Fall Clemens Tönnies : Der Fußball muss endlich seine Vorreiterrolle annehmen

Der Fall um Schalkes Klubchef Clemens Tönnies ist umso erschütternder, weil er offenbart, dass im Fußball doch nicht alle gleich sind. Ein Kommentar.

Die Schalker Mannschaft beteiligt sich immer wieder an Aktionen wie "Zeig Rassismus die Rote Karte".
Die Schalker Mannschaft beteiligt sich immer wieder an Aktionen wie "Zeig Rassismus die Rote Karte".Foto: imago/Team 2

Für öffentlichkeitswirksame Aktionen im Dienste der guten Sache ist im Fußball immer Platz – etwa für „Zeig Rassismus die Rote Karte“. Für diese Initiative posieren die Spieler der Fußball-Bundesligisten mit Roten Karten, auch die des FC Schalke 04. Allerdings ist im Fußball leider auch noch immer Platz für rassistische Äußerungen wie die des Schalker Aufsichtsratsvorsitzenden Clemens Tönnies.

Der Unternehmer hatte sich beim Tag des Handwerks in Paderborn in diskriminierender Manier über Afrikaner geäußert, und leider hat nun der Schalker Ehrenrat mit seiner Entscheidung Dienstagnacht, Tönnies dafür nicht vom Verein auszuschließen, dem Rassismus eben nicht die Rote Karte gezeigt.

Dass der Klubchef drei Monate sein Amt ruhen lässt und danach alles wieder so weiterlaufen soll wie zuvor, ist ein fatales Signal. Der Fußball ist ein wichtiger Part in der Gesellschaft, unter seinem Dach finden sich mittlerweile mehr Menschen zusammen als in Parteien oder Gewerkschaften. Dem Fußball wird eine Vorreiterrolle zugeschrieben, allein wegen der riesigen Aufmerksamkeit, die er tagtäglich millionenfach erhält. Dass beim Spiel mit dem Ball alle gleich sind und Fairness die oberste Maxime ist, dafür soll er stehen. Die Gesellschaft fordert das geradezu ein von den Vereinen.

Der Fall Tönnies ist daher umso erschütternder. Weil er offenlegt, dass im Fußball doch nicht alle gleich sind. Tönnies, der große Geldgeber und wichtige Mann im Schalker Verein, kam äußerst milde davon, während nahezu zeitgleich ein ebenfalls diskriminierender Vorfall ganz anders gehandhabt wurde – wenn auch nach öffentlichem Druck. Die beiden früheren Spieler von Borussia Dortmund, Norbert Dickel und Patrick Owomoyela, wurden dafür sanktioniert, dass sie vor zwei Wochen als Kommentatoren des Vereinssenders in einem BVB-Testspiel gegen den italienischen Klub Udinese Calcio die Gegner als „Itaker“ verunglimpft hatten. Sie sitzen vorerst nicht mehr am Mikrofon.

Doch mit zweierlei Maß darf nicht gemessen werden. Rassistische Aussagen dürfen nicht als angebliche Ausrutscher durchgehen. Und nur dem Geld darf einfach nicht nachgelaufen werden, sei es auf Schalke beim Fleischfabrikanten Tönnies oder dem russischen Energiekonzern Gazprom. So verliert der Profi-Fußball nur die letzte Glaubwürdigkeit.

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