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Bayern München im DFB-Pokal : Irres 5:4 gegen Zweitligist Heidenheim

Im Viertelfinale des DFB-Pokals liefern die Gäste den Münchnern einen packenden Kampf. Nach einem tollen Comeback verpassen sie die Sensation knapp.

Auf Augenhöhe. Bayerns Joshua Kimmich (l.) und Heidenheims dreifacher Torschütze Robert Glatzel.
Auf Augenhöhe. Bayerns Joshua Kimmich (l.) und Heidenheims dreifacher Torschütze Robert Glatzel.Foto: Matthias Balk/dpa

In der Halbzeitpause, so berichteten es die TV-Kollegen von Sky, soll es in der Kabine des FC Bayern München ziemlich gekracht haben. Der sonst häufig um Coolness bemühte Trainer Niko Kovac hatte offenbar den Wunsch, seinem Frust Geltung zu verleihen. Und wer wollte ihm das verübeln nach den ersten 45 Minuten im Viertelfinale des DFB-Pokals gegen den Zweitligisten 1. FC Heidenheim. 2:1 führten die Gäste in München, sie spielten in Überzahl und so gut, dass sie noch ein, zwei weitere Male ins Tor hätten treffen können.

Der Traum der Ostälbler lebte, der Albtraum der Bayern auch. Sie wachten aber noch rechtzeitig auf. 5:4 (1:2) gewannen sie am Ende ein furioses Fußballspiel, das genauso gut auch andersherum hätte enden können. „Ich weiß gar nicht, wie ich es einordnen soll. Dass wir nach einer 4:2-Führung wieder auf 4:4 gehen, kann uns nicht gefallen. Das muss man erstmal verdauen“, sagte Thomas Müller und ergänzte: „Trotzdem war die zweite Halbzeit positiv, auch wenn es verrückt war. Dieses moralische Plus müssen wir für die nächsten Tage nutzen, den Arsch zusammenkneifen und gegen die Dortmunder gewinnen.“

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Vor allem in der zweiten Halbzeit boten die 21 Spieler – Bayerns Niklas Süle hatte nach einer Viertelstunde wegen Foulspiels die Rote Karte gesehen – den Fans einen intensiven Pokalkampf. Die Voraussetzungen für die wilde Fahrt hatten die Heidenheimer mit zwei Toren in Hälfte eins durch Robert Glatzel und Kapitän Marc Schnatterer gelegt. München war zwar durch Leon Goretzka früh in Führung gegangen, danach aber wenig konsequent. „Nach dem Start muss das Spiel anders laufen. Die erste Halbzeit war nach dem Platzverweis nicht gut von uns“, mäkelte Müller.

Jubelt, wo er will. Heidenheims Mittelfeldspieler Marc Schnatterer, der auch gegen den FC Bayern trifft.
Jubelt, wo er will. Heidenheims Mittelfeldspieler Marc Schnatterer, der auch gegen den FC Bayern trifft.Foto: Matthias Balk/dpa

Nach der Pause und Kovacs Kabinenpauke mussten die Münchner also aufdrehen – und taten dies zunächst auch. Der zur Pause eingewechselte Robert Lewandowski legte für Müller auf, das 2:2. Zwei Minuten später sorgte dasselbe Duo für das 3:2, diesmal bediente Müller seinen Sturmkollegen. 55 Minuten waren vorbei und die Bayern nun in Stimmung, erst recht als Serge Gnabry in Folge eines Eckballs auf 4:2 erhöhte.

Nun schien alles seinen vorgesehenen Weg zu gehen, aber die Heidenheimer blieben trotzig. Glatzel setzte sich ein weiteres Mal gegen die nicht vorhandene Münchner Abwehr durch, Torwart Sven Ulreich überwand er mit einem Flachschuss. Kurz darauf glich er per Elfmeter gar zum 4:4 aus. Mats Hummels hatte Maurice Multhaup gefoult. Eine Viertelstunde blieb noch, die Heidenheimer Fans tobten.

Es ging spektakulär weiter. Gnabry hämmerte den Ball noch zweimal an die Latte des Heidenheimer Tores, während Denis Thomalla auf der anderen Seite freistehend vor Ulreich die Großchance zum 4:5 vergab. Quasi im Gegenzug beendete Lewandowski mit seinem zweiten Tor, diesmal per Handelfmeter, die Hoffnungen der stark auftrumpfenden Heidenheimer.

„Wir sind stolz auf die Leistung. Nach dem 4:4 habe ich gedacht: Jetzt gewinnen wir. Dann hätten wir Geschichte geschrieben“, resümierte Heidenheims Trainer Frank Schmidt. Bayerns Leon Goretzka fand: „Die ganz große Erkenntnis ist, dass wir vier Tore gekriegt haben gegen einen Zweitligisten. Das darf nicht passieren.“ (Tsp)

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