Die Spieler zeigen sich beeindruckt vom neuen Trainer

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Erstes Hertha-Training : Schneekönig Otto Rehhagel

Um 10:37 Uhr fällt das erste Tor der Ära Otto Rehhagel. Tunay Torun erzielt es mit einer spektakulären Grätsche, auch das wird dem Trainer gefallen haben. Wenn er es denn gesehen hat, denn das viele Reden und Gestikulieren macht es schon mal notwendig, dem Spielchen den Rücken zuzuwenden. Viel zu sehen gibt es eh nicht. Der Ball in Neonrosa hüpft unberechenbar wie eine Flipperkugel über den knöchelhohen Schnee, mal bleibt er liegen und mal nicht. Überraschend viele Ballkontakte hat Torhüter Burchert, der in seinen kurzen Hosen als Feldspieler aushelfen darf.

Nach einer halben Stunde ertönt ein Pfiff, einer dieser berühmten Rehhagel-Pfiffe, für die er keine Pfeife braucht, sondern nur zwei Finger. Mit seinen nicht minder berühmten kurzen und hektischen Schritten eilt Rehhagel auf den Platz. Reden und gestikulieren, gestikulieren und reden. Rehhagel packt den Brasilianer Ronny an den Schultern und schiebt ihn ein par Meter durch den Schnee. Der Rest der Mannschaft lauscht andächtig, und schon geht es weiter.

Nach einer guten Stunde hört es auf zu schneien, pünktlich zum Ende der Premieren-Show. Otto Rehhagel läuft durch den Pulk der Kameras und lässt über den Vereinssprecher ausrichten, dass es nichts auszurichten gibt: „Herr Rehhagel ist hier, um die Mannschaft zu trainieren und nicht die Medien.“ Gute Sache, findet Peter Niemeyer, „die Kameras sind nicht auf uns gerichtet, sondern auf den Trainer, das nimmt ein bisschen Druck von der Mannschaft.“

Der Mittelfeldspieler Niemeyer hat mal für ein paar Jahre in Bremen gespielt und gilt daher als Experte in Sachen Rehhagel, der immer noch im Ruf eines ewigen Bremers steht. Ist allerdings schon ein Weilchen her. Otto Rehhagels Zeit bei Werder ging 1995 zu Ende, da war Peter Niemeyer zehn Jahre alt, zuletzt hat er ihn im Frühling auf einer Pokalparty gesehen. In Berlin. Was denn der Trainer gesagt habe über seine ersten Trainingseindrücke? Blöde Frage, denkt sich Niemeyer wohl, was soll man schon groß sagen zu einem Stündchen Schneefußball? Er lacht kurz und führt im Weiteren aus, der Herr Rehhagel sei „sehr zufrieden damit gewesen, dass wir trotz der widrigen Bodenverhältnisse sehr gut kombiniert haben“.

Perfekte Vorbereitung halt für das wichtige Spiel am Samstag in Augsburg, beim Nachbarn am unteren Rand der Tabelle. Wahrscheinlich werden nicht alle Kameras nur auf Otto Rehhagel gerichtet sein. Zu erwarten sind sechs Grad über Null, Sonnenschein und eine intakte Rasenheizung.

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