1. FC Union wieder im Aufstiegskampf : Verrückte Zweite Liga

Für die Köpenicker ist der Relegationsrang wieder in Reichweite - obwohl sogar der Tabellenletzte eine bessere Rückrunde spielt.

Fuß vor! Unions Steven Skrzybski (r.) will Sandhausens Tim Kister blocken.
Fuß vor! Unions Steven Skrzybski (r.) will Sandhausens Tim Kister blocken.Foto: Maurizio Gambarini/dpa

Christopher Trimmel suchte nach einer passenden Beschreibung für die Zweite Liga, ihm fiel aber nur ein Adjektiv ein: verrückt. Wöchentlich ändert sich die Stimmung beim 1. FC Union mit den wechselhaften Ergebnissen. Wöchentlich eröffnet die Tabelle neue Möglichkeiten oder birgt neue Gefahren. Nach dem Sieg gegen Düsseldorf vor zwei Wochen schien die Aufholjagd auf Platz drei wieder möglich, wurde durch die ernüchternde Niederlage in Braunschweig aber sofort wieder gestoppt. Der 2:1-Sieg gegen den SV Sandhausen am Samstag hat Union nun wieder in Schlagdistanz zum oberen Tabellendrittel geführt. „Kiel hat seit elf Spielen nicht mehr gewonnen und ist Dritter. Deshalb passt das Wort verrückt am besten zur Zweiten Liga“, sagte Trimmel. „Da ist noch alles drin.“

Das trifft zwar zu, gilt aber nicht nur für Union. Die Zweite Liga ist aktuell so eng, dass auch zehn Spieltage vor Saisonende die halbe Liga noch auf-, aber auch noch absteigen kann. Selbst die designierten Aufsteiger aus Nürnberg und Düsseldorf sind nicht gerade ein Muster an Souveränität, wie das 3:4 nach 3:0-Führung der Fortuna am Freitag gegen Regensburg eindrucksvoll verdeutlichte.

„Wir sind gut beraten, nicht auf die Tabelle zu schauen“, sagte Steven Skrzybski ob der Unberechenbarkeit der Liga. Zwar hat Union nur drei Punkte Rückstand auf den Relegationsplatz, die bisherige Inkonstanz ist für die Berliner allerdings Warnung genug, um nicht sofort wieder in Aufstiegsträume zu verfallen.

Der Tabellenletzte spielt eine bessere Rückrunde als Union

Die Stimmung bei Union war aber spürbar gelöst. Sebastian Polter lief am Samstag mit seinen Kindern durch die Mixed Zone, Trimmel freute sich über drei Punkte zum 31. Geburtstag und Kristian Pedersen strahlte nach seiner Torpremiere. „Ich habe schon lange davon geträumt, ein Tor für Union zu schießen. Das ist eine Befreiung“, sagte der dänische Linksverteidiger.

Auch André Hofschneider war mit der Einstellung seiner Mannschaft zufrieden. Nach der schwachen Leistung in Braunschweig hatte der Trainer eine Reaktion gefordert. „Jeder hat sich in die Zweikämpfe geschmissen, die Laufwege gemacht“, sagte Hofschneider.

Spielerisch blieb allerdings noch Luft nach oben, vor allem in der zweiten Halbzeit. Nach starkem Beginn bekam Union nicht mehr so viel Zugriff und die Gäste drückten auf den Ausgleich.
„Es war ein Spiel um die zweiten Bälle, und die haben wir nicht mehr so oft gewonnen“, sagte Trimmel, der den Blick gleich auf das nächste Spiel richtete. Am Freitag ist Union zu Gast beim Schlusslicht in Kaiserslautern und ein weiterer Sieg könnte der Saison der Berliner doch noch einen Schub nach oben geben. „Lautern wird kämpfen und beißen, das wird ein ganz wichtiges Spiel“, sagte Trimmel. Nachdem die Pfälzer in der Hinrunde schon weit abgeschlagen waren, stehen sie in der Rückrundentabelle sogar vor Union. Auch das gehört zur verrückten Zweiten Liga.

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