Bayern München : Das Experiment Kovac ist gescheitert

Wie tief der FC Bayern in der Krise steckt, offenbarte das 3:3 gegen Düsseldorf schonungslos. Die Hauptschuld trägt der Trainer. Ein Kommentar.

Trainer Niko Kovac vom FC Bayern München
Trainer Niko Kovac vom FC Bayern MünchenFoto: dpa/Matthias Balk

Manche Sätze tun besonders weh. Zum Beispiel dieser: "Ich habe noch nie drei Tore in einem Spiel geschossen, außer in der Jugend." Das sagte Dodi Lukebakio, der bis Samstag ein ganz gewöhnlicher Bundesliga-Spieler war; manche Fußballfans, vornehmlich die von Fortuna Düsseldorf, hatten schon mal von ihm gehört, die meisten eher nicht.

Dass Lukebakio, 21, nun sogar über Cristiano Ronaldo steht, verdeutlicht, wie tief die Bayern gesunken sind. Ronaldo schoss mal zwei Tore als Gästespieler in der Münchner Arena, dreimal - was nun Lukebakio gelang - traf bis zu diesem 3:3 der Bayern gegen Düsseldorf noch kein gegnerischer Profi. Womit man bei Niko Kovac ankommt, dem Trainer, der diese Misere zu verantworten hat. Für Bayerns Bosse gibt es keinen Grund mehr, an ihm länger festzuhalten.

Das Experiment, einen jungen, unverbrauchten Trainer zu holen, um aus der vorhandenen und immer noch hohen Qualität des Münchner Kaders das Maximum herauszuholen, es ist gescheitert. Der Weltklub FC Bayern scheint für Niko Kovac eine Nummer zu groß. Er hat es nicht geschafft, die vielen Stars richtig anzupacken, sie abzuholen, wie es auch gerne heißt.

Niko Kovac in Dortmund
Niko Kovac in DortmundFoto: AFP/Christof STACHE

Die bayerischen Alphatiere im Kader haben den Trainerwelpen Kovac genussvoll verspeist, zum eigenen Wohl, nicht zum Wohle des Vereins. Das Remis gegen die Fortuna, die schon 0:2 und 1:3 zurücklag, hat nun aufs Brutalste offenbart, dass die Nummer fast schon verdaut ist.

Die Teilnahme an der Champions League ist in Gefahr

Wirklich überzeugt haben die Bayern unter Kovac selten, nur zu Saisonbeginn - als Kovac offenbar noch den Nerv der Müllers, Lewandowskis und Ribérys traf - passte die Leistung, spielerisch wie vom Ergebnis her. Gegen Borussia Dortmund war ebenfalls die Kraft zu bestaunen, die der FC Bayern an guten Tagen noch entfalten kann - allerdings sorgte wohl weniger Kovac für den Impuls, sondern der Name des (großen) Gegners. Deshalb könnte der Klub mit Kovac - wenn es optimal läuft - sogar in der Champions League reüssieren. Dafür dürfte die Eigenmotivation der Stars noch ausreichen.

Das Problem von Kovac ist aber die Bundesliga. Diese sei, das hat Uli Hoeneß, der Präsident der Münchner, mal gesagt, für den FC Bayern das Wichtigste. Es mag stimmen, dass dieser Wettbewerb in den vergangenen Jahren im rot-weißen Kosmos an Bedeutung verloren hat. Nun, da sogar die Teilnahme an der Champions League ernsthaft gefährdet ist, dürften die Prioritäten jedoch neu gesetzt werden. In München wollen die Bosse schon gewährleistet wissen, dass die Mannschaft mindestens in den Top vier landet, um weiterhin im wichtigsten internationalen Wettbewerb mitmischen zu können.

Dazu muss ein Bayerntrainer Spiele gegen Augsburg, Freiburg oder Düsseldorf gewinnen, erst Recht zu Hause, sowieso nach einer Führung. Als Entschuldigung taugt da auch nicht, dass der Bayern-Kader eben alt sei und ein Umbruch nötig. Niko Kovac hat die Bayern derart destabilisiert, dass dieser Umbruch in einem Fiasko enden könnte. Seit Lukebakio in München wieder an seine Jugend anknüpfen durfte, muss man bilanzieren: Die Zeit von Niko Kovac in München ist vorbei.

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