Max Kepler in Berlin-Kreuzberg : Ein Sportstar zum Anfassen

Berlins aktuell größter sportlicher Exportschlager besucht seine Heimatstadt - und lässt dabei viele Kinderherzen höher schlagen. Ein Ortstermin.

Mittendrin und voll dabei. Max Kepler (unter dem "V" von Braves) schaut mal wieder in Berlin vorbei.
Mittendrin und voll dabei. Max Kepler (unter dem "V" von Braves) schaut mal wieder in Berlin vorbei.Foto: Leopold

Der Star kommt standesgemäß in einer schwarzen Limousine vorgefahren. In der Kreuzberger Wassertorstraße wird es laut in der Menge. Viele Kinder und manch Erwachsener sind am Sonntagnachmittag zur Geschäftsstelle der Berlin Braves gekommen, um Maximilian Kepler-Rozycki zu feiern und ihm einmal persönlich zu begegnen.

Kepler ist Berlins aktuell größter sportlicher Exportschlager, in der Major League Baseball (MLB) unterschrieb der 26-Jährige vor der vergangenen Saison einen Vertrag über 35 Millionen US-Dollar. Trotzdem ist er in Deutschland weitgehend unbekannt, auch in Berlin kann er sich ganz anders als in den USA noch unerkannt durch die Stadt bewegen.

Der junge Max Kepler war ein Naturtalent

Wenn er denn in seiner Heimatstadt ist und nicht bewegt wird wie am Sonntag. Da übernimmt das ein Chauffeur im Auftrag der MLB, das Timing allerdings passt nicht ganz. Der kleine Tross kommt fast 25 Minuten später als geplant.

Als Kepler dann da ist, verteilt er „High-Fives“ hier und umarmt alte Weggefährten da. Und immer wieder beugt er sich hinab zu den Kleinsten, sagt vielen persönlich „Hallo“. Mit „Max Keplers Homecoming“ haben die Braves die Veranstaltung betitelt – und das trifft es ziemlich gut. Turnschuhe hat er angelegt, trägt dazu Jogginghose, Hoodie und auf dem Kopf ein Army-Cap verkehrt herum. Kepler kommt nicht nur äußerlich locker daher, er ist es auch.

Vor dem Büro der Organisatoren wird ein gemeinsames Foto gemacht, mit allen die gekommen sind. Kepler überragt mit seinen 1,93 Meter die meisten. Dennoch sieht es so aus, als würde er dazugehören. Auf dem Balkon im ersten Stock schaut eine Frau nach unten und will wissen, was los ist. So richtig klar wird es ihr nicht, Kepler steht so, dass er für sie nicht sichtbar ist. Ob sie ihn überhaupt erkannt hätte? Egal, die Frau winkt den Leuten fröhlich zu. Wenn schon ausgelassen, dann gern alle.

Dann beginnt der Teil, auf den viele Kinder schon mehr als eine Stunde gewartet haben. In Gruppen dürfen sie nun zu ihrem Idol. Das ist er, weil fast alle, die gekommen sind, selbst Baseball spielen und womöglich davon träumen, es auch einmal so weit zu bringen wie der Sohn einer US-Amerikanerin und eines Polen.

Kepler muss erzählen, wie er zum Sport gekommen ist. Wie er in den Sommerferien früher in die Staaten fuhr und dort Baseball kennen lernte, auch weil sein Großvater ihm immer davon vorschwärmte. Der junge Maximilian war ein Naturtalent, vielleicht wäre er auch ein guter Fußballer oder Leichtathlet geworden. Doch irgendwann musste er sich entscheiden.

Als 12-Jähriger sei er immer mit seinem kleinen Hund zum Training gekommen, erzählt Enorbel Marquez-Ramirez. Der deutsche Nationalspieler kubanischer Herkunft kennt Kepler von Kindesbeinen an. Schon damals sei ihm aufgefallen, mit welcher Hartnäckigkeit der schüchterne Junge arbeitete – und jeden Tag wiederkam.

Sein Talent blieb den MLB-Scouts nicht lange verborgen, mit 16 unterzeichnete Kepler den seinerzeit höchstdotierten Ausbildungsvertrag für einen Spieler aus Europa. 800.000 Dollar gut investiertes Geld, denn bei den Twins ist er zehn Jahre später zum absoluten Leistungsträger aufgestiegen.

