Durchwachsener Start der Eisbären Berlin : Überzahl, Unterzahl – nicht egal

Die Eisbären spielen zum Teil gut, aber die Ergebnisse stimmen noch nicht unbedingt. Eine Analyse des Saisonstarts in der Deutschen Eishockey-Liga.

Wieder ein Gegentor in Unterzahl. Constantin Braun (links) und Austin Ortega sind frustriert, Philip Gogulla (r.) von RB München bejubelt seinen Treffer zum 3:1.
Wieder ein Gegentor in Unterzahl. Constantin Braun (links) und Austin Ortega sind frustriert, Philip Gogulla (r.) von RB München...Foto: Eibner/Imago

Fünf von zwölf möglichen Punkten haben die Eisbären Berlin in den ersten vier Spielen der Saison geholt. Das klingt nicht überragend, angesichts der Ansprüche in Berlin. Der Start in die Spielzeit ist – allein an den Ergebnissen gemessen – nicht gelungen. Aber das muss noch nichts heißen, Meister Mannheim ist auch in die Saison gestolpert. 

Nun könnte man sagen: Wen interessiert es, abgerechnet wird im April 2020, mit Ende der Play-offs. Aber das ist natürlich Unsinn, bei den Eisbären gibt es sichtbare Fortschritte unter dem neuen Trainer Serge Aubin. Allerdings auch Dinge, die noch verbessert werden müssen und wohl auch Dinge, die nur schwerlich verbessert werden können. Es sei denn, die Eisbären legen personell noch mal nach.

Der Kader ist breiter als in der Vorsaison, mit ihren vier Sturmreihen konnten die Berliner bisher viel Tempo aufs Eis bringen und die Gegner auch oft unter Druck setzen. Es ist fast schon abenteuerlich, dass die Berliner am Sonntag in München ihr bestes Drittel der Saison abgeliefert haben und dafür nicht belohnt wurden. 30 Schüsse haben sie auf das Tor des Gegners abgefeuert. Das ist ein Wert, den viele Teams nicht in einem Spiel schaffen. Wenn dann aber von so vielen Schüssen nicht einer im Tor landet, dann ist die Niederlage vorprogrammiert: Die Eisbären verloren 2:4 in München

Die Anzahl der Schüsse sagt allerdings noch nichts über die Qualität der Versuche aus – in jedem Fall müssen die Eisbären am Abschluss arbeiten. Neun Tore in vier Spielen, davon noch eins in der Overtime, sind zu wenig für gehobene Ansprüche. Genauso eklatant waren die Probleme mit den sogenannten Special Teams: In Unterzahl sind die Eisbären viel zu schlecht organisiert, da fielen am Sonntag dreieinhalb von vier Gegentoren. Der letzte Treffer landete im Tor, als die Berliner just wieder komplett waren.

In jeder dritten Unterzahl der Berliner hat bisher der Gegner getroffen, nur Iserlohn und Augsburg waren da bisher noch schlechter aus als die Eisbären. Ihr Powerplay hingegen ist schwach, mit Ihrer Quote stehen sie sie am Ende der Liga. Nach zwei von 24 Chancen konnten sie jubeln, das ist eine Erfolgsquote von 8,3 Prozent. Nur Iserlohn war bisher schwächer als die Berliner in Überzahl.

In der Defensive haben noch nicht alle Spieler überzeugt

In den Bereichen, in denen Struktur gefragt ist, haben die Eisbären also noch Arbeit vor sich. Was angesichts der vielen neuen Spieler im Kader allerdings mit Saisonbeginn schon so sein darf. Aber es gibt spannende Fragen: Kann die Mannschaft die Ideen des Trainers umsetzen und wie gut ist das neue Personal wirklich? Torwart Sebastian Dahm sah es in München so, dass seine Mitspieler eben mental noch nicht da sind, wo sie sein sollten.

„Gegen so einen guten Gegner, da müssen wir mehr Disziplin haben“, sagte Dahm. „Außerdem müssen wir besser in Unterzahl spielen.“ Das ist beides richtig. Nur ob die Eisbären dafür auch die richtigen Spieler haben, das ist eine zentrale Frage. Denn gerade im Defensivbereich haben bisher noch nicht alle überzeugt. Andersrum gefragt: Welcher Verteidiger hat wirklich herausragend gespielt? Antwort: Bis jetzt noch keiner.  

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Das sollte sich schleunigst ändern, denn am Donnerstag müssen die Berliner in Mannheim antreten. Dort wird es nicht einfach, schließlich will der Meister im dritten Anlauf seinen ersten Heimsieg. Die Berliner hingegen wollen mit einem guten Gefühl in das Freundschaftsspiel am Sonntag gegen die Chicago Blackhawks aus der National Hockey League (NHL) gehen. Nicht, dass diese schöne Ablenkung vom Ligaalttag dann gefühlt zum falschen Zeitpunkt kommt: Denn gegen Chicago geht es nicht um Punkte, maximal um etwas Selbstbewusstsein. Aber das können die Eisbären durchaus noch gebrauchen.

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