Bundesliga-Geisterspiele : Der Heimvorteil verschwindet

Von den bisherigen 18 Bundesliga-Geisterspielen gab es nur drei Heimsiege. Die große Fußball-Weisheit des Heimvorteils gerät ins Schwanken. Ein Kommentar.

Die Schalker Munir Mercan (links) und Ahmed Kutucu konnten sich bei Heimspielen mit Zuschauern meist auf ihre Fans als Faktor verlassen.
Die Schalker Munir Mercan (links) und Ahmed Kutucu konnten sich bei Heimspielen mit Zuschauern meist auf ihre Fans als Faktor...Foto: AFP

Die meisten Fußballweisheiten sind mittlerweile überholt im modernen Profibetrieb. Oder wer glaubt noch an die Mär der elf Freunde, die eine Mannschaft sein muss? Auf eine Weisheit können sich Profis und Trainer aber noch immer einigen: Im eigenen Stadion vor den eigenen Fans spielt es sich am besten. Auf den Heimvorteil berufen sich alle.

Und dieses Gefühl trügt nicht. Um die 50 Prozent aller Heimspiele werden laut einer Auswertung des Weltverbands Fifa gewonnen. Doch das war vor der Coronavirus-Pause. Nun droht auch die scheinbar unumstößliche Weisheit des Heimvorteils ins Wanken zu geraten.

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Die ersten beiden Bundesliga-Spieltage ohne Zuschauer zeigen nämlich eher einen Heimnachteil. Von den bisherigen 18 Geisterspielen seit dem Neustart gab es lediglich drei Heimsiege, zwei davon gelangen den Branchenführern Borussia Dortmund und Bayern München.

Ohne die Zuschauer im Rücken scheinen es nun besonders die sogenannten Kleinen der Bundesliga schwer zu haben, die sich oft auf die Emotionen auf den Rängen berufen. Wobei Studien belegt haben, dass die Heimfans mehr Einfluss auf den Schiedsrichter ausüben als auf die eigene Mannschaft. Demnach fällen die Schiedsrichter – natürlich ungewollt – weniger kontroverse Entscheidungen gegen das Heimteam. Offenbar, weil sie unbewusst den Zorn der Zuschauer befürchten. Und so werden den Gastgebern auch mehr Elfmeter zugesprochen – und weniger Gelbe Karten.

Außerdem dürften die klinischen Spielbedingungen nun auch einfach den Mannschaften entgegenkommen, die über eine größere spielerische Klasse verfügen. Natürlich haben der FC Bayern, Dortmund und Leverkusen auch vor der Unterbrechung eine starke Saison gespielt. Aber dass die Leverkusener, die mit feinen Füßen ausgestattet oft in ihren Leistungen schwankten, plötzlich äußerst souverän zwei schwierige Auswärtsspiele in Bremen und Mönchengladbach gewinnen, ist schon ein Zeichen.

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Wenn nun neben dem Heimvorteil auch das Image von Vizekusen fallen würde, wäre der Fußball durch das Coronavirus tatsächlich auf den Kopf gestellt. Aber noch stehen ja sieben Bundesliga-Spieltage an, um diese Weisheiten doch wieder zu bestätigen.

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