Alba Berlin in den Play-offs : Oldenburg und der ewige Rickey Paulding

Rickey Paulding spielt seit elf Jahren bei Albas Play-off-Gegner Oldenburg und will die Berliner auch in Spiel drei am Samstag ärgern.

Ausnahmeprofi. Rickey Paulding (links) spielt seit elf Jahren bei den Baskets Oldenburg und warf die Niedersachsen am Dienstag in Spiel zwei zum Sieg gegen Alba.
Ausnahmeprofi. Rickey Paulding (links) spielt seit elf Jahren bei den Baskets Oldenburg und warf die Niedersachsen am Dienstag in...Foto: Ingo Wagner/dpa

Eigentlich hätten die Spieler von Alba Berlin gewarnt sein müssen. Direkt neben der Arena der Baskets Oldenburg ist an einer Wand ein riesiges Graffito zu sehen, das den Gästen schon bei der Ankunft klarmacht, wo sie wenig später spielen. Neben einem Abbild von Oldenburgs bekanntestem Basketballer steht dort „Pauldingburg – since 2007/08“. Und in Spiel zwei gegen Alba Berlin zeigte Rickey Paulding einmal mehr, warum er beim Tabellensiebten der Hauptrunde seit elf Jahren Publikumsliebling und Leistungsträger ist.

Mit 25 Punkten, darunter der entscheidende Dreier 18 Sekunden vor Ende der Verlängerung, hat der US-Amerikaner die Viertelfinalserie gegen die favorisierten Berliner ausgeglichen. „Rickey ist Rickey, die Legende lebt“, sagte Oldenburgs Center Rasid Mahalbasic nach dem 105:100 am Dienstag. In Spiel drei am Samstag (18 Uhr, Telekomsport) in der Arena am Ostbahnhof wird Oldenburg erneut eine herausragende Leistung seines Urgesteins benötigen.

Auch mit 35 Jahren ist Paulding bei den Baskets unverzichtbar – und zwar nicht nur auf dem Parkett. „Er ist die entscheidende Persönlichkeit in Oldenburg“, sagt Albas Manager Marco Baldi. In einer Sportart, in der Verträge oft kurz sind und Vereinstreue nicht alltäglich ist, hat sich Paulding in Oldenburg seit 2007 zur Identifikationsfigur entwickelt. 2009 führte er das Team als bester Spieler der Finalserie zur ersten deutschen Meisterschaft, 2015 kam noch ein Pokalsieg dazu. Ein Jahr später widmete ihm der Klub das Pauldingburg-Graffito.

Dass der in Detroit, Michigan, geborene Small Forward so lange in Oldenburg spielen würde, war zu Beginn seiner Zeit bei den Baskets kaum vorstellbar. Nach dem College wurde Paulding zwar im NBA-Draft an 54. Stelle ausgewählt, bestritt aber nie ein Spiel in der nordamerikanischen Profiliga. Stattdessen wechselte er nach Israel, ein Jahr später nach Frankreich. Innerhalb von drei Jahren spielte der 1,98 Meter große Paulding bei ebenso vielen Vereinen, bevor er im Sommer 2007 nach Oldenburg kam. Elf Jahre später ist er immer noch da, trotz vieler Angebote größerer Klubs, mit größeren Budgets. „Dass ein Spieler fast die gesamte Karriere bei einem Verein verbringt, ist im Profisport eine absolute Ausnahmeerscheinung“, sagt Baldi. „Ein bisschen wie Henrik Rödl bei uns.“

"Weil ich Grünkohl so liebe"

In Oldenburg nennen sie Paulding mittlerweile den „ewigen Rickey“ und seine Karriere wird er mit ziemlicher Sicherheit in Niedersachsen beenden. Nur wann, das ist noch nicht klar. Sein Vertrag läuft 2019 aus, Leistungen wie gegen Alba zeigen aber, dass Paulding sein Team auch im fortgeschrittenen Basketball-Alter noch führen kann. „Er hat schon so viele Spiele für Oldenburg gewonnen und ist immer noch topfit“, sagt Baldi.

Paulding selbst begründet seinen langen Verbleib in Oldenburg nicht sportlich, sondern kulinarisch. „Weil ich Grünkohl so liebe“, sagte er kürzlich der „Süddeutschen Zeitung“. Ganz ernst gemeint war das sicher nicht, es zeigt aber, wie sehr sich Paulding nach elf Jahren in der Stadt zugehörig fühlt. Seine drei Kinder wachsen in Oldenburg auf und fühlen sich ebenso wohl wie seine Frau und er. Jedes Jahr den Klub zu wechseln und ohne die Familie durch Europa zu tingeln, ist für Paulding unvorstellbar. „Es ist das Wichtigste für mich, dass ich meine Liebsten ständig um mich habe.“

Wie oft er in dieser Saison durch Auswärtsfahrten noch auf die Familie verzichten muss und wann es in den gemeinsamen Heimaturlaub in die USA geht, könnte sich schon am Samstag andeuten. „Wer dieses Spiel gewinnt, hat einen Matchball“, weiß Baldi. Das Erfolgsrezept für Alba könne es aber nicht sein, sich nur auf Paulding zu konzentrieren. „Oldenburg hat mit Mahalbasic, Schwethelm und Massenat viele gefährliche Spieler“, sagt Baldi. „Und Paulding kann sie auch gut einsetzen.“

Unabhängig davon, wer Spiel drei in Berlin gewinnt, muss Alba am kommenden Donnerstag noch einmal die lange Busfahrt nach Niedersachsen auf sich nehmen. Vorbei am Graffito, nach Pauldingburg.

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