• 1:0 gegen Schalke ist fünfter Sieg in Folge: Die Bayern machen wieder Bayerndinge

1:0 gegen Schalke ist fünfter Sieg in Folge : Die Bayern machen wieder Bayerndinge

Im Herbst kriselte der FC Bayern noch durch die Liga, jetzt eilt er von Sieg zu Sieg. Nur bei der Frage nach dem Triple winkt Sportdirektor Salihamidzic ab.

Joshua Kimmich (links) wurde nach dem Sieg auf Schalke mal wieder in den höchsten Tönen gelobt.
Joshua Kimmich (links) wurde nach dem Sieg auf Schalke mal wieder in den höchsten Tönen gelobt.Foto: Bernd Thissen/dpa

Hasan Salihamidzic wirkte durchaus zufrieden, als er gepflegten Schrittes den Schalker Spielertunnel durchmaß, um kurz darauf den Reportern Rede und Antwort zu stehen. „80 Prozent Ballbesitz, absolut souverän“, sagte er und zählte weitere schöne Bayerndinge auf: „12:1 Ecken“, „kaum etwas zugelassen“, „Konzentration immer hochgehalten“, „total in der Spur“. Was klang, als hätten die Münchner Fußballer ihren Gegnern mal wieder sechs Tore plus x eingeschenkt, war der Rapport zum knappen 1:0-Sieg im Viertelfinale des DFB-Pokals gegen den FC Schalke 04.

Nur war es eben ein 1:0 jener Sorte, das Salihamidzic nicht mal ansatzweise Sorgenfalten auf die Stirn zwischen seinen beeindruckenden Geheimratsecken trieb. „Wir sind gut drauf, wir trainieren gut“, sagte Salihamidzic, der Rhythmus stimme, die Abwehr stehe.

Widersprechen konnte ihm da keiner, so lässig hatten die Roten den Blauen den Schneid abgekauft, mit einem Innenverteidiger Joshua Kimmich, der höher stand als die Schalker Angreifer. „Der kann einfach alles“, lobte Salihamidzic den Siegtorschützen, „der Junge ist einfach sehr, sehr gut.“ Als einen der besten Spieler Europas adelte er Kimmich noch, „so muss er weitermachen“. Zustimmung fanden diese Worte bei Kapitän Manuel Neuer, den die überzeugende Leistung des Vordermanns aber wenig überraschte: „Heute auch wieder gut“, kommentierte er.

Salihamidzic lobt Zusammenhalt

Weil Kimmich lieferte, vermisste niemand die Berufs-Innenverteidiger Lucas Hernandez und Jerome Boateng, Letzterer hatte sich krankheitsbedingt abgemeldet. Da offensiv Thomas Müller, Serge Gnabry und Leon Goretzka sich im Stürmer-Wechsel-Dich-Spielchen ganz passabel schlugen, war auch der verletzte Angreifer Robert Lewandowski keine Ausrede dafür wert, dass den 80-Prozent-Ballbesitzbayern nur ein mickriges Törchen glückte. Sollte halt nicht sein; störte die Verantwortlichen aber nur mäßig.

Vielmehr stellte Salihamidzic heraus, wie „sensationell“ der Zusammenhalt in der Mannschaft sei. So sensationell nämlich, dass sogar die Frage aufkam, ob die Bayern reif fürs Triple seien. Jene Bayern, die noch im Herbst von Teams wie Eintracht Frankfurt wie eine Thekenmannschaft durchs Stadion gescheucht wurden. „Jetzt geht’s zu weit“, antwortete Salihamidzic leicht schmunzelnd. „Darüber will ich überhaupt nicht reden“, man denke von Spiel zu Spiel. Dabei sieht es momentan eher so aus, als siegten die Bayern einfach von Spiel zu Spiel – ganz egal, wie die Begleitumstände sind.

Keine größeren Proteste

Nach dem Skandalspiel von Hoffenheim erlebten sie auf Schalke quasi das Kontrastprogramm, nämlich keinerlei Unmutsbekundungen gegen Verbände und Funktionäre aus der eigenen Fankurve. „Heute haben wir Fußball gesehen, und so wollen wir das auch weiterhin“, kommentierte Salihamidzic. Die Regeln seien klar, ergänzte Neuer, Appelle vor dem sonntäglichen Heimspiel gegen den FC Augsburg gebe es von seiner Seite aus keine. „Wir haben am letzten Spieltag schon vieles beantwortet und ein Zeichen gesetzt. Dementsprechend wollen wir uns eher auf den Fußball konzentrieren.“ Kraftmeier-Sätze wie sie am Wochenende Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge hatte fallen lassen, haute am Mittwochabend kein Münchner raus. Die Ruhe und Abgeklärtheit, die mit dem sportlichen Auftritt einherging, demonstrierten die FCB-Repräsentanten auch in der sportpolitischen Auseinandersetzung.

Ein bisschen erinnerte alles an ein fast perfektes Weihnachtsfest. Neben Sportdirektor Salihamdizic, Torwart Neuer und dem restlichen Bayerntross erlebten ja selbst die Schalker einen halbwegs versöhnlichen Abend nach zuletzt verheerenden Wochen. Das 0:1? Irgendwie blöd, weil ausgeschieden, aber so blöd nun auch wieder nicht; hätte ja genauso gut 0:7 ausgehen können, wie jener Mitarbeiter vor dem Spiel unkte, der die Fahrstühle von oben nach unten und wieder nach oben schickt.

Und so blieb der Schalker Aufzug auf dem Weg ins Finale zwar mal wieder hängen, Trainer David Wagner stellte aber wenigstens die Funktionstüchtigkeit fest. „Es war eine verdiente Niederlage für uns“, sagte er nach dem einseitigen Duell, um dann nachzuschieben: „Mit der Leistung bin ich aber absolut einverstanden.“ Eine interessante Satz-Kombination – wann kommt es schon mal vor, dass ein Trainer nach einer verdienten Niederlage mit seiner Elf absolut einverstanden ist? Zur Zufriedenheit Hasan Salihamidzics muss die Antwortet in diesen Wochen wohl lauten: wenn der Gegner FC Bayern heißt.

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