Marc Marquez triumphiert auf dem Sachsenring : Warum der deutsche Motorrad-Nachwuchs hinterherfährt

Die deutschen Piloten spielen beim Heimrennen auf dem Sachsenring wieder nur eine Nebenrolle. Eine neue Rennserie soll den Nachwuchs besser fördern.

An der Spitze: Marc Marquez (vorne) holt sich auf dem Sachsenring den zehnten Sieg in Folge.
An der Spitze: Marc Marquez (vorne) holt sich auf dem Sachsenring den zehnten Sieg in Folge.Foto: Tobias Schwarz/AFP

Als Motorrad-Weltmeister Marc Marquez am Sonntag als Sieger die Ziellinie des Sachsenrings überquert hatte, stellte er seine Honda vor einer der ersten Tribünen ab und nahm ein Bad in der Menge. In der feiernden Menschentraube verspritzte er bereits die erste Flasche Champagner und feierte die „Décima“: Zehn Siege auf dem Sachsenring in Serie, dazu zehn erste Startplätze. „Natürlich ist das für mich bewegend. Ich habe hier wirklich etwas Besonderes geleistet“, sagte der 26 Jahre alte Spanier nach dem Rennen.

Unter den deutschen Fahrern sorgte einzig Marcel Schrötter mit einem dritten Platz für einen Lichtblick. Der 26-jährige Bayer ist damit aktuell so etwas wie das Aushängeschild der deutschen Motorrad-Piloten, in der Gesamtwertung liegt er nun auf Rang sechs. „Ich hätte gern noch mehr geholt“, sagte Schrötter etwas unzufrieden. MotoGP-Ersatzfahrer Stefan Bradl gelang immerhin die Fahrt auf den zehnten Rang. Jonas Folger und Lukas Tulovic kamen in der Moto2 nicht in die Punkte, Wildcard-Starter Dirk Geiger wurde in der Moto3 Vorletzter.

Den letzten deutschen Sieg am Sachsenring feierte der damalige Moto3-Pilot Sandro Cortese in seiner Titelsaison 2012. Im selben Jahr etablierte sich Philipp Öttl zugleich als letzter deutscher Stammfahrer in der Motorrad-WM. Nachrücker sind bislang nicht in Sicht. Nur drei Deutsche absolvieren 2019 die gesamte Saison, alle in der Mittelklasse. Italien und Spanien stellen zusammen über 40 Fahrer in den drei Klassen.

Viel hängt mit der Nachwuchsarbeit zusammen. Die spanische Junioren-Meisterschaft hat sich zu einer Art Europameisterschaft entwickelt. Denn hier werden konsequent Motorräder eingesetzt, die technisch nah an den Moto3-Einstiegsmaschinen sind. „Junge Fahrer müssen Erfahrungen mit Grand-Prix-Maschinen machen“, findet auch Altstar Valentino Rossi. Diese Einsicht scheint nun auch Deutschland erreicht zu haben. Ab 2020 ersetzt der Northern Talent Cup den erfolglosen Rookies Cup. Dafür werden eigens Zweiräder entwickelt, die den Moto3-Maschinen ähneln. Teilnehmen sollen Fahrer im Alter von 12 bis 17 Jahren aus Mitteleuropa.

Marcel Schrötter findet die Idee richtig. Die Umstellung allein wird seiner Meinung nach jedoch nicht helfen: „Wo sollen denn in Deutschland Kinder ab sechs Jahren erste Erfahrungen sammeln?“, fragt Schrötter, der in Spanien lebt und trainiert. „In meiner bayerischen Heimat gibt es zwei Outdoor-Kartbahnen, mittlerweile darf man nur auf einer mit Zweirädern fahren.“ Zudem gebe es immer mehr Strecken, die wegen Lärmbelästigung schließen müssten. In Deutschland sei alles zu kompliziert und zudem auf den Auto-Rennsport ausgerichtet. „In Spanien habe ich innerhalb von 80 Kilometern zehn Strecken.“ Auch Stefan Bradl meint, man müsse „in die Basis investieren“, um etwas zu bewegen.

Das größte Hindernis auf dem Weg zu einem Sieg in der Königsklasse wird jungen Fahrern jedoch noch einige Zeit erhalten bleiben: Sachsenring-Sieger Marquez hat nicht vor, seine Karriere früh zu beenden: „Rennfahren ist wie eine Sucht. Warum sollte ich nicht auch noch mit 40 Jahren fahren?“

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