Gold, Silber, Bronze : Deutsche Kombinierer räumen alles ab

Historischer Triumph beim zweiten Einzelwettbewerb in der Nordischen Kombination: Johannes Rydzek wird Olympiasieger, Fabian Rießle und Eric Frenzel freuen sich über Silber und Bronze.

Hände hoch, Mund auf. Johannes Rydzek jubelt am lautesten, hinter ihm fährt Fabian Rießle als Zweiter über den Zielstrich und ganz rechts komplettiert Eric Frenzel den deutschen Dreifachsieg.
Hände hoch, Mund auf. Johannes Rydzek jubelt am lautesten, hinter ihm fährt Fabian Rießle als Zweiter über den Zielstrich und ganz...Foto: J. Nackstrand/AFP

Am Ende konnte Johannes Rydzek nur noch von seinen eigenen Teamkollegen gefährdet werden. Eine durchaus reale Bedrohung, wie sich vor vier Jahren in Sotschi gezeigt hatte. Auch damals liefen drei deutsche Kombinierer in der Einzelentscheidung kurz vor dem Ziel in einer Spitzengruppe um die Medaillen, doch dann holte Fabian Rießle seinen Landsmann Rydzek ziemlich unsanft in einer Kehre von den Beinen und vermasselte der Mannschaft die Chance auf ein historisches Ergebnis. In Pyeongchang hat Deutschland nun nachgeholt, was schon 2014 möglich gewesen wäre: Rydzek, Rießle und Eric Frenzel belegten am Dienstag nach dem Springen von der Großschanze und dem anschließenden Zehn-Kilometer-Langlauf die Plätze eins bis drei. „Auf den letzten Metern habe ich gar nichts gedacht, ich habe einfach alles reingelegt, was ich hatte. Es war ein unglaublicher Tag für uns“, sagte Rydzek nach seinem Erfolg.

Drei Deutsche ganz vorn in der Nordischen Kombination – das hatte es 1976 schon einmal gegeben. In Innsbruck holten damals Ulrich Wehling und Konrad Winkler Gold und Bronze für die DDR, Silber ging an die BRD mit Urban Hettich. Zwischen 1960 und 1980 hatten die Deutschen aus Ost und West nur einmal nicht den Olympiasieger in der Königsdisziplin des nordischen Skisports gestellt – seinerzeit gab es allerdings nur einen Wettbewerb, der nach einer äußerst komplizierten Punkteformel durchgeführt wurde.

Inzwischen ist der Modus deutlich nachvollziehbarer und die Athleten haben bei Olympia gleich zwei Chancen auf Einzelmedaillen. Trotzdem drohte Johannes Rydzek dabei erneut zur tragischen Figur zu werden. Bei den vergangenen beiden Weltmeisterschaften hatte er in acht Rennen allein oder mit der Mannschaft immer eine Medaille geholt, sechsmal reichte es sogar zu Gold. 2017 gelang ihm in Lahti das Kunststück, alle vier WM-Titel einzuheimsen. Das brachte ihm die Wahl zum deutschen Sportler des Jahres ein.

Vor vier Jahren hatten sich die Deutschen im Zielsprint noch gegenseitig behindert

Bei Olympia allerdings hatte Rydzek bisher nur im Team Silber und Bronze gewonnen, mit der Einzelmedaille wollte es einfach nicht klappen. Vor einer Woche belegte er beim Sieg Eric Frenzels im Wettkampf von der Normalschanze einen „coolen fünften Platz“, wie er selbst sagte. Noch cooler war jetzt aber der Olympiasieg, und diesmal hatte Rydzek zunächst nicht nur einen soliden, sondern einen richtigen guten Sprung hingelegt. Als Fünfter ging der 26-jährige Oberstdorfer in die Loipe, eingerahmt von den Kollegen Frenzel (Vierter) und Rießle (Sechster). Gemeinsam machten sie sich in der Loipe auf die Verfolgung des Japaners Akito Watabe, die halbe Minute war schnell wettgemacht.

Am letzten Anstieg vor dem Ziel attackierten die Deutschen dann aus einer Sechsergruppe heraus. Watabe und der Österreicher Wilhelm Denifl konnten nicht mehr folgen, einzig Jarl Magnus Riiber aus Norwegen hielt noch den Anschluss. Wirklich gefährlich wurde er dem deutschen Trio aber nicht mehr. Und als Rydzek, Rießle und Frenzel auch die letzte Kurve unfallfrei gemeistert hatten, wurde der Traum vom Dreifachsieg immer greifbarer. Am Ende siegte Rydzek souverän, genauso sicher wie Rießle und Frenzel auf den Plätzen folgten. Im Ziel fielen sich die drei Deutschen in die Arme, endgültig vergessen war der Ärger vom Rennen von vor vier Jahren. „Das macht uns stolz. Die Mannschaft ist wieder zusammengewachsen und dadurch ist so etwas Großes zustande gekommen“, sagte Bundestrainer Hermann Weinbuch.

Und die Chancen, dass es in Pyeongchang für die deutschen Kombinierer großartig weitergeht, stehen nicht schlecht. Zumindest die Favoritenrolle für die Teamentscheidung am Donnerstag dürfte komplett unstrittig sein.

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