Eisbären Berlin : Play-off-Viertelfinale gegen RB München: Zeit für Gefühle

Die Eisbären Berlin wollen Meister Red Bull München überraschen – nicht nur im ersten Viertelfinalspiel am Mittwoch.

Florian Kettemer (rechts im Bild, hier im Duell mit Maximilian Kastner) geht selbstbewusst in die Serie gegen sein altes Team.
Florian Kettemer (rechts im Bild, hier im Duell mit Maximilian Kastner) geht selbstbewusst in die Serie gegen sein altes Team.Foto: dpa

Florian Kettemer kann sich auf seine Intuition verlassen. Am Sonntag schaute er nicht zu, als Bremerhaven und Nürnberg in ihrem Duell den nächsten Gegner der Eisbären bestimmten. „Weil ich sowieso im Gefühl hatte, dass es München wird“, sagte der Berliner Verteidiger am Dienstag nach dem Training und musste schmunzeln. Dazu muss man wissen: Kettemer wurde in den vergangenen drei Jahren mit RB München jeweils Meister – keiner im Team der Eisbären kennt den kommenden Gegner besser.

Dass es ihn freut, ab Mittwoch auf seine alten Kollegen zu treffen, davon darf man ausgehen. Ob das auch für den Rest der Mannschaft gilt, ist allerdings zumindest fraglich. Gegen München haben die Berliner im vergangenen Jahr die Finalserie verloren, 2017 kam das Aus im Halbfinale. Nur sechs von 24 Duellen in den letzten drei Spielzeiten gewannen die Eisbären. „München ist Favorit, aber wir nehmen die Außenseiterrolle gern an“, sagt Trainer Stéphane Richer.

Angesichts von derart vielen Spielen gegeneinander gibt es zwischen den Teams kaum Geheimnisse. „Wir wissen, wie München spielt und die wissen, wie wir spielen“, sagt Richer. Bei Don Jackson klingt das ganz ähnlich: „Viele unserer Spieler waren beim Finale letztes Jahr gegen die Eisbären dabei und haben den Titel gewonnen. Wir wissen, was zu tun ist“, erklärte der Trainer der Bayern im Vorfeld der Serie.

Die könnte sich maximal über sieben Spiele und damit bis zum 31. März hinziehen. Die Münchner beginnen am Mittwoch daheim (19.30 Uhr/live bei Magentasport) und könnten auch ein möglicherweise alles entscheidendes siebtes Duell vor eigenem Publikum bestreiten. Dabei verliefen die Play-off-Serien in den jüngsten beiden Jahren stets nach dem gleichen Muster: Die Berliner überraschten zunächst mit einem Auswärtssieg, konnten ihren ersten Erfolg aber anschließend zuhause nicht bestätigen.

2017 und 2018 gewannen die Eisbären jeweils Spiel eins in München

Zumindest mal sind die Eisbären im Rhythmus, noch am Freitag waren sie in ihrer Pre-Play-off-Serie im Einsatz. München hingegen hatte zehn Tage Pause seit dem Ende der Hauptrunde. „Für uns war es ein Vorteil, in den Pre-Play-offs zu spielen, weil wir dadurch noch mehr Selbstvertrauen gewonnen haben“, sagt Richer. Don Jackson bereitet sich nach ein paar freien Tagen seit vergangenen Donnerstag mit dem Team auf das Viertelfinale vor. „Wir denken nur noch von Spiel zu Spiel“, sagt er.

Diese Mentalität kennt Florian Kettemer bestens. Bei ihm klingt das fast genauso, denn: „In den Play-offs verliere ich das Zeitgefühl, weil ich immer nur auf’s nächste Spiel schaue.“ Ein paar Fragen mehr muss er in diesen Tagen allerdings schon beantworten und wenn sie ihm der eigene Trainer stellt, muss Kettemer auch ein bisschen konkreter werden. Richer will dessen Münchner Expertise auch für seine Vorbereitung nutzen. Zudem ist 32-Jährige ein Führungsspieler bei den Eisbären, „weil er mit seiner Einstellung immer voran geht und ein Vorbild für die jungen Spieler ist“, wie Richer findet.

Auch wenn es angesichts der Vielzahl von Aufeinandertreffen keine Überraschungen geben dürfte, so hat der Berliner Coach doch ein paar Dinge festgestellt, auf die er vorab seinen Fokus gerichtet hat. „Donny lässt immer das gleiche System spielen. Aber vielleicht spielt München in dieser Saison nicht mehr ganz so schnell. Sie haben mehr große und kräftige Spieler“, sagt Richer. Trotzdem verfüge Jackson Mannschaft immer noch über ein gefährliches Umschaltspiel. „Deshalb dürfen wir nicht so viel Zeit im eigenen Drittel verbringen und müssen die richtigen Entscheidungen in der offensive Zone treffen.“

Insgesamt schauen die Eisbären allerdings vor allem auf sich. Nach den jüngsten Erfolgen ist das Selbstbewusstsein zurück. „Wir haben neuen Spaß am Eishockey gefunden. Da schauen wir gar nicht so drauf, wer gegen uns spielt“, sagte Kettemer. Ein paar taktische Unterschiede zur Serie gegen Straubing gibt es dann aber doch. Im Grunde ist die Rechnung aber ganz einfach: „Wer am Ende weniger Fehler macht, wird gewinnen“, glaubt Richer.

Zuletzt haben die Eisbären sich in allen Belangen gesteigert, die ganz großen Herausforderungen gab es in den vergangenen Wochen sportlich allerdings nicht. Mit München folgt nun ein erster richtiger Härtetest. Schon in Spiel eins wird sich zeigen, inwieweit die Berliner tatsächlich wieder gefestigt sind und womöglich zu dem Herausforderer des amtierenden Champions werden können, der sie schon von Beginn der Spielzeit an sein wollten. „Es war keine gute Saison von uns. Aber die Karten werden jetzt neu gemischt“, sagte Florian Kettemer und fügte hinzu: „Wir wollen Deutscher Meister werden.“ Wenn jemand weiß, wie es geht, dann er.

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