Mündige Sportler gesucht : Macht es wie Magdalena Neuner!

Olympiasiegerin Magdalena Neuner kam sich vor wie eine Marionette. Dabei sollten Sportler genau das nicht sein – und ihre Meinung frei äußern. Ein Kommentar.

Klare Kante. Magdalena Neuner will, das die Sportler bei Olympia mehr im Vordergrund stehen.
Klare Kante. Magdalena Neuner will, das die Sportler bei Olympia mehr im Vordergrund stehen.Foto: Angelika Warmuth/dpa

Sie darf das. Magdalena Neuner ist schon so lange nicht mehr als Aktive unterwegs, dass sie ordentlich gegen die Verbände austeilen und die Strukturen der vermeintlichen heilen Sportwelt in Frage stellen kann. Im Prinzip hat die frühere Biathletin auch schon während ihrer Karriere immer ihr eigenes Ding durchgezogen. Ihr das bayerische Mundwerk verbieten? Kam gar nicht in die Tüte!

So hat sie ihre einmalige Laufbahn für die meisten viel zu früh beendet, um sich selbst treu zu bleiben. Und um sich nicht weiter einem Leben auszusetzen, von dem sie zwar eigentlich immer geträumt hatte, das in der Realität aber so gar nicht traumhaft war. Wenn man der ehemaligen Biathletin heute zuhört, muss es manchmal sogar eine echte Qual für die so quirlige Athletin gewesen sein.

Politische Gesten sind nicht erlaubt

„Im Endeffekt bist du irgendwie auch eine Marionette, die funktionieren muss“, hat sie jetzt gesagt. Weil Verbände vorgeben, was Sportler zu tun und zu lassen haben. Weil die Athleten nach den Vorgaben funktionieren müssen. Weil ihnen selbst kaum Freiheiten bleiben.

Neuner hatte davon spätestens nach den Olympischen Winterspiele 2010 in Vancouver genug, wo sich Funktionäre zwar gerne mit in ihrem Ruhm sonnten, ihre Familie aber teilweise nicht in ihre Nähe durfte. „Man muss schon hinterfragen, ob man nicht den Sportlern einfach ein bisschen mehr Genuss lassen sollte“, sagt sie.

Man möchte sich gar nicht vorstellen, wie eingeengt sich Olympiasiegerin Neuner heute fühlen würde. Denn zehn Jahre später sind sind die Regeln noch strenger geworden – und zwar nicht nur was die Freizeitgestaltung angeht. Politische Gesten, Zeichen oder Äußerungen sind den Sportlern bei Olympia zum Beispiel untersagt. Warum eigentlich?

Es sind doch genau solche Sportler wie Neuner sympathisch und erinnerungswert, die für etwas stehen und eine eigene Meinung nicht nur haben, sondern diese auch laut vor großem Publikum äußern. Man möchte den Aktiven deshalb zuschreien: Macht den Mund auf! Wehrt euch gegen die Einschränkungen auch bei Olympia! Macht euch frei von den Zwängen der Verbände! Jeder sollte das dürfen.

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