Neuzugang bei den Eisbären Berlin : Leonhard Pföderl ist der Mann für die Tore

Leonhard Pföderl ist der prominenteste Neuzugang bei den Eisbären. Bei seinem neuen Klub in Berlin hat sich der Stürmer viel vorgenommen.

Silber im Gepäck. Pföderl gehört zum Stamm der Nationalmannschaft. 2018 erreichte er bei Olympia das Finale, ein Jahr später das Viertelfinale bei der WM.
Silber im Gepäck. Pföderl gehört zum Stamm der Nationalmannschaft. 2018 erreichte er bei Olympia das Finale, ein Jahr später das...Foto: picture alliance/dpa

Leonhard Pföderl grinst. Immer wieder, minutenlang. Der 25-jährige Stürmer der Eisbären Berlin bestätigt damit nachhaltig das Klischee von der bayerischen Frohnatur. Nun hat Berlins führender Eishockeyverein Pföderl nicht wegen seines freundlichen Wesens verpflichtet, sondern weil der Nationalspieler Tore schießen soll. Und das möglichst viele. Wenn er deshalb in der kommenden Saison nach Spielen möglichst häufig strahlt, dürften alle Seiten zufrieden sein.

„Es wird schon so sein, dass ich den ein oder anderen ’neinhauen muss“, sagt Pföderl am Mittwoch nach der Trainingseinheit im Sportforum. Sein Coach hatte zuvor die Zielvorgabe an seinen Angreifer ähnlich prägnant formuliert: „Es ist kein großes Geheimnis, dass Leos stärkste Waffe sein Abschluss ist“. Ansonsten müsse er einfach seine bestmögliche Leistung abrufen, so wie jeder andere im Team auch.

Die Eisbären konnten endlich mal wieder einen Nationalspieler verpflichten

Pföderl wechselte im Sommer aus Nürnberg nach Berlin. Er ist der prominenteste Neuzugang der Eisbären, die damit endlich auch einmal wieder einen aktuellen Nationalspieler verpflichten konnten. In Südkorea gewann der 1,83 Meter große Rechtsschütze 2018 die Silbermedaille mit dem deutschen Team – gemeinsam mit den Eisbären Frank Hördler, Jonas Müller und Marcel Noebels. Die drei Kollegen waren dann auch seine ersten Anlaufstationen in Berlin, „klar, dass man mit denen erst einmal etwas unternimmt und zum Beispiel einen Kaffee trinkt“, sagt Pföderl. Aber inzwischen habe er auch die anderen Spieler aus der Mannschaft kennengelernt.

In den kommenden Tagen wird sich der Eingewöhnungsprozess vermutlich noch einmal beschleunigen, denn am Freitag reisen die Eisbären ins Trainingslager nach Berchtesgaden. Dort geht es vor allem darum, die Chemie im Team zu entwickeln – inklusive der Hierarchie. Als deutscher Nationalstürmer könnte Pföderl da durchaus Ansprüche stellen, aber zunächst einmal möchte er Leistung zeigen. Dazu hat er in den kommenden Tagen gegen teils hochkarätige Gegner die nächsten Gelegenheiten. In Weißwasser lief es in dieser Hinsicht beim ersten Testspiel der Eisbären noch nicht nach Wunsch. Die Berliner verloren beim Kooperationspartner Lausitzer Füchse am vergangenen Sonntag 4:5 nach Penaltyschießen. Große Aussagekraft misst Pföderl dem Ergebnis allerdings nicht bei: „Ich habe auch mit Nürnberg in der Vorbereitung schon gegen Zweitligisten verloren und am Ende sind wir doch ins Halbfinale gekommen.“

Insgesamt hält Pföderl die Eisbären durchaus für stark genug, um die Play-offs zu erreichen. Auch wenn die Mannschaft sich im Umbruch befindet. Serge Aubin setzt als neuer Trainer andere Schwerpunkte in der Vorbereitung als das in der Vergangenheit der Fall war. In den bis zu zwei Stunden langen Einheiten geht es bisher ordentlich zur Sache. Am Mittwoch erwischte es beispielsweise Marcel Noebels, der Stürmer hatte den Stock eines Mitspielers ins Gesicht bekommen und musste behandelt werden. Dinge, die passieren in einer Mannschaft, die sich erst wieder neu sortiert.

In München oder Mannheim hätte er wohl mehr Geld verdienen können

Leonhard Pföderl freut sich auf die kommenden Aufgaben, so wie er sich auf seine neue Umgebung gefreut hat. Mit dem Faktor Berlin konnten die Eisbären den von anderen Klubs ebenfalls umworbenen Torjäger von einem Wechsel überzeugen. In Mannheim oder München hätte er angeblich mehr Geld verdienen können. Aber die Hauptstadt ist nun einmal ein Pfund, mit dem andere Klubs in der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) nicht wuchern können. „Bisher gefällt mir alles sehr gut“, sagt Pföderl, der in der Innenstadt ein Zuhause gefunden hat. Andererseits „bin ich jetzt ja auch nicht zum ersten Mal in Berlin.“

Mit den Nürnberg Ice Tigers war er das häufiger, immerhin ist Pföderl auch als Mittzwanziger schon ein DEL-Veteran. So erzielte er in 373 Spielen bereits 126 Treffer, 14 davon gegen die Eisbären. In der vergangenen Saison erlebte Pföderl allerdings einige weniger erfreuliche Momente, zwischendurch wurde er kaum noch eingesetzt. Zeitlich lief das in etwa parallel zu seinem bekannt gewordenen Wechsel nach Berlin. Es spricht allerdings für Pföderl, dass er sich in dieser Phase nicht hängen ließ und am Ende der Spielzeit trotzdem erneut bester Nürnberger Torschütze war. Mehr als 17 Treffer erzielte auch nur ein Eisbären-Spieler 2018/19 in der Hauptrunde – und Jamie MacQueen hat Berlin inzwischen verlassen. Das macht noch einmal deutlich, was von Pföderl erwartet wird.

Er selbst nimmt das alles locker. Aus der Ruhe lässt sich ein Leonhard Pföderl jedenfalls nicht so einfach bringen. Und wenn er dazu auch wieder seine Tore erzielt, dürfte er damit einige Menschen in Berlin froh machen.

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