Sport : Ein Trainer soll gehen, der andere bleiben

Stefan Hermanns

München - Wenn ein Trainer sich schon für Banalitäten öffentlich rechtfertigen muss, hat seine Zukunft im Amt vermutlich keine lange Lebensdauer mehr. Fabio Capello, der Trainer von Real Madrid, sollte nach der 2:3-Niederlage bei Bayern München erklären, warum er erst so spät mit der Einwechslung eines Offensivspielers auf den frühen Rückstand reagiert habe. Nach zehn Sekunden hatte Roy Makaay Bayern in Führung geschossen, doch erst 29 Minuten später holte Capello einen seiner drei defensiven Mittelfeldspieler vom Platz. „Man kann nicht nach 13 Sekunden einen Spieler auswechseln“, sagte der Italiener. „Das geht einfach nicht.“

Das Achtelfinale der Champions League hatte am Mittwoch zwei Trainer zusammengeführt, die in ihrem Berufsleben gerade vollkommen gegensätzliche Erfahrungen machen. „Dieser Trainer ist zu nichts nutze“, schrieb die spanische Sportzeitung „As“ über Capello, Ottmar Hitzfeld hingegen genießt im Moment allgemeine Hochachtung. „Er ist mit großem Ehrgeiz, großem Fleiß und großer Qualität bei der Sache“, sagte Bayerns Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge. Und während sich die Jobgarantie für Capello wohl nur noch auf das nächste Spiel beim FC Barcelona erstreckt, würden die Münchner ihren Trainer am liebsten über das Saisonende hinaus an sich binden.

Erst am Wochenende hat Hitzfeld diese Option noch einmal kategorisch ausgeschlossen, seine strikte Weigerung jedoch mit dem Nachsatz relativiert, dass man im Fußball nichts ausschließen könne. Auch alle anderen Aussagen zu diesem Thema befeuern eher die Spekulationen, als dass sie sie beenden. Da er bei seinem Amtsantritt gesagt habe, er stehe nur für vier Monate zur Verfügung, „kann ich jetzt nicht schon wieder was anderes sagen“. Jetzt nicht. Aber vielleicht in ein paar Wochen, wenn deutlicher abzusehen ist, ob die Saison für die Bayern tatsächlich noch ein gutes Ende nimmt. „Man muss Ottmar jetzt mal mit der ganzen Sache in Ruhe lassen“, sagte Rummenigge, „damit die Geschichte in Ruhe in ihm reifen kann.“ Uli Hoeneß wurde gefragt, ob er um Hitzfeld kämpfen werde. Der Manager der Bayern antwortete: „Ich glaube nicht, dass ich sehr um ihn kämpfen muss.“

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