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Gladbach verspielt die Tabellenführung : Borussia Mönchengladbach und der Ort des Schreckens

Wie in der Europa League verliert Borussia Mönchengladbach auch beim VfL Wolfsburg durch ein spätes Tor mit 1:2 - und ist damit auch die Tabellenführung los.

Wolfsburgs Jerome Roussillon (li.) im Zweikampf mit Stefan Lainer.
Wolfsburgs Jerome Roussillon (li.) im Zweikampf mit Stefan Lainer.Foto: imago images/Joachim Sielski

Yann Sommer kam seinen Pflichten als Kapitän auf vorbildliche Weise nach. Nach dem Schlusspfiff schritt er von Mitspieler zu Mitspieler, um jeden einzelnen abzuklatschen. Wobei: Von Klatschen konnte eigentlich keine Rede sein, es handelte sich eher um ein Schlagen. Yann Sommer war wütend: wütend auf den Schiedsrichter, wütend auf die Leistung seiner Mannschaft – und wütend auf die Gesamtsituation. „Es war eine schwierige Woche für uns“, sagte der Torhüter von Borussia Mönchengladbach.

Erst das Aus in der Europa League durch ein Gegentor in der Nachspielzeit, dann, nur drei Tage später, der Verlust der Tabellenführung in der Fußball-Bundesliga – durch ein Gegentor in der Nachspielzeit. Das Schicksal hat es in dieser Saison oft gut gemeint mit den Gladbachern. „Jetzt spricht das Glück gerade ein bisschen gegen uns“, sagte Mittelfeldspieler Jonas Hofmann, nachdem Maximilian Arnold kurz vor Schluss mit einem Schuss von der Strafraumgrenze zum 2:1 (1:1)-Endstand für den VfL Wolfsburg getroffen hatte. „Das sind zwei Niederlagen, die weh tun“, sagte Sommer.

So unglücklich das 1:2 gegen den VfL durch das späte Gegentor auch zustandegekommen war, an der Berechtigung des Wolfsburger Siegs bestand kein Zweifel. „Wir waren von Anfang an nicht so richtig auf dem Sender“, sagte Hofmann. „Manchmal hatte man das Gefühl, wir wären in Unterzahl.“ Das lag ganz sicher am robusten Auftritt der Wolfsburger, möglicherweise aber auch an der Arena, die für die Gladbacher traditionell ein Ort des Schreckens ist. Der VfL Wolfsburg ist für sie neben dem SC Freiburg der letzte verbliebene Angstgegner aus den düsteren Nullerjahren. An keinem Standort muss die Borussia länger auf einen Sieg warten, 16 Jahre inzwischen. Von 20 Begegnungen in der VfL-Arena hat sie nun 15 verloren.

Gladbach stand zehn Wochen an der Tabellenspitze

Am Sonntag fing für die Gäste alles so an wie – fast – immer. Nach knapp fünf Minuten traf Wolfsburgs Linksaußen Joao Victor den Pfosten, nach einer Viertelstunde führten die Wolfsburger 1:0. Dass beim Torschuss von Xaver Schlager ein Wolfsburger im Blickfeld von Torhüter Sommer mit dem Fuß knapp im Abseits gestanden hatte, war dem Videoassistenten in Köln entgangen. „Das kommentier‘ ich nicht“, sagte Borussias Trainer Marco Rose.

Die Gladbacher haben bereits neun Punkte geholt, nachdem sie in Rückstand geraten waren. Auch in Wolfsburg erwiesen sie sich als reaktionsstark. Nur eine Minute nach dem Rückstand gelang ihnen der Ausgleich. Nach einer Flanke von Alassane Plea kam Breel Embolo unbedrängt am langen Pfosten zum Abschluss. Der Schweizer nahm den Ball mit links aus der Luft und jagte ihn zum Ausgleich ins Netz.

Es war die einzige gut herausgespielte Offensivaktion der Gäste in der ersten Hälfte, in der zweiten kam noch eine hinzu, als Marcus Thuram an Torhüter Koen Casteels scheiterte. Die Bemühungen, stringent nach vorne zu spielen, „sind immer irgendwie verpufft“, klagte Jonas Hofmann. Der VfL hatte deutlich mehr Chancen, traf durch Außenverteidiger Kevin Mbabu unter anderem ein weiteres Mal den Pfosten. Und so endete am Sonntag für die Gladbacher nach zehn Wochen die Zeit an der Tabellenspitze. „Für uns ist das eine Nebensache“, sagte Hofmann. „Aber natürlich hätten wir sie gerne verteidigt.“

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