Sport : Ich bin Analogiker

Stefan Hermanns

Es dürfte sich inzwischen weitgehend herumgesprochen haben, dass Schalke 04 in dieser Saison nicht Deutscher Meister wird, auch wenn die ganze Diskussion nicht frei von Verlogenheit ist. Da hat Schalke gerade eine scheinbar endlose Serie ohne Niederlage hinter sich gebracht, verliert mal wieder – und schon bricht eine Grundsatzdebatte über Schalkes generelle Untauglichkeit zum Meisterwerden aus. Etwas mehr Sachlichkeit, bitte! Natürlich wird Schalke nicht Deutscher Meister. Aber das hat nichts mit Gefühlsduselei zu tun, sondern ist quasi wissenschaftlich zu belegen. Der letzte Spieltag dieser Saison ist für den 19. Mai terminiert. Schon die Erwähnung dieses Datums löst bei jedem Schalker Fan ein heftiges Schaudern aus. An einem 19. Mai war Schalke zum letzten Mal Deutscher Meister, 2001, für viereinhalb Minuten.

Ich glaube nicht an den Fußballgott, ich glaube an Analogien im Fußball. Ich bin ein Analogiker. Deutschland ist 1990 in Italien Weltmeister geworden, der Gastgeber belegte Platz drei. Italien ist 2006 in Deutschland Weltmeister geworden, der Gastgeber belegte – Platz drei. Jupp Heynckes schied 1987, am 22. April, mit Borussia Mönchengladbach im Halbfinale des Uefa-Cups aus, durch ein 0:2 gegen Dundee United. Auf den Tag genau zehn Jahre später stand Heynckes wieder im Halbfinale des Uefa-Cups, mit Teneriffa spielte er gegen Schalke. Wieder schied er aus. Das Ergebnis? 0:2.

Für Analogiker ist der Fußball zumindest in Maßen berechenbar. Deutschland wird 2010, analog zu 1974, Weltmeister, daran besteht kein Zweifel. 1966 war Deutschland Zweiter, 1970 Dritter, 1974 endlich Weltmeister. 2002 war Deutschland Zweiter, 2006 Dritter. Noch Fragen?

schreibt an dieser Stelle im Wechsel mit Philipp Köster.

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