• Basketballtrainer in China: Dirk Bauermann: "Der Sport ist zyklisch wie das Leben"

Basketballtrainer in China : Dirk Bauermann: "Der Sport ist zyklisch wie das Leben"

Deutschlands erfolgreichster Basketballcoach spricht über seinen Job bei den Sichuan Blue Whales, Alba Berlin und das Potenzial von Bayern München.

Applaus. Gibt's auch bald für die Sichuan Blue Whales, Dirk Bauermanns neuen Klub.
Applaus. Gibt's auch bald für die Sichuan Blue Whales, Dirk Bauermanns neuen Klub.Foto: picture alliance / Swen Pförtner

In seine neue Umgebung ist Dirk Bauermann schon tief eingetaucht. Deutschlands erfolgreichster Basketballtrainer wohnt derzeit in Chengdu, zusammen mit knapp 15 Millionen weiteren Menschen. In China soll Bauermann den nach der Region Sichuan benannten Klub Sichuan Blue Whales betreuen. Seit drei Wochen kommt er dieser Aufgabe nach.

Und in seiner Freizeit hat der 60-Jährige schon einen ortstypischen Markt besucht. "Dort findet man dann das China, wie wir es zu kennen glauben", sagt Bauermann. Was teilweise an Essen angeboten werde, das sei "schon sehr interessant". Bauermann macht eine kurze Pause. "Aber das ist dann doch nichts für mich." Kaninchen-Zunge zum Beispiel. "Mein amerikanischer Assistenztrainer hat eine probiert – da wäre mir fast schlecht geworden."

Aber der chinesischen Küche wegen hat Bauermann sowieso nicht seine nächste große Reise angetreten. Wo es ihn bisher auch hinzog – am Ende ging es vor allem um Basketball. Das war in Kalifornien so, wo er seine Trainerkarriere 1986 als Assistent startete, später auch im belgischen Oostende, bei den griechischen Klubs Apollon Patras und Dafni Athen, in Litauens Hauptstadt Vilnius oder dem russischen Klub Roter Oktober Wolgograd. Der gebürtige Oberhausener ist weit und viel gereist – und hat außerdem schon die Nationalmannschaften Irans und Polens trainiert.

Bis vor Kurzem stand Bauermann noch in Würzburg unter Vertrag, noch kennt er die Bundesliga vermutlich besser als den Weg aus seinem Fünf-Sterne-Hotel zum Kaninchen-Marktplatz. „Wenn man München spielen lässt, ist das eine fast nicht zu schlagende Mannschaft“, sagt Bauermann über Albas Gegner in der Play-off-Finalserie – und leitet dann flugs zu den Berlinern über. "Die Infrastruktur ist hochprofessionell, die Solidität stimmt, die Stadt ist toll. Das sind dann auch Argumente, um Topspieler wie Peyton Siva, Luke Sikma oder andere zu halten."

Viel richtig gemacht habe Alba Berlin zuletzt, findet Bauermann. "Das freut mich, weil ich viel Sympathie für diesen großen Klub habe." Von drei Ebenen spricht Bauermann im Besonderen: Trainer, Sportdirektion und Vereinsführung. "Da wurde top Arbeit geleistet, der Finaleinzug ist kein zufälliger Erfolg."

Verbandspräsident ist der Ex-NBA-Star Yao Ming

Den Münchnern, die er zwei Jahre lang trainierte bis er 2012 vor dem Saisonstart entlassen worden war, traut er perspektivisch trotzdem mehr zu, auch international, der monetären Ausgangslage wegen. "Wenn ein Klub die finanziellen Möglichkeiten hat, mit russischen, türkischen oder spanischen Teams mitzuhalten, dann die Bayern." National könne dies eine Münchner Dominanz zur Folge haben, sagt Bauermann, der selbst Anfang der Neunziger Jahre mit Leverkusen den deutschen Basketball dominierte – und vor zehn Jahren mit Bamberg. "Aber das ist nicht schlimm", betont er. Warum, erklärt er sofort: "Der Sport ist zyklisch – wie das Leben."

Sein aktueller Lebenszyklus führt ihn nun also nach China. In Chengdu stimmten die Bedingungen, findet Bauermann. Angenehm und modern sei die Stadt, und – gerade im Zentrum – sehr international. Wichtiger findet Bauermann aber, dass die Blue Whales, in der Vorsaison noch Vorletzter der nationalen Liga, im Westen der Stadt ein "hochprofessionelles Trainingszentrum" nutzen. Im Oktober beginnt die Saison, bis dahin soll der Hauptschliff erfolgen. Während der Spielzeit, die drei bis vier Partien pro Woche beinhaltet, wird der komplette Tross dann in einem gut ausgestatteten Hotel nahe der Arena im Zentrum wohnen.

Die Blue Whales, 2009 gegründet, sind ein Projekt. Sie dienen dem großen Ganzen: Chinas Basketball und die Nationalmannschaft sollen nach oben geführt werden. Nur zwei Nicht-Chinesen sind pro Ligateam zugelassen. So hoffen die Funktionäre um den Verbandspräsidenten und früheren NBA-Star Yao Ming, dem eigenen Nachwuchs optimale Entwicklungschancen geben zu können.

"Die jungen Chinesen ziehen gut mit, sie sind neugierig, offen", lobt Bauermann, der das Liganiveau mit dem unteren Drittel der Bundesliga gleichsetzt. Und Bauermann meint das nicht despektierlich. "Gerade die kleinen deutschen Klubs machen einen tollen Job", sagt er. Bauermann muss es wissen. Wo immer er ist, taucht er tief in die Materie ein.

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