Frauen im Profisport : Wer Geld verdienen will, muss Tennis spielen

In anderen Bereichen des Lebens sind Frauen oben angekommen. Im Profisport spielen sie dagegen in vielen Bereichen eine Nebenrolle. Ein Kommentar.

Lohnt sich. Seit ihrem Gewinn bei den US Open 2016 räumt Angelique Kerber ordentlich ab, nur zwei Tennisspielerinnen verdienten zuletzt mehr.
Lohnt sich. Seit ihrem Gewinn bei den US Open 2016 räumt Angelique Kerber ordentlich ab, nur zwei Tennisspielerinnen verdienten...Foto: AFP/Clary

Angelique Kerber hat alles richtig gemacht. Wenn Du als Frau im Sport Geld verdienen willst, dann musst du Tennis spielen. Diese Formel funktioniert seit Jahrzehnten, auch dieses Jahr. Laut der Geldrangliste des US-Wirtschaftsmagazins „Forbes“ spielten zwölf der 15 am besten verdienenden Sportlerinnen in den jüngsten zwölf Monaten Tennis. Darunter ist auch die letztjährige Wimbledonsiegerin Angelique Kerber, die mit 10,54 Millionen Euro Verdienst auf Rang drei liegt, hinter ihren Kolleginnen Serena Williams (26,1 Millionen Euro) und Naomi Osaka.

Das hat mit den männlichen Sportgroßverdienern immer noch wenig zu tun, Roger Federer steckte sich fast drei Mal so viel in die Taschen wie Williams. Und vorn in der Geldrangliste rangieren Messi (111 Millionen Euro), Ronaldo und Co. Hinter dem Fußball wird beim Golfen, im Rennauto oder den vier großen Männerprofiligen mehr abgeräumt als im Frauentennis. Natürlich ändert sich da langsam etwas, aber allein mit „Equal-Pay“-Forderungen wird es nicht getan sein. Der Profisport läuft der modernen Gesellschaft hinterher, in der Gleichstellung in vielen Bereichen schon Realität ist.

Investitionen in den Mannschaftsport bei den Frauen gibt es nach wie vor zu wenig, starke Infrastrukturen oder größere Fanklubs auch nicht. Tennis funktioniert in einer eigenen Liga bei den Frauen auch dank des Engagement einer Billie Jean King, die in den Siebzigern die monetäre Gleichstellung der Spielerinnen bei den Preisgeldern einforderte und sich (fast) durchgesetzt hat. Ansonsten sollte sich niemand von großen medialen Ereignissen wie jüngst der Fußball-WM nicht blenden lassen. Deren Nachklang hilft den Spielerinnen im Alltag, dann wenn ARD und ZDF wegschauen und die Werbung wieder auf Messi und dessen Kollegen setzt, nicht. Wenn in der Bundesliga der Fußballerinnen kommende Woche wieder der Ball rollt, werden die Zuschauer auf der Tribüne so leicht zählbar sein wie bei einem Fünftligakick der Männer. Ein Millionengehalt für einen weiblichen Fußballprofi ist einfach nicht drin, solange öffentliches Interesse kaum geweckt wird und der Männersport medial, auch an dieser Stelle, die größere Rolle spielt.

In der Politik sind Frauen inzwischen oben angekommen, in vielen anderen Bereichen des Lebens auch. Helene Fischer hat ja schließlich auch mehr öffentlichen Ruhm und verdient ja auch mehr als alle Schlager trällernden deutschen Männer. Doch so lange sich in der Wahrnehmung des Profisports nicht grundlegend etwas ändert, wird sich an der ungleichen Entlohnung der Geschlechter grundlegend wenig ändern.

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