Geisterspiele sind besser als keine Spiele : Warum der Fußball spielen will

Der Fußball lebt von dem, was auf dem Platz passiert. Nicht nur vom Geld. Insofern ist es nachzuvollziehen, dass die Bundesliga spielen will. Ein Kommentar.

Kleingruppen-Torwart. Manuel Neuer beim Training.
Kleingruppen-Torwart. Manuel Neuer beim Training.Foto: Philippe Ruiz/Imago

Was Manuel Neuer gemacht hat am Wochenende? Logisch, unser Noch-Nationaltorwart hat trotz seines Ausrasters nach einem krassen Fehler seiner Abwehr und der Roten Karte gegen Robert Lewandowski den Bayern noch das 2:1 bei Werder Bremen gerettet am Samstag. Der Meister kommt somit, so viel ist zwei Spieltag vor Saisonende klar, wieder aus München!

Natürlich hört man von dem Neuer zurzeit maximal, dass er happige Gehaltsvorstellungen hat, trotzdem aber einen neuen Vertrag bekommen soll, das hat Bayern-Präsident Herbert Hainer gesagt. Das mit dem Spiel bei Werder konnte sich nicht ereignen, der Spielbetrieb in der Fußball-Bundesliga muss ja in der Krise ruhen.

Aber von dieser Qualität sind im Normalfall die Geschichten, die die Bundesliga hinterlässt. Mal besser, mal schlechter, mal spannender und in jedem Fall aufbauender als die Aussichten, die uns die Bundesliga für diesen Wochenbeginn bietet. Diskussion um Coronavirus-Fälle beim 1. FC Köln und den nahenden Mittwoch, an dem wohl von politischer Seite über die Realisierbarkeit von Geisterspielen entschieden wird.   

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Wer nicht gesehen wird, existiert nicht. So simpel verhält sich das im vor allem medial stattfindenden professionellen Sport. Die Stars des Fußballs, die Klubs, sie sind eingefroren, sie finden maximal im Kleingruppentraining und ungesehen von Kameras und ihren Anhängern statt. Und daher ist der Wunsch vieler Fußball-Bundesligisten auf eine Fortführung des Spielbetriebs nur allzu verständlich.

Sicher, es geht um Fernsehgelder und damit die materielle Existenz – aber vor allem geht es um die Substanz des Profifußballs. Geisterspiele sind besser als keine Spiele. Ohne Präsenz sinkt das Interesse der Öffentlichkeit, verliert der Fußball immer mehr.

Es geht um Geschichten, um Streit, Freude und Diskussionen: der Fußball kann nur ordentlich existieren, wenn er den Stoff als Unterlage hat, der auf dem Platz passiert. Ohne seine Auftritte auf dem Rasen ist ein Manuel Neuer mit jedem Tag weniger interessant. Die Bundesliga momentan? Das sind ein paar reife Männer, die sich für Geisterspiele einsetzen und Mannschaftsärzte, die von Hygienekonzepten sprechen. Das ist unerträglich.

Insofern lässt sich sagen: Wenn in ein paar Wochen dann ohne Zuschauer gespielt werden kann, ist es auch gut. Sie wissen ja, was sie tun, die Herren von der Bundesliga. Und kennen alle Gegenargumente.

Was hat eigentlich Manuel Neuer am Wochenende gemacht?

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