• Europameister im Deutschland-Achter: Wie sich Christopher Reinhardt zurückruderte

Europameister im Deutschland-Achter : Wie sich Christopher Reinhardt zurückruderte

Christopher Reinhardt verletzte sich, fiel lange aus und kämpfte sich zurück – nun ist das große Rudertalent als Jüngster im Achter Europameister.

Zug um Zug: Der Deutschland-Achter (drittes Boot von oben) mit Christopher Reinhardt sorgt für Wirbel.
Zug um Zug: Der Deutschland-Achter (drittes Boot von oben) mit Christopher Reinhardt sorgt für Wirbel.Foto: Peter Schneider/dpa

Berlin - Im Mai 2018, als das Team Deutschland-Achter präsentiert wird, darf Christopher Reinhardt nur zuschauen. Dabei war ihm noch ein Jahr zuvor eine große Zukunft prophezeit worden, nachdem er mit nur 19 Jahren erfolgreich den Sprung aus dem U-23-Achter zu den Männern geschafft hatte. Dass er nun am Sonntag mit dem Deutschland-Achter in Luzern Europameister werden würde – und das vor dem Erzrivalen Großbritannien –, „hätte er nicht geglaubt“, wenn es ihm jemand noch im vorigen August gesagt hätte. Im August, als er nach rund neun Monaten endlich wieder schmerzfrei joggen konnte.

Vor zwei Jahren beginnt Reinhardts Leidensgeschichte mit Knieschmerzen. Die Wachstumsfugen an den Kniescheiben haben sich verschoben. Die Schmerzen werden so stark, dass er sich im November 2017 operieren lassen muss. Die Regenerationszeit soll nur zwei bis drei Monate dauern, doch Reinhardt kehrt erst im August 2018 ins Boot zurück. Und wie er zurückkehrt.

Bei der ersten Leistungsüberprüfung der neuen Saison legt er auf dem Ergometer die beste Zeit hin und katapultiert sich ins Blickfeld der Trainer. Sie können vor zwei Wochen letztlich gar nicht anders, als ihn zu nominieren. Und sprengen so den ungeschlagenen Achter der vergangenen beiden Jahre. Die Entscheidung überrascht Reinhardt.

Der Europameistertitel ist für ihn etwas „ganz Besonderes“ – schließlich saß er erstmals bei einem großen Wettkampf im Achter. Er ist der Jüngste und hat aufgrund seiner Perspektive gute Chancen auf die Olympischen Spiele 2020 in Tokio. Denn das ist das große, noch ferne Ziel für das ganze Team – auch den Vierer, der am Sonntag starker Dritter wurde. „Jedes Jahr wird wieder neu bewertet. Wenn man ein Jahr vor Olympia im Boot sitzt, will man natürlich dabei sein“, sagte der 21 Jahre alte Dorstener, „aber wir sind im Leistungssport, da läuft es nicht immer nach Plan.“ Und wer wüsste das besser als Christopher Reinhardt. Christopher Stolz

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