Nach Anschlag in Christchurch : Kanzlerin Merkel verurteilt den islamfeindlichen Terror

Bestürzung über Moschee-Anschläge – weltweit verurteilen Vertreter aus Politik und Religion die Taten in Christchurch.

Bundeskanzlerin Angela Merkel verurteilte den rechtsextremen Terror in Neuseeland scharf.
Bundeskanzlerin Angela Merkel verurteilte den rechtsextremen Terror in Neuseeland scharf.Foto: Bernd von Jutrczenka/dpa

Weltweit haben Vertreter aus Politik und Religion am Freitag mit Bestürzung auf die Moschee-Anschläge in Neuseeland reagiert. „Es handelt sich hier um einen perfiden Angriff auf Betende und ihre Gotteshäuser“, sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel am Freitag in München. „Das ist ein Anschlag, der gegen Muslime gerichtet ist. Er ist damit auch ein Anschlag auf die neuseeländische Demokratie und auf die offene und tolerante Gesellschaft“, betonte Merkel. „Wir teilen diese Werte mit Neuseeland. Und damit teilen wir auch das Entsetzen und die Verurteilung dieser schrecklichen Tat.“

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier sprach von "feigen Anschlägen". Er hob hervor: "Wir wünschen Ihrem Land die Kraft, sich in dieser schweren Stunde seine Offenheit und Zuversicht zu bewahren." Auch Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) verurteilte das "brutale Verbrechen" in Christchurch. SPD-Chefin Andrea Nahles schrieb: "Wer Muslime angreift, greift uns alle an." Sie betonte: "Dieser Hass darf niemals einen Platz bei uns haben - weder in Neuseeland, noch woanders."

Papst Franziskus versichert allen Neuseeländern seine Solidarität

Papst Franziskus verurteilte die Anschläge als „sinnlose Gewaltakte“. Er versichere alle Neuseeländer und „besonders die muslimische Gemeinde“ seiner Solidarität und bitte um Trost und Kraft für die ganze Nation, hieß es in einem vom Vatikan veröffentlichten Telegramm.

In Norwegen erklärte Regierungschefin Erna Solberg, die Anschläge in Neuseeland riefen "schmerzhafte Erinnerungen" an die Ermordung von 77 Menschen durch den Rechtsextremen Anders Behring Breivik im Juli 2011 hervor. Sie forderte die internationale Gemeinschaft zum Kampf gegen alle Formen des Extremismus auf.

US-Präsident Donald Trump sprach von einem „schrecklichen Massaker“, bei dem unschuldige Menschen „sinnlos“ getötet worden seien. Die USA stünden in dieser schwierigen Stunde an der Seite Neuseelands. „Gott segne alle!“, so Trump via Twitter.

Ähnlich äußerte sich auch Frankreichs Präsident Emmanuel Macron, der die Anschläge als „abscheuliche Verbrechen“ verurteilte. „Frankreich stellt sich gegen alle Formen des Extremismus und geht mit seinen Partnern gegen den Terrorismus in der Welt vor“, teilte Macron am Freitag mit. Alle Gedanken seien jetzt bei den Opfern und ihren Angehörigen.

Erdogan kritisiert den Westen

Der türkisch Präsident Recep Tayyip Erdogan nannte den Anschlag „ein neues Beispiel für die Zunahme des Rassismus und der Islamfeindlichkeit“. Er kritisierte den Westen dafür, dass dieser nichts dagegen unternehme: „Mit diesem Anschlag hat die Islamfeindlichkeit, die die Welt untätig zugelassen und sogar gefördert hat, die Grenzen der individuellen Schikane überschritten, um die Ebene des Massenmords zu erreichen.“

Russlands Präsident Wladimir Putin hob hervor, er hoffe, „dass die Verantwortlichen hart bestraft werden“. Er betonte: „Ein Angriff auf friedlich zum Gebet versammelte Menschen ist in seiner Grausamkeit und seinem Zynismus schockierend.“

EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker erklärte in einer Botschaft an Neuseeland: „Die EU trauert heute mit Ihnen und wird immer an Ihrer Seite stehen im Kampf gegen jene, die unsere Gesellschaften und unsere Lebensweise auf derart abscheuliche Weise zerstören wollen.“ EU-Ratspräsident Donald Tusk betonte, der "brutale Angriff" werde "nie die Toleranz und das Anstandsgefühl verringern, für das Neuseeland berühmt ist". Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg sicherte Neuseeland Unterstützung zu "bei der Verteidigung unserer offenen Gesellschaften und gemeinsamen Werte".

Der Weltkirche-Beauftragte der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Ludwig Schick, äußerte sich in Sozialen Medien ähnlich und warnte zugleich vor Vergeltungsgedanken. Der interreligiöse Dialog für Frieden und Einheit in aller Welt müsse fortgesetzt werden.

Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, erklärte: „Hass und Gewalt gegen Menschen gleich welcher Religion, Herkunft oder Weltanschauung sind durch nichts zu rechtfertigen.“ Mit Blick auf die Tatsache, dass Videos des Angriffs im Netz kursierten, fügte der bayerische Landesbischof hinzu: „Die digitale Multiplikation des Horrors beschreibt die zynischen Abgründe des Terrorismus unserer Tage.“

Der Zentralrat der Muslime in Deutschland verurteilte die Taten ebenfalls. „Die Toten und Verletzen in Neuseeland sind eine eindringliche Mahnung für uns, der wachsenden Islamfeindlichkeit in den Gesellschaften und der Hetze gegen Muslime entschiedener entgegenzutreten“, so der ZMD-Vorsitzende Aiman Mazyek. (Tsp, dpa,KNA, AFP)

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