Hartmann über IOC-Chef Bach: "Ziemlich enttäuschend"

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NOlympia-Gründer Hartmann : "Berlin muss die Bürger fragen"

Es gibt dieses Instrument in Berlin.

Wenn es die Möglichkeit gibt, müssten die Regierenden eigentlich eine Bürgerbefragung vorschalten. Weil sie genau wissen: Wenn sie es nicht machen, dann werden die Bürger eine Abstimmung erzwingen. Ob das dann der bessere Weg ist, wenn man in eine Abstimmung gezwungen wird, die man selbst nicht wagt vorzuschlagen, möchte ich bei einem Projekt in dieser Größenordnung bezweifeln.

Was muss Klaus Wowereit machen, um die Berliner von Olympischen Sommerspielen zu überzeugen?

Die Verantwortlichen in Sport und Politik müssen glaubhaft begründen können, was der nachhaltige Mehrwert eines solchen Projektes ist. Und sie müssten hinbekommen, dass die Verträge mit dem IOC auf Augenhöhe ausgehandelt werden. Wie Vertragspartner, die gemeinsam eine Firma gründen wollen und sich einigen müssen: Wie wird der Verlust aufgeteilt, wenn es schief geht, und wie wird der Profit aufgeteilt, wenn Geld verdient wird. Aber eigentlich liegt jetzt der Ball beim IOC, mit seinem deutschen Präsidenten an der Spitze.

Thomas Bach will sich bisher nicht dazu äußern.

Das finde ich ziemlich enttäuschend. Nachdem Thomas Bach die letzte Bewerbung massiv vorangetrieben hat, ist es schwach, dass er sich jetzt nicht äußert. Auch dass er in Deckung geht beim Thema Steuerfreiheit, zeigt: Die haben wirklich ein Problem, wie man diesen Vorgang argumentativ unterfüttern kann.

Mit dieser Grundsatzkritik müssten Sie auch gegen eine Bewerbung für die Fußball-EM 2024 sein. Die Fußballverbände sind auch nicht gerade für Ihre Barmherzigkeit bekannt.

Interessant ist, was in Brasilien passiert. Dort wird gerade gegen den Vertrag für die Fußball-WM 2014 geklagt. Da steht im Raum, ob die Fifa 400 Millionen an das Land zahlen muss, weil sie für bestimmte Kosten aufkommen muss, die sie sich nachträglich aus dem Vertrag hat rausstreichen lassen. Wenn Brasilien damit Erfolg hat, glaube ich, ist kaum ein Land bereit, die WM auszurichten, ohne bei den Verträgen nachzubessern. Aber das ist eine Entwicklung, die gerade erst beginnt.

Für Sie ist es auch ein persönlicher Erfolg. Wechseln Sie demnächst auf die Bundesebene, um weitere Olympiabewerbungen zu verhindern?

Ich bin ganz froh, dass die Bürger unsere Arbeit im Bündnis NOlympia honoriert haben und das Thema politisch in Bayern beendet ist. Wir würden aber selbstverständlich den Menschen vor Ort mit Informationen sofort zur Verfügung stehen.

Das Gespräch führte Benedikt Voigt.

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