Sipri-Studie : Waffenverkäufe legen erstmals seit 2010 wieder zu

Die 100 größten Rüstungsfirmen profitieren von den wachsenden politischen Spannungen in der Welt. 2016 machten sie deutlich mehr Umsatz als in den Jahren zuvor.

Nachfrage nach Waffen ist gestiegen: Hier ein Kampfpanzer vom Typ Leopard 2A6
Nachfrage nach Waffen ist gestiegen: Hier ein Kampfpanzer vom Typ Leopard 2A6Foto: dpa/Philipp Schulze

Angesichts zunehmender politischer Spannungen sind im vergangenen Jahr weltweit wieder mehr Waffen verkauft worden. Der Umsatz der 100 größten Rüstungsunternehmen mit Waffen und militärischen Dienstleistungen nahm auf 374,8 Milliarden Dollar (rund 316 Milliarden Euro) zu, wie das Friedensforschungsinstitut Sipri in Stockholm mitteilte.

Es ist der erste Anstieg nach fünf Jahren mit sinkenden Zahlen. Das sei wegen der laufenden Militärkonflikte in mehreren Ländern zu erwarten gewesen, erklärte Sipri. Zudem hätten mehrere Staaten neue Waffensysteme eingeführt. Mehr als zwei Drittel der Rüstungseinnahmen gingen an amerikanische Unternehmen.

2002 hatte Sipri mit der Erfassung der Waffenverkäufe der Top 100 begonnen. In den fünf Jahren vor 2016 waren die Waffenverkäufe stets rückläufig gewesen. Die größte Steigerung verzeichneten der Studie zufolge die US-Konzerne. Aber auch deutsche Unternehmen legten im internationalen Vergleich deutlich zu. Unter den Top 100 befinden sich drei deutsche Rüstungsfirmen sowie zwei sogenannte Transeuropäische Konzerne mit deutscher Beteiligung (Airbus Group und MBDA).

Das Gesamtvolumen der Rüstungsverkäufe von US-Unternehmen in den Top 100 lag laut Sipri im vergangenen Jahr bei 217,2 Milliarden Dollar. Das entspricht einem Zuwachs von vier Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Damit haben die US-Firmen mit 57,9 Prozent weiterhin den größten Anteil an den weltweiten Waffenverkäufen.

Zugpferd in den USA ist der weltgrößte Rüstungskonzern Lockheed Martin. Das Unternehmen mit Sitz in Bethesda im Bundesstaat Maryland steigerte seine Waffenverkäufe um 10,7 Prozent. Der "bedeutende Zuwachs" resultierte dabei insbesondere aus dem Kauf des Hubschrauber-Herstellers Sikorsky Ende 2015 und einem höheren Absatz bei F-35-Kampfflugzeugen, wie Sipri-Expertin Aude Fleurant sagte.

Unternehmen in Westeuropa verkauften der Studie zufolge in etwa gleich viel Waffen und militärische Dienstleistungen wie im Jahr zuvor. Das Gesamtvolumen belief sich auf 91,6 Milliarden Dollar - ein leichter Zuwachs um 0,2 Prozent zu 2015. Während die Verkäufe der transeuropäischen Konzerne (Beteiligung von mindestens zwei Ländern) sowie französischer und italienischer Waffenschmieden zurückgingen, legten deutsche und britische Unternehmen zu.

Britische Firmen vorn

Die Verkäufe der Konzerne Krauss-Maffei Wegmann und Rheinmetall stiegen um 12,8 beziehungsweise 13,3 Prozent. Beide Firmen profitierten von einer großen Nachfrage in Europa, im Nahen Osten und Südostasien, wie Sipri-Experte Pieter Wezeman sagte. ThyssenKrupp verzeichnete dagegen einen Rückgang um 6,6 Prozent.

Größte europäische Waffenverkäufer blieben britische Unternehmen; die acht unter den Top 100 gelisteten Konzerne legten insgesamt um zwei Prozent zu (Volumen: 36,1 Milliarden Dollar), der Anteil am Gesamtvolumen betrug 9,6 Prozent. Russland hat zehn Top-100-Konzerne. Insgesamt kamen diese auf 26,6 Milliarden Dollar - ein Gesamtzuwachs um 3,8 Prozent und ein Anteil von 7,1 Prozent am Gesamtvolumen der Top 100. Laut Sipri verlangsamte sich das Wachstum der russischen Firmen jedoch, was vor allem auf Russlands wirtschaftliche Schwierigkeiten infolge des schwachen Ölpreises und der internationalen Sanktionen zurückzuführen sei.

Unter den sich neu herausbildenen großen Waffenschmieden - in Brasilien, Indien, Südkorea und der Türkei - waren südkoreaniasche Firmen mit einem Zuwachs von insgesamt 20,6 Prozent (8,4 Milliarden Dollar) führend. Unter den anderen bereits etablierten Produzenten - in Australien, Israel, Japan, Polen, Singapur und Ukraine - war der Sipri-Studie zufolge insbesondere ein Rückgang der Waffenverkäufe japanischer und australischer Firmen um 6,4 beziehungsweise 4,3 Prozent auffallend. (dpa, AFP)

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