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Fußball-Regionalliga : Gedenkminute für verstorbenen Neonazi beim Chemnitzer FC

Thomas Haller galt als Mitbegründer von "HooNaRa" - Hooligans, Nazis, Rassisten. Der Klub bezeichnete die Aktion als "keine offizielle Trauerbekundung".

Vor dem Spiel gegen Altglienicke gedachte die Chemnitzer Fankurve Thomas Haller mit einer Pyro-Show und einem Transparent.
Vor dem Spiel gegen Altglienicke gedachte die Chemnitzer Fankurve Thomas Haller mit einer Pyro-Show und einem Transparent.Foto: imago/HärtelPRESS

Der Chemnitzer FC hat eine umstrittene Beileidsbekundung für einen gestorbenen Fan, der als Mitbegründer einer rechtsextremen ehemaligen Organisation galt, als „keine offizielle Trauerbekundung“ bezeichnet. Der Fußball-Regionalligist teilte am Sonntag mit, er habe „nach dem Tod von Thomas Haller im Rahmen des Ablaufs des Stadionprogramms den CFC-Fans und Hinterbliebenen die Möglichkeit der gemeinsamen Trauer“ eingeräumt.

Einem Bericht des MDR zufolge wurde am Samstag auf der Video-Leinwand vor dem 4:4 des Drittliga-Absteigers gegen die VSG Altglienicke ein Porträt von Haller eingeblendet. Es habe eine Schweigeminute gegeben, ein weißes Kreuz und ein Transparent seien ausgerollt worden. Die schwarz gekleideten Fans in der Südkurve hätten zudem eine Pyro-Show in Rot und Weiß gezündet. In einer Rede seien die Verdienste Hallers für den Verein gewürdigt worden, schrieb der MDR.

"Gebot der Mitmenschlichkeit"

Der Chemnitzer FC erklärte dazu, gemeinsame Trauer zu ermöglichen, stelle keine Würdigung des Lebensinhalts dar. „Es ist ein Gebot der Mitmenschlichkeit, den Fans des CFC und Hinterbliebenen, die darum baten, die gemeinsame Trauer zu ermöglichen“, hieß es in der Stellungnahme.

CFC-Spieler Daniel Frahn hielt beim Torjubel ein schwarzes T-Shirt hoch, das die Aufschrift: „Support your local Hools“ (Unterstütze deine lokalen Hools) trug. Der Stürmer wurde vom Verein mit einer Geldstrafe belegt worden und entschuldigte sich am Sonntag. Darüber hinaus droht Frahn eine Bestrafung von Verbandsseite. Zudem legte der kaufmännische Geschäftsführer Thomas Uhlig mit sofortiger Wirkung alle Ämter nieder. Er trage in seiner Funktion als kaufmännischer Geschäftsführer und Veranstaltungsleiter die Verantwortung für die Spieltage des CFC und dessen Begleiterscheinungen, erklärte der 46-Jährige.

CFC wollte "Bollwerk gegen Rechtsradikalismus" sein

Der Klub hat seit Jahren Probleme mit gewaltbereiten Anhängern, lange Zeit zumindest zum Teil selbstverschuldet. Haller soll Anfang der 1990er-Jahre die Organisation „HooNaRa“ (Hooligans-Nazis-Rassisten) mitgegründet haben, die immer wieder mit Gewalttaten und Übergriffen auffiel. Dennoch leitete er bis 2006 den Ordnungsdienst im Stadion. Die Gruppierung löste sich 2007 auf, die Mitglieder blieben aber in der Szene aktiv.

Vor einem halben Jahr war deshalb auch der CFC in den Blickpunkt gerückt, als es in Chemnitz nach dem gewaltsamen Tod eines Mannes rechte Übergriffe und Demonstrationen gab. Der Klub hatte sich von den Ausschreitungen distanziert. Als der Berliner AK vor dem Auswärtsspiel in Chemnitz Sicherheitsbedenken geäußert hatte, erklärte der CFC: „Es ist unser Ziel, den Chemnitzer FC zum Bollwerk gegen Rechtsradikalismus auszubauen.“ Davon ist ein halbes Jahr später nichts mehr zu sehen. (dpa/Tsp)

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