Handball-Bundesliga : SG Flensburg-Handewitt: Der unterschätzte Meister

17 Siege in Serie hat der Titelverteidiger aus dem hohen Norden in der Handball-Bundesliga gefeiert. Dabei wird den Flensburgern nicht viel zugetraut.

Christopher Stolz
Er kann es noch immer. Holger Glandorf steht mit seinen Flensburgern ganz oben.
Er kann es noch immer. Holger Glandorf steht mit seinen Flensburgern ganz oben.Foto: imago/Zink

Im Frühjahr dieses Jahres sahen die Mannheimer Rhein-Neckar Löwen wie die sichereren Meister der Handball-Bundesliga aus. Erst recht, als der ärgste Verfolger, die SG Flensburg-Handewitt, beim SC Magdeburg verlor. Nur wollten die Flensburger in der Liga danach nicht mehr verlieren - und die Löwen wurden nervös. Das Ende vom Lied ist bekannt: Die Norddeutschen holten, angetrieben von Vereinslegenden wie Thomas Mogensen und Jacob Heinl oder Torwart-Ikone Mattias Andersson, noch den Titel.

Diese unbedingte Lust auf den Titel erklärten sich Experten unter anderem damit, dass schon feststand, dass neben Mogensen, Heinl und Andersson auch Star Toft Hansen den Verein verlassen wird. Und eben jene Experten trauten den Flensburgern nach dem Umbruch auch nicht zu, in den diesjährigen Titelkampf eingreifen zu können. Neben Johannes Golla verpflichtete die SG mit Göran Johannessen, Magnus Jöndal und Torbjörn Bergerud fast ausschließlich Spieler, die kein Deutsch sprechen - also kam die Sprachbarriere erschwerend hinzu. Und da der THW Kiel und Vizemeister Mannheim ihre Leistungsträger fast alle halten konnten, sollte der Titel nur über diese beiden Vereine gehen. Dachten alle. Auch die Füchse Berlin und der SC Magdeburg galten noch als Favoriten.

Flensburg-Handewitt stellt Startrekord ein

In keiner deutschen Eliteliga wurde dem Meister weniger zugetraut als in der Handball-Bundesliga. Bayern München steht bei den Buchmachern der Fußball-Bundesliga ganz oben, ebenso wie der kleine Bruder in der Basketball-Bundesliga. Der EHC Red Bull München strauchelt zwar derzeit durch die Deutsche Eishockey-Liga, Chancen hat der dritte Münchener Titelaspiranten aber dennoch. Selten genannt wurde hingegen der Name des deutschen Handball-Meisters. Wie falsch auch Experten liegen können, zeigt eben dieser Meister nun.

Ein Team. Die SG Flensburg-Handewitt hat noch keinen Punkt abgegeben.
Ein Team. Die SG Flensburg-Handewitt hat noch keinen Punkt abgegeben.Foto: imago/Zink

Flensburg-Handewitt hat nicht nur die ersten neun Bundesliga-Spiele schon wieder gewonnen und damit den vereinseigenen Startrekord eingestellt, sondern auch große Teams wie Kiel und Berlin geschlagen. 17 Bundesliga-Spiele in Serie haben die Norddeutschen damit schon gewonnen - alle seit jener Niederlage am 22. März in Magdeburg. Kein anderes Team ist bislang ungeschlagen, neben Neuzugang Golla überzeugt vor allem Holger Glandorf, Weltmeister von 2007.

Allerdings könnte dem Meister schon ein Patzer die Tabellenführung kosten: Die Löwen mit einem Verlustpunkt und der SC Magdeburg mit zwei Verlustpunkten warten dahinter. Darüber müssen sich die Flensburger allerdings noch keine Gedanken machen. Ebenso wenig über den Liga-Rekord für die meisten Siege in Folge. Den stellte der THW Kiel zwischen Mai 2011 und September 2012 auf - mit 40 Siegen in Serie.

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