den mutmaßlichen Giftgasangriff in Syrien – und sagt deshalb nun eine Reise ab. Moskau fordert eine UN-Untersuchung.

Rauch steigt nach dem Einschlag einer Rakete der syrischen Armee über Duma auf.
Rauch steigt nach dem Einschlag einer Rakete der syrischen Armee über Duma auf.Foto: Foto: Ammar Safarjalani/XinHua/dpa

Wegen der Lage in Syrien hat US-Präsident Donald Trump am Dienstag seine für Ende der Woche geplante Lateinamerika-Reise überraschend abgesagt. Wie das Weiße Haus mitteilte, will der Präsident "die amerikanische Antwort auf Syrien beaufsichtigen". Nach dem mutmaßlichen Giftgasangriff in Ost-Ghuta bei Damaskus hatte der US-Präsident der syrischen Regierung mit einer "starken Reaktion" gedroht und erklärt, er werde darüber noch in der Nacht zum Dienstag oder "kurz danach" entscheiden.

Die russische Regierung forderte, den Verdacht auf Giftgaseinsatz in Syrien durch eine UN-gestützte Untersuchung klären zu lassen. Russlands Außenminister Sergej Lawrow kündigte an, sein Land werde noch am Dienstag eine entsprechende Resolution im UN-Sicherheitsrat einbringen. Lawrow hatte wiederholt bestritten, dass die syrischen Verbündeten Russlands am Samstag in der Rebellenenklave Duma Giftgas eingesetzt haben.

Russland wolle mit der Resolution eine "transparente und ehrliche" Untersuchung unter Beteiligung der Organisation für das Verbot von Chemiewaffen (OPCW) gewährleisten, sagte Lawrow. Die mit Russland verbündete syrische Armee werde für die Sicherheit der internationalen Experten bei der Untersuchung vor Ort bürgen.

Merkel zeigt sich skeptisch

Lawrow warnte die Gegner Russlands davor, eine solche Untersuchung unter dem "Vorwand" riskanter Sicherheitsbedingungen abzulehnen. "Dies gäbe ein Urteil ab über ihre wahren Pläne, und es würde zeigen, dass sie kein Interesse an der Wahrheit haben." Seine Warnung richtete Lawrow an "all diejenigen, die anti-russische Argumente vorbringen, um ihre russlandfeindlichen Ziele zu verfolgen".

Kanzlerin Angela Merkel zeigte sich skeptisch hinsichtlich des Vorschlags: "Ich glaube erstmal, dass die Evidenz, dass dort Chemiewaffen eingesetzt wurden, sehr sehr klar und sehr deutlich ist", sagte sie nach einem Treffen mit dem ukrainischen Präsidenten Petro Poroschenko in Berlin. "Das kann auch meinetwegen nochmal nachgeprüft werden, aber das hilft uns bei der Verurteilung des Falles jetzt nicht weiter."

60 Tote bei Giftgasattacke

Trotz der Drohungen der USA wegen des jüngsten mutmaßlichen Giftgasangriffs in Syrien sieht der russische Vize-Außenminister Michail Bogdanow keine Gefahr einer militärischen Konfrontation beider Atommächte. Die Nachrichtenagentur Tass zitierte den Minister am Dienstag mit den Worten, es gebe Kontakte auf Arbeitsebene zwischen Vertretern beider Mächte wegen Syrien. Er glaube, dass sich der gesunde Menschenverstand durchsetzen werde. Präsidialamtssprecher Dmitri Peskow kritisierte, die Haltung des USA und anderen westlicher Staaten wegen des mutmaßlichen Giftgasangriffs sei nicht konstruktiv.

Bei dem mutmaßlichen Giftgaseinsatz am Samstag wurden nach Angaben von Zeugen und Hilfskräften 60 Menschen getötet und rund 1000 verletzt. Mehrere Staaten, darunter die USA und Großbritannien, machen Syrien und Russland dafür verantwortlich. US-Präsident Donald Trump hat mit Vergeltung für den Angriff in Duma gedroht. Dafür werde "ein hoher Preis zu zahlen" sein. Am Montag schloss er einen Militärschlag nicht aus.

Russland bestreitet, dass es einen solchen Angriff überhaupt gab, und warnte die USA vor einer Reaktion. Der Regierung in Washington sei mitgeteilt worden, dass ein US-Militärschlag "schwerwiegende Folgen" hätte, sagte der russische Botschafter bei den Vereinten Nationen (UN), Wassili Nebensia, am Montag im UN-Sicherheitsrat. (Reuters, AFP)

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