Kepler ist der beste Baseball-Profi Europas – das will die MLB nutzen

Die MLB hat die Strahlkraft von Kepler erkannt, in den USA und auch im Europa-Büro von London nennen sie den Deutschen der Einfachheit halber Max und verzichten auf den zweiten Zunamen. Kepler ist der beste europäische Spieler und da die US-Liga auf dem alten Kontinent gern Fuß fassen will, kommt so ein Star „Made in Germany“ wie gerufen. Deshalb tourt Kepler seit Donnerstag in sechs Tagen durch fünf Städte: London, München, Regensburg, Berlin und schließlich auch noch Frankfurt, wo er am Dienstagabend die deutschen Fußballer unterstützen will.

Den Fußball, seine zweite große Liebe, verfolgt er auch in den USA mit regem Interesse. Dabei hält er es immer noch mit Hertha BSC, schließlich besuchte er einst mit John-Anthony Brooks die John-F.-Kennedy-Schule in Zehlendorf. Aber, so erzählt Kepler, dass es der 1. FC Union auch in die Bundesliga geschafft habe, finde er trotzdem gut.

Viele Fragen werden an diesem Nachmittag auf Englisch gestellt, die Sprache geht dem Berliner auch flüssiger über die Lippen. Aber auch sein Deutsch wird immer wieder gefordert.

Wie er es denn schaffe, im Außenfeld die Konzentration zu halten, schließlich fliegen ja nicht ständig Bälle in seine Richtung, wird er von einem der Jungen gefragt. Kepler erklärt, dass das schon ein Problem sei, aber nicht mehr in der MLB. Wenn man dort bei einem Spiel auf dem Feld stehe, fließe so viel Adrenalin, dass er immer fokussiert bleibe.

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Kepler gibt viele weitere Antworten, er schreibt Autogramme und steht für Fotos zu Verfügung. Die Kinder kommen auf ihre Kosten, zumal der Star auch in der vierten Runde noch nicht müde ist. Früher wollte er allen immer etwas beweisen und dadurch vielleicht zu viel.

Jetzt sei er entspannter und versuche, einfach nur er selbst zu sein auf dem Platz. Manchmal ist ein Leistungssprung wie seiner schon ziemlich einfach zu erklären. Immer wieder spricht Kepler von „Spaß und harter Arbeit“. Anders könne man sich in der besten Liga der Welt in einer derart komplizierten Sportart wie Baseball nicht behaupten.

Nach Berlin will Kepler im nächsten Jahr wiederkommen

Nach den Kindern kommen auch die Erwachsenen dran. Einer hat etwas ganz Besonderes dabei. Ein großes, von ihm selbst gemaltes Kepler-Porträt. Wirklich gut getroffen sei er, sagt der Star – und das nicht aus reiner Höflichkeit, sondern echter Anerkennung. Später signiert er das Bild, vielleicht kann es ja für einen guten Zweck versteigert werden. „Oder du kaufst es gleich selbst“, sagt der Künstler – und alle lachen.

Die Stimmung könnte jetzt kaum gelöster sein. Kepler steht für Selfies bereit und tauscht sich mit allen aus. Die Wangen sind gerötet, der Nachmittag ist anstrengend, zumal Berlin ja schon die vierte Station auf seiner Europa-Tour ist. Am Montag geht es noch ein bisschen weiter, zur alten Schule und dem alten Verein. Ein Sponsorentermin ist auch noch dabei.

Max Kepler nimmt sich gern Zeit für die Kleinsten.
Max Kepler nimmt sich gern Zeit für die Kleinsten.Foto: Leopold

Gut, dass Kepler nach dem Saisonende Anfang Oktober schon Urlaub hatte. Auf Mauritius und in Südafrika sei er gewesen, jetzt müsse er aber so langsam wieder an seiner körperlichen Fitness arbeiten. Die reguläre Saison in der MLB endete für ihn mit einer Rückenverletzung, aber die sei auskuriert.

Im nächsten Jahr wolle er wiederkommen, verspricht er. Dann müssten es nicht unbedingt fünf Städte in sechs Tagen sein. Er würde gern an einem Ort für ein Wochenende ein Camp veranstalten, dabei ein paar Tipps geben. Die MLB scheint das schon beschlossen zu haben. Kepler zieht, wenn auch noch in kleinem Rahmen.

An diesem Sonntag bei den Berlin Braves in der Wassertorstraße hat er jedenfalls so manchen jungen Baseball-Fan glücklich gemacht – und auch ein bisschen sich selbst. Ein letztes Mal schüttelt Kepler Hände, dann muss er los. Die Limousine wartet und danach der nächste Termin.

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