Unlesbare Faxe : Daten zu Corona-Infizierten kommen verspätet bei den Ämtern an

Von den ersten Symptomen bis zur Meldung beim Amt vergeht in fast 40 Prozent der Landkreise mindestens eine Woche. Das berichtet der Bayerische Rundfunk.

Montage: Tagesspiegel, Illustration: Felix Möller, Grafik: Rita Böttcher

Ein Abstrich geht ans Labor, der Befund wandert von dort ans örtliche Gesundheitsamt, das die Erkrankung innerhalb eines Tages weiter an die Landesbehörde gibt, diese wiederum teilt sie dem Robert-Koch-Institut (RKI) innerhalb eines weiteren Tages mit. So die Theorie.

In der Realität funktioniert das Infektionsmeldesystem weit weniger reibungslos. Wie eine Analyse von Datenjournalisten des Bayerischen Rundfunks ergeben hat, dauert es deutlich länger bis die Ergebnisse bei den zuständigen Stellen ankommen - und letztlich in den Statistiken zu sehen sind, die wir täglich präsentiert bekommen.

Demnach gibt es starke regionale Unterschiede. Die Meldungen erfolgten je nach Landkreis in unterschiedlicher Geschwindigkeit. Von den ersten Symptomen bis zur Meldung beim Gesundheitsamt soll in fast 40 Prozent der Landkreise durchschnittlich mindestens eine Woche vergehen.

Besonders lange dauere es im Landkreis Landshut in Bayern, und zwar im Schnitt etwas mehr als zehn Tage. Ähnlich sehe es in Bochum aus. Besonders schnell sei hingegen der Landkreis Warendorf in Nordrhein-Westfalenn. Hier vergingen bis zur Meldung beim Gesundheitsamt nur drei Tage.

Für die Analyse hat der Bayerische Rundfunk Daten des Robert-Koch-Instituts vom 1. April bis 20. Mai ausgewertet. Dabei wurden sowohl der Zeitpunkt der Erkrankung, die Meldung beim Gesundheitsamt als auch das Veröffentlichungsdatum berücksichtigt.

Ein weiteres Problem: Bei einem Drittel der Meldungen werde das Erkrankungsdatum nicht erhoben oder weitergegeben. In Mecklenburg-Vorpommern hätten fast 80 Prozent der Meldungen eine Angabe zum Erkrankungsbeginn, in Bayern nur etwa 60 Prozent. Wie der Bayerische Rundfunk weiter berichtet, könne das an symptomlos Erkrankten liegen.

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Weniger gravierend sei der Meldeverzug beim zweiten Schritt - bei der Meldung vom Gesundheitsamt an das RKI. Laut der Auswertung des BR benötigten über 8000 Fälle allerdings drei Arbeitstage oder mehr bis sie in der Statistik auftauchten.

Laut dem Bayerischen Rundfunk nennen die Landkreise als Gründe unter anderem zu viele unterschiedliche an der Meldekette beteiligte Leute sowie unlesbare Faxe. Ein elektronisches Meldesystem könnte die Situation demnach verbessern.

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