Gian Piero Ventura : Italiens Nationalcoach beurlaubt

Einen Rücktritt hatte er verweigert, nun hat ihn der Verband entlassen: Gian Piero Ventura ist nicht mehr Nationaltrainer Italiens. Als Nachfolger wird Carlo Ancelotti gehandelt.

Drei Tage nach der verpassten WM-Qualifikation wurde Nationaltrainer Gian Piero Ventura beurlaubt.
Drei Tage nach der verpassten WM-Qualifikation wurde Nationaltrainer Gian Piero Ventura beurlaubt.Foto: Daniel Dal Zennaro/ANSA/AP/dpa

Nach dem Scheitern in der WM-Qualifikation hat der italienische Fußballverband Gian Piero Ventura als Trainer der Nationalmannschaft beurlaubt. Diese Entscheidung habe Verbands-Präsident Carlo Tavecchio am Mittwoch bei einem Krisentreffen bekanntgegeben, hieß es in einer Mitteilung. Dass Ventura nicht direkt nach dem Playoff-Rückspiel gegen Schweden am Montag, bei dem Italien erstmals seit 60 Jahren die Teilnahme an einer Weltmeisterschaft verpasste, zurückgetreten war, hatte Kritik und Unverständnis hervorgerufen.

Unterdessen werden die Rufe nach Carlo Ancelotti lauter. Nach dem WM-Debakel gilt der Ex-Bayern-Trainer offensichtlich als Wunschlösung für den Neuanfang bei der so tief gestürzten Squadra Azzurra. „Nach dem Desaster hat der Wunsch aller für die Trainerbank der Nazionale einen Vor- und Nachnamen: Carlo Ancelotti“, schrieb die „Gazzetta dello Sport“ am Mittwoch. Die Nachfolge-Diskussion ist zwei Tage nach der Schmach von San Siro längst im Gange.

Durch das 0:0 im Playoff-Rückspiel gegen Schweden hatte der viermalige Fußball-Weltmeister erstmals seit 60 Jahren wieder eine WM-Endrunde verpasst. Als Hauptschuldiger war Ventura ausgemacht worden, einen Rücktritt hatte der Coach aber zunächst abgelehnt.

Auch Verbandspräsident Tavecchio steht in der Schusslinie, scheint sich aber an seinen Posten zu klammern. Laut „Gazzetta dello Sport“ wäre ein Wechsel in der Führungsspitze des Verbands aber eine Bedingung für Ancelotti zu einem Engagement als Nationaltrainer. Es gibt aber auch Spekulationen, dass der Erfolgstrainer in England trainieren will. Die Londoner Clubs FC Chelsea und FC Arsenal sind im Gespräch.

Eigentlich wollte Ancelotti eine Auszeit nehmen

Eigentlich hatte Ancelotti nach seinem Aus bei den Bayern Ende September angekündigt, sich eine Auszeit zu nehmen. Dass der Chefposten bei der Nationalelf so schnell frei wird, hätte der 58-Jährige auch kaum vermutet. Mit Ancelotti hätte die italienische Auswahl jedenfalls wieder einen namhaften Trainer, der reihenweise Erfolge vorweisen kann. Allein die Champions League gewann er dreimal, dazu holte er Meisterschaftstitel in Italien, England, Frankreich und Deutschland.

Neben Ancelotti steht unter anderem auch Venturas Vorgänger Antonio Conte im Gespräch. Nach dem Titelgewinn mit dem FC Chelsea geriet der Italiener zuletzt ein wenig in die Kritik. Gehandelt werden auch Roberto Mancini (Zenit St. Petersburg) und Claudio Ranieri (Nantes) als mögliche Kandidaten.

Ex-Nationaltrainer Ventura hatte das Ergebnis am Montag als „zentnerschwer“ bezeichnet und mit der Aussage „Ich bin stolz, Teil der azurblauen Truppe gewesen zu sein“ Verwirrung gestiftet. Später verneinte er, zurückgetreten zu sein, „weil ich noch nicht mit dem Präsidenten gesprochen habe“.

Gibt es im Sommer ein Mini-Turnier der WM-Frustrierten?

Nach dem bitteren Scheitern steht Italiens Fußball-Welt unter Schock. Größen wie Torwartlegende Gianluigi Buffon und Teamkollegen Daniele De Rossi und Andrea Barzagli hatten nach dem Spiel am Montag das Ende ihrer Nationalmannschaftskarrieren angekündigt. Der untröstliche Buffon hatte das Fehlen bei der WM als „Katastrophe“ bezeichnet.

Womöglich warten im Sommer aber doch noch einige reizvolle Spiele für Italien. Nach Informationen des US-Fernsehsenders ESPN prüft der amerikanische Fußball-Verband die Möglichkeit eines Mini-Turniers oder einer Länderspielserie der WM-Frustrierten. Daran könnten neben Italien auch die für die WM nicht qualifizierten Top-Teams Niederlande, Chile, Ghana und die USA als Gastgeber teilnehmen. Die Spiele könnten demnach kurz vor dem Beginn der WM in Russland (14. Juni bis 15. Juli) ausgetragen werden. (Tsp, mit dpa)

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