Kolumne: So läuft es : Der Lauf zum Atmen

Es ist so einfach und gelingt doch nicht immer: Das Atmen. Unser Kolumnist verrät seine Strategie, um Blockaden einfach wegzuatmen.

Das Laufen soll eigentlich viele von uns durchatmen lassen. Manchmal will genau das einfach nicht gelingen.
Das Laufen soll eigentlich viele von uns durchatmen lassen. Manchmal will genau das einfach nicht gelingen.Foto: Silas Stein/dpa

Natürlich könnte ich jede Woche eine Kolumne darüber schreiben, warum es Sinn macht, zu laufen. Und wie wunderbar dieser Sport für unseren Körper ist. Ist er auch, gar keine Frage. In diesen Tagen wird mir jedoch mehr und mehr bewusst, dass etwas im Zentrum meiner Lauferei steht, das so banal erscheint. Das im Grunde so klar ist, und es doch so oft gar nicht ist. Atmen! Läufer müssen atmen. Ach was, werden Sie sagen. Das ist ja neu. Nicht! Lassen Sie mich das, was ich damit meine, kurz erklären.

Wenn meine Akkus leer sind, wenn mein Kopf explodiert, dann zieht es mich regelmäßig nach Fehmarn. Die Insel ist vor allen Dingen eines: sehr klar. Kein Chichi, die Menschen sind einfach und gerade, die Natur ist ohne Schnörkel und wunderschön. Die Laufwege sind so wie die Menschen, das genieße ich sehr. Oft vergesse ich im Alltag beim Laufen zu atmen. Weil während all der Kilometer so viele Gedanken dafür sorgen, dass ich manchmal die Luft anhalte.

Es fällt mir erst dann auf, wenn ich keine Luft mehr bekomme. Im Alltag müssen wir alle viel zu oft die Luft anhalten. Das Laufen soll eigentlich viele von uns durchatmen lassen. Manchmal will genau das einfach nicht gelingen, kennen Sie das? Für mich bedeutet das: Raus aus dem Alltag! Raus aus dem Laufalltag! Man könnte sich auf die Grundregeln des Atmens beim Laufen besinnen, wie etwa: Tiefe Bauchatmung ist der Schlüssel für mehr Luft und Sauerstoff. Oder: Durch Mund und Nase atmen, in gleichmäßigen Rhythmus kommen, tief und kräftig zu atmen, so läuft es.

Sturm über der Insel

Alles gut und schön, kann man machen. Während der Sturm über die Insel bläst, während ich über den Deich laufe, mir die Luft durch den Körper fährt, bleibe ich stehen. Und hole tief Luft. Wie ich das mache, ist gar nicht wichtig. Es ist nicht wichtig, ob ich durch Mund oder Nase atme. Wichtig ist, dass ich atme! Es ist ein tiefes Luftholen, mit allen Sinnen. Mehrmals. So oft es geht. Ohne auf die Uhr zu sehen. Dann laufe ich weiter und hole auf die selbe Art und Weise Luft. Tief, ohne auf das Wie zu achten. Vielleicht nennt man es loslassen. Ohne zu kontrollieren, ohne zu denken.

Und plötzlich verschwinden die Gedanken, ich vergesse das Atmen nicht weiter, es ist nur noch der Sturm, mein Atem und das Atmen, und der Rhythmus. Am ersten Tag läuft das noch sehr holprig. Weil sich mein Körper wieder ans Atmen gewöhnen muss. Jeder neue Lauftag im Sturm bringt mehr Tiefe, mehr ehrliche Luft in meine Lungen. Der chinesische Philosoph Zhuangzi hat einmal gesagt: "Das Bewusstsein der Geschöpfe ist durch das Atemholen beding". So läuft es.

- Mike Kleiß leitet eine Kommunikations- und Markenagentur in Köln und schreibt hier an jedem Donnerstag übers Laufen.

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