Calgary und Stockholm bangen um Bewerbung : IOC droht eine Blamage

Mit Calgary und Stockholm stehen laut Medienberichten zwei von drei Bewerbern für die Winterspiele 2026 vor dem Rückzug.

Damals ging viel. Michael Edwards (Großbritannien) alias "Eddie the eagle" grüßt mit dem Peace-Zeichen aus einem Sessellift bei den Winterspielen 1988 in - Calgary.
Damals ging viel. Michael Edwards (Großbritannien) alias "Eddie the eagle" grüßt mit dem Peace-Zeichen aus einem Sessellift bei...Foto: Imago

Der vermeintliche Coup, endlich wieder traditionsreiche Bewerber aus klassischen Wintersportorten für die Olympischen Winterspiele 2026 zu haben, könnte für das Internationale Olympische Komitee (IOC) nun schon ein Jahr vor der Entscheidung mit einem lauten Knall platzen. Mit Calgary und Stockholm stehen zwei von drei der übrig geblieben Bewerber Medienberichten aus Kanada und Schweden zufolge vor dem Rückzug. In Stockholm will die neue Stadtregierung die Bewerbung offenbar streichen und auch in Kanada gibt es Ärger. Erst vor einer Woche hatte das IOC in Buenos Aires die Bewerbungen aus Calgary, Stockholm und Cortina d’Ampezzo/Mailand als Finalisten für die Wahl im September 2019 benannt. Die droht nun auszufallen – was für das IOC angesichts ohnehin anhaltender Kritik einer weiteren Blamage gleichkäme.

Zuletzt waren die Winterspiele höchst umstritten 2014 an das russische Sotschi, 2018 an Pyeongchang in Südkorea und 2022 an Peking gegangen. Bewerber aus dem Westen waren wegen mangelnden Rückhalts aus der Bevölkerung für das Milliardenprojekt Olympia immer wieder reihenweise zurückgetreten.

Politiker der Stadtregierung Stockholm hatten nun erklärt, die Spiele nicht mit Steuergeldern unterstützen zu wollen. Außerdem würde sich die Organisation nicht mit den Klimazielen Schwedens decken. Eine Ausrichtung der Winterspiele könne es deshalb nicht geben, hieß es. Mats Arjes, der Präsident des Nationalen Olympischen Komitees, bemühte sich gleich um Relativierung. Er sprach von einem Missverständnis, das man aufklären müsse. Die Zweifel sind da.

Der Ärger in Stockholm könnte Calgary nun eigentlich Auftrieb geben. Aber im Westen Kanadas haben sie ihre eigenen Probleme. Teile der Wettbewerbe sollen in den nahen Rocky Mountains in Lake Louise, Canmore und Whistler stattfinden. Die Anlagen sind von den Spielen 1988 größtenteils vorhanden und auch regelmäßig im Weltcup-Betrieb von Ski Alpin, Eisschnelllauf und Biathlon. Das neue Olympische Dorf als spätere Sozialwohnungen könnte Calgary bei zuletzt stark steigenden Immobilienpreisen auch gut gebrauchen.

Das IOC hatte die Ansprüche für eine Bewerbung zuletzt schon heruntergeschraubt

Aber die Provinzregierung Alberta hat nun nur 450 Millionen Euro zugesagt – deutlich weniger, als man sich erhofft hatte. Die Stadt Calgary und auch die kanadische Regierung in Ottawa haben sich noch nicht geäußert. Insgesamt hofft die Bewerbung auf rund zwei Milliarden Euro öffentliche Unterstützung. Die Zuwendung der Provinz ist aber von einem Ja der Einwohner bei einer Abstimmung am 13. November abhängig.

Streit gibt es obendrein über die Wettbewerbe in Whistler. Dort könnte man von den Vancouver-Spielen 2010 die Skisprunganlage nutzen, ohne die marode Schanze in Calgary für viel Geld zu sanieren. Aber Whistler liegt im benachbarten British Columbia. Kritiker wollen eine zweite Provinz aber nicht beteiligen. So droht auch diese Bewerbung zu platzen.

Das IOC hatte die Ansprüche für eine Bewerbung zuletzt schon heruntergeschraubt. So sollten etwa das Minimum an Zuschauerkapazität für die Sportstätten reduziert und gleichzeitig deren Radius erweitert werden, um mehr vorhandene Strukturen nutzen und unnötige Neubauten verhindern zu können.

Mehr noch als bei den Sommerspielen hatte es in den vergangenen Jahren wegen der Winterspiele Kritik an immensen Kosten und zu wenig nachhaltigen Bauten gegeben. Die Winterspiele von 2014 bis 2022 waren mit Sotschi, Pyeongchang und Peking nicht an typische Wintersportorte vergeben worden. Sotschi bleibt neben den Rekordkosten von geschätzten 50 Milliarden US-Dollar vor allem für den Skandal um das russische Staatsdoping in Erinnerung. Peking hatte erst 2008 die Sommerspiele veranstaltet.

Das IOC wollte deshalb für 2026 die Spiele wieder an einen Wintersportort mit Tradition vergeben. Sion, Graz und Sapporo zogen ihre Bewerbungen selbst zurück. Erzurum in der Türkei strich das IOC aus dem Kandidatenkreis. Calgary, Cortina und Stockholm müssen sich bis zum 11. Januar 2019 entscheiden, ob sie ihre Bewerbungen aufrechterhalten. Dann erwartet das IOC die finalen Bewerbungsunterlagen.

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