French-Open-Sieger : Nadals elf Titel – und elf Ticks

Großmeister des Tennis: Rafael Nadal ist der beste Sandplatzspieler aller Zeiten. Auch, weil er sich penibel an seine Routinen hält.

Rafael Nadal in Paris
Rafael Nadal in ParisFoto: Olivier Morin/AFP

Am Sonntag war es wieder einmal so weit. Rafael Nadal hat zum bereits elften Mal die French Open gewonnen. Seit ihm das 2005 zum ersten Mal gelang, hat er sich äußerlich zwar ein bisschen verändert, bestimmte Dinge vor oder in einem Match sind aber immer gleichgeblieben. Darüber schmunzeln manche, für Nadal sind sie allerdings elementar. Eine Aufstellung seiner elf schönsten Marotten.

Erstens: Kalt Duschen

45 Minuten vor jedem Match stellt sich Rafael Nadal noch einmal unter die Dusche, das Wasser muss dabei eiskalt sein. „Unter dem kalten Wasserstrahl trete ich in einen anderen Bewusstseinszustand ein, in dem ich spüre, wie meine Kraft und meine Widerstandsfähigkeit wachsen. Wenn ich danach die Dusche wieder verlasse, bin ich ein anderer Mensch. In diesem Zustand existiert für mich nichts anderes als das anstehende Match“, schrieb er in seiner 2011 erschienene Biografie „Rafa“ über diese Art der Matchvorbereitung.

Zweitens: Tasche rechts, Schläger links

Wenn Nadal dann endlich auf den Platz gerufen wird, gibt es dabei stets das gleiche Bild beim Einlauf. Über der rechten Schulter trägt er seine Tennistasche, in der linken Hand den Schläger.

Drittens: Die Sache mit den Trinkflaschen

Wenn er an seinem Stuhl angekommen ist, positioniert er seine Trinkflaschen immer exakt gleich. „Sie sind schräg zur Längsseite des Feldes ausgerichtet. Das ist eine Art, im Match anzukommen. Diese äußere Ordnung soll mit der Ordnung in meinem Kopf einhergehen“, so seine Erklärung dafür.

Viertens: Den Gegner warten lassen

Während sein Gegner am Netz schon auf ihn wartet, sortiert Nadal erst einmal seine Sachen, stärkt sich mit einem Energie-Gel mit genau vier kleinen Schlucken und kommt nach einer gefühlten Ewigkeit endlich auf den Platz. Dort hüpft er permanent hin und her und wirkt dabei unruhig wie ein Stier vor dem Kampf mit dem Torero.

Fünftes: Der Blick zur Familie

Vor jedem Match sucht Nadal den Blick in seine Box. Die war in Paris mit Freundin, Familie und Trainern voll besetzt. Nadal schaut aber nur einmal nach oben, danach während des Spiels nicht mehr. „Ich lasse sie während eines Spiels nicht in meine Gedanken“, erklärt er. Aber allein zu wissen, dass sie da sind, gebe ihm Kraft.

Sechstens: Rechter Fuß voraus und keine Linien betreten

Von Natur aus ist Nadal Rechtshänder, der auch mit rechts schreibt und nur Tennis mit links spielt. Das erklärt vielleicht auch, warum er immer den rechten Fuß vorsetzt, wenn er den Platz betritt oder zum Seitenwechsel geht. Dabei achtet er darauf, niemals auf eine der Seitenlinien zu treten. Teilweise führt das zu absurden Schrittmustern, für Nadal sind sie völlig normal. Die Grundlinien befreit er auf Ascheplätzen hingegen vor jedem neuen Spiel mit den Füßen vom Sand.

Siebtens: Schultern, Nase, Ohren, Haare, Unterhose

Vor jedem Aufschlag greift sich Nadal erst an die Schultern, dann an die Nase, platziert seine Haare hinter den Ohren, auch wenn er inzwischen davon nicht mehr so viele hat wie zu Beginn seiner Karriere. Er kontrolliert den Sitz der Unterhose und fängt dann endlich an mit der eigentlichen Aufschlagvorbereitung. Früher hat er deswegen häufig Verwarnungen wegen Zeitüberschreitung erhalten, inzwischen ist er etwas schneller geworden, auch wenn er die maximal 20 Sekunden zwischen zwei Ballwechseln bis an die Grenze (und zuweilen darüber hinaus) ausnutzt.

Achtens: Griff zum Handtuch

Nach jedem Punkt lässt sich Nadal von einem der Ballkinder das Handtuch geben, auch dann, wenn er gar keinen Ball gespielt hat, zum Beispiel nach einem Ass des Gegners. Routine ist eben Routine und das gilt auch für das Abtrocknen selbst. Zunächst kommt die linke Seite des Gesichts dran, dann die rechte und danach die Arme.

Neuntens: Vortritt für den Gegner

Nach einem beendeten Aufschlagspiel lässt Nadal immer den Gegner zuerst auf seinen Platz gehen, was mitunter dazu führt, dass er am Netz auch mal ein bisschen warten muss. Dafür sitzt er selbst immer solange auf seinem Stuhl, bis sein Kontrahent aufgestanden ist und weiterspielen möchte.

Zehntens: Coole Socke

Das Outfit muss sitzen und das gilt nicht nur für Shirt, Short und Stirnband, sondern auch für die Socken. Die sitzen bei Nadal immer akkurat und vor allem gleichhoch an beiden Beinen. Für viele Zuschauer sind seine ganzen Rituale eine Art Aberglaube, doch Nadal sagt selbst: „Wenn das so wäre, dann würde ich das alles doch nicht immer wieder machen, egal, ob ich gewinne oder verliere.“

Elftens: Bis(s) zum nächsten Pokal

In Paris allerdings verliert Nadal praktisch nie. 88 Matches hat er im Stade Roland Garros bestritten, nur zweimal verlor er. Dafür durfte er alleine elfmal in den Coupe des Mousquetaires beißen, den Pokal für den Sieger der French Open. Auch das ist eines seiner Markenzeichen, womöglich sogar sein liebstes. „Eigentlich war das mal als Witz gemeint, aber dann baten mich die Fotografen immer es doch wieder zu tun. Und inzwischen habe ich gar keine andere Wahl mehr.“ Und Siege schmecken auch einem Rafael Nadal immer noch am besten.

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