• Netanjahu unterbricht Wahlkampfrede: Israel beantwortet Raketenbeschuss mit Luftangriffen auf Hamas-Ziele

Netanjahu unterbricht Wahlkampfrede : Israel beantwortet Raketenbeschuss mit Luftangriffen auf Hamas-Ziele

Aus dem Gazastreifen wird eine Rakete abgeschossen, Benjamin Netanjahu unterbricht einen Wahlkampfauftritt. Am Donnerstag muss er den Likud-Vorsitz verteidigen.

Israels Abwehrsystem "Iron Dome" fängt über Aschkalon Raketen aus Gaza ab – ein Archivbild aus dem Oktober 2018.
Israels Abwehrsystem "Iron Dome" fängt über Aschkalon Raketen aus Gaza ab – ein Archivbild aus dem Oktober 2018.Foto: Amir Cohen/Reuters

Als Reaktion auf einen Raketenangriff aus dem Gazastreifen hat Israel erneut mehrere Ziele in dem Palästinensergebiet bombardiert. Die Luftwaffe habe in der Nacht zum Donnerstag mehrere Stellungen der radikalislamischen Hamas unter Beschuss genommen, teilte die israelische Armee per Twitter ohne weitere Angaben mit.

Militante Palästinenser hatten am Mittwochabend eine Rakete auf den Süden Israels abgeschossen. Ministerpräsident Benjamin Netanjahu musste deswegen eine Wahlkampfveranstaltung in der Stadt Aschkalon unterbrechen.

Wie in einem Video zu sehen war, das der israelische Sender Kan 11 verbreitete, näherte sich ein Sicherheitsmitarbeiter dem Regierungschef bei der Veranstaltung in Aschkalon und informierte ihn über den Alarm. Netanjahu grüßte die rund hundert Anhänger seiner Likud-Partei und wurde zusammen mit seiner Frau Sara in Sicherheit gebracht.

Der 70-Jährige musste vorübergehend in einen Schutzraum. Er setzte anschließend seine Rede fort und drohte den Angreifern. „Wer auch immer Raketen abgefeuert hat, sollte besser gleich seine Sachen packen“, wurde Netanjahu von der Zeitung „Haaretz“ zitiert.

Nach Angaben der israelischen Armee wurde ein Geschoss aus dem Gazastreifen in Richtung Israel abgefeuert. Das israelische Raketenabwehrsystem „Iron Dome“ habe es aber rechtzeitig abgefangen. Demnach ertönten in israelischen Grenzenorten und in Aschkalon Alarmsirenen wegen des Beschusses.

Likud wählt an diesem Donnerstag neuen Vorsitzenden

Netanjahu machte in der Küstenstadt Wahlkampf im parteiinternen Entscheid über den Vorsitz der rechtsgerichteten Likud-Partei. Die Mitglieder bestimmen an diesem Donnerstag einen neuen Vorsitzenden. Der unter Korruptionsanklage stehende Regierungschef wird von dem früheren Innen- und Erziehungsminister Gideon Saar herausgefordert. Der Sieger der Abstimmung wird Spitzenkandidat des Likud bei der vorgezogenen Neuwahl am 2. März.

Muss am Donnerstag den Parteivorsitz verteidigen: Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu.
Benjamin Netanjahu, Ministerpräsident von Israel und Likud-ChefFoto: dpa/AP/Oded Balilty

Netanjahus Wiederwahl als Likud-Chef gilt als wahrscheinlich. Seinem einzigen Gegenkandidaten Saar wird jedoch ein Achtungserfolg zugetraut. Damit könnte der 53-Jährige sich für eine Ära nach Netanjahu positionieren. Netanjahu ist wegen einer Korruptionsanklage und zweifachem Scheitern bei der Regierungsbildung angeschlagen. Aber die Likud-Mitglieder gelten als extrem loyal und haben noch nie einen amtierenden Parteivorsitzenden abgewählt.

Im März dritte Parlamentswahl binnen eines Jahres

Israel befindet sich wegen einer fortwährenden Pattsituation zwischen dem rechts-religiösen und dem Mitte-Links-Lager in einer politischen Krise. Weil weder Netanjahu noch seinem Herausforderer Benny Gantz vom Mitte-Bündnis eine Regierungsbildung gelang, wird im März schon zum dritten Mal binnen eines Jahres ein neues Parlament gewählt.

Netanjahu dominiert die Likud-Partei seit Jahrzehnten. Er war von 1993 bis 1999 Parteivorsitzender, die letzten drei Jahre davon auch Regierungschef. Nach seiner Wahlniederlage 1999 trat Netanjahu als Parteichef zurück, sein Nachfolger wurde damals Ariel Scharon. 2005 schied Scharon dann aus dem Likud aus, um die Kadima-Partei zu gründen. Seitdem ist Netanjahu durchgängig Likud-Parteivorsitzender.

Der Gazastreifen wird seit 2007 von der radikalislamischen Hamas kontrolliert. Seither gab es bereits drei kriegerische Auseinandersetzungen zwischen der Hamas und Israel. (AFP, dpa)

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